Bremgarten
Die kleine Perle unter den Altstadtläden verschwindet

Bei Modes Silvia kauften Mädchen den Schulsack und später als junge Frauen den Brauthut. Nach 40 Jahren wird das Geschäft jetzt geschlossen. Das Gebäude wird saniert und neu vermietet. Was kommt, ist noch offen.

Lukas Scherrer
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Ein letztes Mal stöbern Kunden bei Modes Silvia und profitieren vom Liquidationsverkauf — am Freitag ist alles vorbei. lukas Scherrer

Ein letztes Mal stöbern Kunden bei Modes Silvia und profitieren vom Liquidationsverkauf — am Freitag ist alles vorbei. lukas Scherrer

Lukas Scherrer

Noch sind die Regale voll mit modischen Hüten und farbenfrohen Taschen. Doch am Freitag schliesst das Traditionsunternehmen Modes Silvia für immer seine Türen. Dann wird das Haus umgebaut und zur Miete ausgeschrieben. Nach rund 40-jähriger Geschichte hat sich Helenka Kettner, die aktuelle Besitzerin des Altstadt-Ladens dazu entschlossen.

Stolz hält die junge Mutter ihre Tochter Julia in den Armen und hat keinen Grund zu trauern. «Ich freue mich auf die kommende Zeit!», sagt sie und fügt an, dass die letzten Monate sehr streng waren. Denn seit ihre Schwester weggezogen ist, führt Helenka Kettner den Laden alleine. Doch mit Administration, Lagerbewirtschaftung, Ladenpräsenz und der Versorgung des Babys sei das «mehr als ein 100 %-Job», wie Helenka Kettner eingestehen muss.

Ein Wahrzeichen verschwindet

Nach der Geburt ihrer Tochter fiel Helenka Kettner der Entscheid zur Schliessung leicht: «Ich wollte Julia wegen des Ladens nicht in eine Krippe geben müssen». Für die Bremgarter Altstadt findet sie es aber schade, dass Modes Silvia verschwindet. Der Laden sei ein Wahrzeichen im Gewerbetreiben der Altstadt gewesen und habe immer viele Kundinnen und Kunden angezogen.

Den langjährigen Erfolg des Geschäfts sieht Helenka Kettner im bunten Mix ihres Sortiments. Bei der Auswahl der Hüte und Taschen hat sie stets auf ihren eigenen Geschmack vertraut, was die Kundschaft zu schätzen wusste. «In den grossen Warenhäusern bekommt man überall das Gleiche, bei uns fand man das Spezielle», ist sich Helenka Kettner sicher. Schaut man sich im Laden um, gibt man ihr Recht.

Modes Silvia damals und heute

Die Geschichte des Ladens begann vor über 40 Jahren mit der Familie Lüthi. Als reines Hutgeschäft mit eigener Produktion übernahm Silvia Küttel 1969 den Laden und erweiterte das Sortiment um massgefertigte Vorhänge. Laufend kamen neue Artikel hinzu und im Jahre 1976 liess Silvia Küttel gar die gesamte Ladeneinrichtung umgestalten.

«Die Bremgarter Altstadt war die Einkaufsmöglichkeit und profitierte von überregionaler Kundschaft», erinnert sich Silvia Küttel an ihre Anfänge als Ladenbesitzerin. Das war auch der Grund, warum sie sich damals für das Geschäft interessierte, als sie von Zürich ins Freiamt zog.

Am Gewerbe in der Altstadt habe sie besonders den Zusammenhalt der einzelnen Ladenbesitzer untereinander geschätzt. In den oft schwierigen Geschäftsjahren war dieser besonders wichtig. Doch das Schönste waren für Silvia Küttel die Kunden. «Es gab Kinder, die bei uns ihren ersten Schulsack bekommen haben und auch als Erwachsene noch im Laden einkauften», sagt sie strahlend.

Bis 2006 führte Silvia Küttel den Laden erfolgreich weiter, ehe sie mit 69 Jahren das Geschäft an die beiden Kettner-Schwestern übergab und in den Ruhestand trat. Allerdings tat sie das nicht, ohne den neuen Besitzern ein wenig Starthilfe zu geben. Sie besuchte mit ihnen Händler und zeigte ihnen alles, was es über die Führung eines Modeladens zu wissen gibt.

Auf die Frage, ob sie traurig über die Schliessung von Modes Silvia sei, winkt die ehemalige Besitzerin jedoch ab. «Das ist der Lauf der Zeit, einmal muss etwas Neues kommen.», sagt die Rentnerin und freut sich, wenn nach dem nun folgenden Umbau des Hauses ein anderer Unternehmer sein Glück in der Bremgarter Altstadt versuchen darf.