Wohlen

Die Kirche in Wohlen öffnet Asylbewerbern die Türe

Die Kirchenpflege Wohlen stellt Pfarrhelferhaus vorerst ein Jahr lang für eine asylsuchende Familie zur Verfügung. Damit hat sie das Anliegen der katholischen Landeskirche aufgenommen und Unterkünfte gesucht.

Als erste Kirchgemeinde im Aargau stellen die Wohler Katholiken dem Kanton eine Liegenschaft für Asylbewerber zur Verfügung. «Die Kirchenpflege und das Seelsorgeteam haben einstimmig entschieden, im Pfarrhelferhaus neben der Kirche eine asylsuchende Familie aufzunehmen», sagt Kirchenpflegepräsident Kurt Notter.

Seit Notter dies am Sonntag in den Gottesdiensten und beim Wohler «Pfarreikafi» ankündigte, hat er nur positive Reaktionen erhalten. «Wir sind der Meinung: Solange im Asylbereich ein derartiger Notstand wie jetzt besteht, sollten und müssen wir Hand bieten, einen Beitrag zur Linderung zu leisten», hält er fest.

Anfrage der Landeskirche

Auslöser war ein Brief der Landeskirche, in dem Kirchenratspräsident Luc Humbel die einzelnen Kirchgemeinden aufforderte, Ausschau nach Unterkünften für Asylsuchende zu halten. «Die Kirchenpflege hat dieses Anliegen aufgenommen und an zwei Sitzungen fundiert und kritisch diskutiert», blickt Notter zurück.

Dabei sei es nicht darum gegangen, die Ausländerpolitik oder das Asylwesen zu beurteilen. Er betont, der Beschluss, Asylbewerber aufzunehmen, sei aus Sicht der Kirchenpflege richtig. «Es darf nicht sein, dass Asylsuchende an überfüllten Empfangszentren abgewiesen und auf die Strasse gestellt werden», sagt er, «ohne dass wirklich beurteilt werden kann, ob sie sich in einer Notlage befinden».

Notter sagt, die Kirchenpflege und das Seelsorgeteam hätten sorgfältig geprüft, «ob und unter welchen Bedingungen wir ein humanitäres Angebot machen können». Dabei zeigte sich: Es ist möglich, das Pfarrhelferhaus befristet zur Verfügung zu stellen.

Kanton akzeptiert Bedingungen

Die Wohler Kirchenpflege stellt auch Bedingungen und Forderungen an den Kanton. Notter zählt auf: «Wir möchten eine Familie mit maximal drei Kindern, die vom kantonalen Sozialdienst betreut und professionell begleitet wird.» Ausserdem soll es tägliche Securitas-Kontrollgänge geben und die Mietdauer ist vorerst auf ein Jahr beschränkt. Mit Vertretern des kantonalen Sozialdienstes fand daraufhin ein Augenschein im Pfarrhelferhaus statt. «Unsere Bedingungen wurden dabei vollumfänglich akzeptiert», freut sich Notter. Vor diesem Hintergrund hätten Kirchenpflege und Seelsorgeteam ihre Entscheidung getroffen. «Es ist möglich, dass im April eine Familie einziehen wird», blickt Notter voraus.

Bislang war vorgesehen, das Pfarrhelferhaus für einen Pfarrhelfer oder für die Jugendseelsorge zu verwenden. «Sollte der neue Pastoralraum in absehbarer Zeit errichtet sein, könnten dort ebenfalls Räume benötigt werden. Dies dürfte aber frühestens in einem Jahr der Fall sein», erklärt Notter. Für den Fall, dass wie vorgesehen ein Pfarrhelfer angestellt werde, bestehe die Möglichkeit, eine Wohnung im Haus Chilegässli 3 über dem Claro-Laden zur Verfügung zu stellen. «Die Kirchgemeinde verbaut sich also keine Optionen», betont Notter.

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