Walter Friedli schaut vorwärts, denn seine Arbeit ruft ihn freudestrahlend beim Namen: «Grüezi Herr Friedli!», tönt es allenthalben, wenn der Polizist mit dem gewinnenden Lächeln in «seiner» Stadt unterwegs ist. Die Kinder kennen und lieben ihn, denn wenn er in die Schule kommt, dann wird es spannend und lustig.

Seit 30 Jahren ist der gebürtige Berner bei der Regionalpolizei Bremgarten zuständig für die Verkehrsinstruktion und für die Märkte. «Als ich hier anfing, habe ich zwei Ruinen übernommen», erinnert sich Friedli «und es war wirklich ein Sprung ins kalte Wasser. Mein erster Arbeitstag war der 1. Oktober 1987, ein Donnerstag.

Am Samstag sollte ich schon meinen ersten Altstadtmarkt leiten.» Dummerweise regnete es an diesem Tag wie aus Kübeln und von den 65 angemeldeten Marktfahrern erschienen nur gerade 30. Aus dieser Erfahrung zog der junge Polizist seine Lehren. Er begann, den laschen Marktbetrieb neu zu organisieren und auch neu zu positionieren: «Ich habe den ganzen Markt weiter runter verlegt in die Stadt, sodass die Stände sichtbar wurden.»

Auch dem Verkehrsinstruktorendienst hat Friedli von Anfang an seinen Stempel aufgedrückt. Gleich am Montag nach dem Altstadtmarkt begann er in Luzern mit der Verkehrsinstruktorenschule und besuchte viele Schulen in anderen Gemeinden, um zu sehen, wie da die Verkehrskunde unterrichtet wird.

So entdeckte er das Lehrmittel «Die Strasse und ich», das er unbedingt für seine Schüler haben wollte. «Das kostete damals acht Franken pro Heft», erzählt Friedli, «und als ich das meinem Chef vorschlug, sagte der: ‹Bei uns kannst du das vergessen.›» Aber Friedli wartete nur auf die passende Gelegenheit. Als ihn der Stadtammann nach seinem Befinden am neuen Arbeitsplatz befragte, da erwähnte Friedli, dass er noch viel besseren Erfolg haben könnte, wenn er das neue Lehrmittel für den Unterricht hätte. «Am nächsten Tag habe ich die Hefte bestellt.»

Seine berufliche Laufbahn startete Friedli bei der Post. «Mein Ziel war es ursprünglich mal, irgendwann eine eigene Poststelle zu leiten», sagt Friedli und zieht die Schultern hoch, «aber dann haben sie bei der Stadtpolizei einen gesucht, der die Schule und den Markt übernehmen wollte. Kurt Widmer, der damalige Chef der Stadtpolizei hat mich angerufen und so kam ich zur Polizei.»

Arbeit mit Kindern gefällt ihm

Bereut hat er diesen Schritt bis heute nicht, im Gegenteil. Obwohl er im Februar 2019 pensioniert wird, hat er bereits zugesagt, seinen Dienst als Marktchef von Bremgarten noch bis 2021 weiter zu versehen, «wenn es die Gesundheit zulässt.» Um seine Gesundheit scheint man sich allerdings kaum Sorgen machen zu müssen, denn aus seiner Haltung und seinen Worten spricht so viel jugendlicher Elan, dass man ihm den Jahrgang 1954 nicht geben würde.

Aber dafür gibt er alles, vor allem, wenn es um die Verkehrsschulung der Kindergärtler und der 1.- bis 4.-Klässler geht. «Die Arbeit mit den Kindern ist schön», schwärmt Friedli, der selber Vater von drei erwachsenen Töchtern und zweifacher Grossvater ist, «da ist kein Morgen gleich wie der andere.»

Seine beiden Hauptbeschäftigungen als Regionalpolizist befruchten sich gegenseitig. Als Marktchef ging er vor drei Jahren über den Markt und fragte spontan ein paar Kinder an einem Stand mit Handpuppen, welche ihnen denn am besten gefalle. «Ich wollte unbedingt so eine Puppe, um im Verkehrsunterricht einen Partner dabei zu haben, mit dem sich die Kinder identifizieren können», erzählt Friedli. «Es waren drei Puppen im Rennen, ich wusste auch schon, welche ich wählen würde. Aber ich wollte unbedingt das Urteil der Kinder. Die Kinder haben auf die Puppe gezeigt, die mir auch am besten gefallen hat und riefen: ‹Die da!›»

So besucht Friedli seither zusammen mit Roby die Schulen. Roby hat auch ein eigenes Kindergartentäschli, «dasselbe wie mein Enkel, mit dem weissen Raben drauf.» Sein Unterricht ist offensichtlich nachhaltig. «Wir hatten schon sehr lange keinen Unfall mehr, in den eines unserer Kinder verwickelt war», freut sich Friedli, der neben Bremgarten noch zehn weitere Gemeinden als Verkehrsinstruktor betreut. «Ich will, dass jedes Kind die Regeln nicht einfach lernt, sondern begreift und anwendet. Zum Beispiel beim Velofahren: der Blick zurück ist mir wichtig.»

Der Erste und der Letzte

So lieb und nachsichtig Friedli mit den Kindern sein kann, so bestimmt und durchsetzungsfähig tritt er als Marktchef von Bremgarten auf. So hat er in den vergangenen 30 Jahren aus der Alt- eine Marktstadt gemacht, die vor allem an Ostern und zu Weihnachten die Besucher carweise aus dem In- und Ausland ins Reussstädtchen lockt.

Vom 7. bis 10. Dezember wird Friedli, zusammen mit seinen Kollegen von der Polizei, der Sanität und dem Sicherheitsdienst, wieder jeden Tag auf dem Markt nach dem Rechten sehen. «Ich bin der Erste und der Letzte», sagt Friedli, und er weiss, dass er allein in diesen vier Tagen wieder an die 70 Stunden arbeiten wird. Eine Aufgabe, die ihn aber nicht ermüdet, sondern mit Stolz erfüllt, denn er weiss: «Ich habe mir als Marktchef in der ganzen Schweiz einen guten Ruf erworben.

Die schönsten Bilder vom Christchindlimärt Bremgarten 2016:

Am Anfang haben sie mich beim Treffen der Marktchefs noch ausgelacht. Für viele war ich nur der ‹Hausfrauenmarkt›-Chef, weil wir auch viel Kunsthandwerk im Angebot hatten. Aber ich war immer überzeugt, dass es die richtige Mischung eben ausmacht. Und im Gegensatz zu vielen Märkten, die eingegangen sind, lebt unser Markt immer noch.»

Dafür schätzen ihn die Marktfahrer und buhlen geradezu um die begehrten Standplätze in Bremgarten. Die Stadt und ihre kleinen und grossen Bewohner sind ihrem unermüdlichen Marktchef und Verkehrsinstruktor aber einfach dankbar, dass er um ihre Sicherheit und um das Leben in der Stadt besorgt ist.