Am Montagabend war ganz Paris im Ausnahmezustand. Die Menschen blieben stehen, verharrten, den Blick in Richtung Notre-Dame gerichtet. Dort, wo eine mächtige Rauchsäule in die Höhe stieg. Dort, wo Flammen um die ehrwürdige Kathedrale züngelten.

Vor fast genau 35 Jahren spielten sich in Bremgarten ähnliche Szenen ab. Es war der 28. März 1984, als die katholische Stadtkirche lichterloh brannte (siehe Bildergalerie). Wie in Paris brach der Kirchenbrand im Reussstädtchen während Renovierungsarbeiten aus. Und zwar, als Arbeiter versuchten, eine Schraube zu lösen, kurz nachdem sie das Dachgebälk gegen Holzwürmer imprägniert hatten. Es gab einen Funken, dieser entzündete die noch nicht entwichenen Dämpfe des Imprägniermittels, und der Rest ist Geschichte.

Brand in der Notre-Dame ist wie ein Déjà-vu

Brand in der Notre-Dame ist wie ein Déjà-vu: Einsatzkräfte erinnern sich an den Bremgarter Kirchenbrand 1984.

Marktgasse von Asche bedeckt

«Es isch nid schön gsi», sagte der damalige Pfarrer der Kirche 20 Jahre später gegenüber dieser Zeitung. Anton Studer war gerade im Pfarrhaus, als das Feuer ausbrach: «Das war schon ein schlimmes Erlebnis, wenn man sieht, wie die Kirche brennt.» Selbst die Bremgarter Marktgasse, die mehrere hundert Meter von der Kirche entfernt ist, war von Asche bedeckt. Die Stadt hatte Glück im Unglück: Es kamen weder Personen zu Schaden, noch griff das Feuer auf andere Gebäude über. Dennoch sass der Schock tief. Tagelang, wie Zeitzeugen bekräftigen. Für den Pfarrer war das Schlimmste aber das Warten. Das Warten auf den Beginn des Wiederaufbaus der Kirche.

Heute erinnert vor allem noch die Glocke im Kirchgarten an den Brand, die als Mahnmal dient. Thomas Burger, Kommandant der Bremgarter Feuerwehr, erinnert noch etwas anderes an den Brand. Die Steigleitung, die beim Wiederaufbau installiert wurde. Dabei handelt es sich um ein Stahlrohr, das vom Boden bis hinauf zum Kirchturm führt. In dieses können die Feuerwehrleute im Falle eines Brandes Wasser einspeisen und das Feuer von oben bekämpfen. Entweder kann im Kirchturm ein kurzer Schlauch am anderen Ende der Leitung befestigt werden, oder, falls der Kirchturm nicht mehr begehbar ist, kann die Installation wie eine Art Sprinkleranlage benutzt werden. «Leider können wir die Steigleitung nicht ausprobieren und in eine Übung integrieren», sagt Burger, und fährt fort: «Das Wasser würde das Gebäude beschädigen.» Zusätzlich wurde ein Brandmelder installiert. Als der Feuerwehr-Kommandant vom Brand in Paris hörte, dachte er sofort an sein Einsatzgebiet. Der natürliche Reflex, sagt Burger. «Wie würden wir vorgehen, was sind die Herausforderungen?», das seine Gedanken. Ihm sei dabei wieder einmal bewusst geworden, wie wichtig die Zusammenarbeit wäre. «Ohne Hilfe von anderen Feuerwehren sind wir bei einem Kirchenbrand überfordert.»

Das Brandrisiko ist auch im Berner Münster ein stetes Thema

Das Brandrisiko ist auch im Berner Münster ein stetiges Thema

Annette Loeffel ist Münsterarchitektin in Bern. Bei Renovationsarbeiten gelangen durch Baugerüste spezielle Brandlasten in die Kirche. Sie und die Bauarbeiter schauen, dass diese ein möglichst geringes Risiko darstellen. So kommen nur noch LED-Bauleuchten zum Einsatz und die Baustelle ist ohne Schlüssel nicht zugänglich. Es werden auch zusätzlich Brandmelder installiert, damit bei einem allfälligen Brand die Feuerwehr schnell vor Ort ist, wie Annette Loeffel im Interview mit Keystone-SDA sagt.

Als in Muri das Kloster brannte

Ganze 43 Feuerwehren sollen am 21. August 1889 ausgerückt sein, als in Muri das Kloster brannte. Darunter war auch ein Retterkorps aus Glarus. Es war aber auch ein mächtiges Feuer, gegen das die Feuerwehrleute ankämpfen mussten. Berichtet wird von einer 213 Meter langen Feuerlinie, und Pater Martin Kiem, einstiger Chronist der Klostergeschichte Muri, fasste es Ende des 19. Jahrhunderts so zusammen: Es sei halb vier Uhr am Nachmittag gewesen, als das Feuer unter dem Dach ausgebrochen sei. «Mit rasender Schnelligkeit ergriff es links und rechts den ganzen Dachstuhl der Front.» Im Gegensatz zum Brand in Bremgarten konnte nie abschliessend geklärt werden, was das Feuer ausgelöst hat. Lange war von Brandstiftung die Rede, doch der Verdächtige hatte ein Alibi. So entstand die Legende, dass die strafende Hand Gottes das Kloster in Brand gesteckt hat. Als Rache dafür, dass nach der Auflösung des Klosters 1841 die Mönche aus dem Dorf vertrieben worden waren.

Notre-Dame: So sieht es in der Kathedrale nach dem Inferno aus

Notre-Dame: So sieht es in der Kathedrale nach dem Inferno aus

Ein Video von Montagabend zeigt Feuerwehrleute, die den Schaden von der vom Feuer zerstörten Notre-Dame in Paris begutachten. Die Kathedrale liegt in Schutt und Asche, vom Dach rieselt die letzte Glut. Die Feuerwehr erklärte am Dienstagmorgen das Feuer nach einem mehr als zwölfstündigen Kampf als gelöscht.

Wie dem auch sei, auch in Muri hätte es vor 130 Jahren weit schlimmer kommen können. Niemand wurde verletzt, und die Feuersbrunst verschonte die Klosterkirche. Mittlerweile gerate die Katastrophe immer mehr in Vergessenheit, so Peter Hochuli, Präsident der Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri, der am Montag dachte: «Jesses Gott, wenn das bei uns passiert.» Doch seine Gedanken waren in erster Linie bei der Notre-Dame. Bei Paris.