50 Jahre Kanti Wohlen

Die Kanti ist so jung wie Susanne Hochuli

Gute Stimmung auf dem Podium (v.l.): Moderatorin Susanne Wille (Matur 1996), Bundesrätin Doris Leuthard (Matur 1983), Schulleiter Rolf Stadler (Patent 1975), Simon Eugster, Akademischer Rat Universität Stuttgart (Matur 2004).

Gute Stimmung auf dem Podium (v.l.): Moderatorin Susanne Wille (Matur 1996), Bundesrätin Doris Leuthard (Matur 1983), Schulleiter Rolf Stadler (Patent 1975), Simon Eugster, Akademischer Rat Universität Stuttgart (Matur 2004).

Den 50.Geburtstag der Kanti Wohlen feiern Doris Leuthard, Susanne Wille und viele andere Ehemalige mit.

«Als die Kantonsschule 1966 eröffnet wurde, damals noch als Seminar, waren meine Haare noch schwarz, und ich hatte keine Ahnung, wo Wohlen liegt», eröffnet Rektor Franz Widmer die Festlichkeiten zum 50. Geburtstag der Kanti. Sympathisch überlegt er laut, wen er der Wichtigkeit halber als Erstes begrüssen sollte: die Bundesrätin, die Steuerzahler, die Lehrerschaft oder gar die Schüler? Jede dieser Gruppen und Personen ist so wichtig, dass es die Kanti ohne sie nicht gäbe.

Wer jedoch schon damals ganz genau wusste, wo Wohlen und auch die heutige Kanti zu finden waren, ist alt Bundesrichter und erster Vizepräsident der Seminarkommission, Carl Hans Brunschwiler. In seinem schönsten Freiämterdeutsch berichtet der Exilfreiämter, wie er 1964, also zwei Jahre vor dem Bau der Kanti, an verschiedene Persönlichkeiten des Freiamts schrieb und für eine Arbeitsgruppe für die Gründung der Kantonsschule Wohlen warb – oder als Sofortmassnahme mindestens für eine Zweigstelle des Seminars Zofingen. Letzteres wurde anschliessend umgesetzt; den Stolz hört man noch heute aus seiner Stimme.

Und noch etwas schimmert zwischen seinen Worten zu den rund 200 Mitfeiernden hindurch: Nostalgie, die «Weisch-no-Stimmung», wie es Frau Landammann Susanne Hochuli nennt. Sie weiss genau, weshalb sie als Rednerin zum 50. Geburtstag eingeladen wurde. Nicht etwa, weil sie den Kanton so gut vertrete, sondern schlicht, weil sie genau wisse, wie es sei, ein halbes Jahrhundert alt zu sein, erklärt sie lachend. Spannend sind ihre Ausführungen zur damaligen Zeit; sie hat recherchiert, was das Freiamt damals, 1966, sonst noch bewegt hat: die grösste Maul- und Klauenseuche, eine Typhusepidemie, die Bildung der ersten Einwohnerräte, die Umstellung der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn von Gleichstrom auf Wechselstrom, die Gründung des Ballspielklubs Wohlen und der Neubau des Chappelehofs.

Klavierstunde oder Jassen?

Doch was haben die ehemaligen Schülerinnen und Schüler aus ihrer Kantizeit mitgenommen? Moderatorin Susanne Wille (Matur: 1996) nahm neben Wissen Sitzleder, Verständnis und eine kritische Haltung mit, also alles, was eine gute Journalistin braucht. Bundesrätin Doris Leuthard (Matur: 1984) ist glücklich, dass sie eine gute Mischung aus Disziplin und Verständnis von der Lehrerschaft erfahren hat. Rolf Stadler (Lehrerpatent: 1975), der heutige Präsident der Wohler Schulleiter, fasst schmunzelnd zusammen: «Durch den gedrängten Stundenplan habe ich gelernt, mit Belastungen umzugehen und Prioritäten zu setzen. Zum Beispiel, dass Jassen manchmal wichtiger war als der Klavierunterricht oder Französisch.» Und das Mitglied des akademischen Rats der Uni Stuttgart, Simon Eugster (Matur: 2004), lernte an der kleinen, familiären Kanti, dass er mitdenken und mitbestimmen kann: «Wenn ich nicht zufrieden bin, kann ich etwas ändern.» Und welchen Tipp geben sie den heutigen Kantischülerinnen und -schülern mit? «Wenn ihr studieren wollt, wählt das Fach, an dem ihr Spass habt, denn darin seid ihr am besten», so Eugster. Stadler fügt an: «Ihr werdet in eurem Leben nie wieder so viel Zeit haben wie jetzt. Geniesst sie und probiert viele Dinge aus.» Hier hakt auch Leuthard ein: «Ja, ausprobieren und Fehler machen ist super. Und seid auch dankbar dafür, dass ihr frei denken und wählen könnt.»

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