Rückblende: Vor 18 Jahren feierten die Waltenschwiler Seilzieher ihren letzten Schweizer Meistertitel. Es war das Ende einer beispiellosen Ära. Ab Mitte der 80er-Jahre dominierten die Freiämter die nationale Szene nach Belieben, gewannen zwischen 1986 und 1991 fünfmal den Titel. Zudem stellte man damals das Gros der Nationalmannschaft, welche sowohl an der EM (1987) als auch an der WM (1988) eine Medaille holte.

Die Meisterschaftsturniere lockten damals bis zu 500 Zuschauer auf den Platz neben der Kirche. Und Waltenschwils Frauen waren jahrelang zusammen mit Lieli eine nationale Grösse. Tempi passati. Die Gegenwart präsentiert sich um einiges weniger glamourös.

Versäumnisse im Erfolg

Ein Dutzend Schaulustige verfolgte am Samstag das U23-Turnier, ein paar Zuschauer mehr gestern Sonntag das Turnier der Aktiven 580 kg. Und: Waltenschwils Teams spielen sportlich keine grosse Rolle mehr.

Für Stefan Breitenstein, seit zwei Jahren Präsident des 1977 gegründeten Seilzieh-Klubs Waltenschwil, sind die Gründe für den Niedergang des Vereins hausgemacht.

Die grossen Zeiten des Klubs kennt der 1984 Geborene zwar nur aus Erzählungen. Dennoch sagt er: «Damals in den erfolgreichen Jahren setzte man wohl zu wenig auf den Nachwuchs.»

Mit der Zeit zogen sich die erfolgreichen Seilzieherinnen und Seilzieher zurück, von unten kamen kaum Junge nach. Mit der Konsequenz, dass die Waltenschwiler jahrelang nicht einmal mehr eine Aktivmannschaft stellen konnten.

Seit zwei Jahren nehmen sie in der Kategorie 580 kg wieder teil. Aber nur dank der Zusammenarbeit mit dem Klub aus Schongau. «Sie hätten alleine zu wenig Aktive, wir auch», erklärt Breitenstein, «zusammen können wir eine Mannschaft stellen.»

Schwarzmalen will man in Waltenschwil allerdings nicht. Laut Markus Stutz, dem Trainer der U23-Mannschaft, ist man auf gutem Weg in die Zukunft. «Wir machen die Jungen fit für den Sprung zu den Aktiven.»

Auch wenn die Resultate noch nicht sehr zuversichtlich stimmen, Optimismus sei, so Präsident Breitenstein, mit Blick auf die nächsten Jahre durchaus angebracht. «Drei der Jungen ziehen jetzt schon in der 580-kg-Kategorie. Glauben Sie mir, bange ist mir um die Zukunft unseres Klubs nicht.»

Trainiert wird ein- bis zweimal pro Woche in einer alten Scheune mitten in einem Wohnquartier sowie auf einer Wiese beim ehemaligen Bahnhof. «Wir sind mit den Bedingungen zufrieden», so Breitenstein. In Waltenschwil haben sie sich augenscheinlich mit der Situation arrangiert. Und nicht nur das. «Wir gehen positiv in die nächsten Jahre», wiederholt Breitenstein lächelnd.