Mit der Stille haben sie sich Gehör verschafft, mit der Stimme anschliessend Politik gemacht. Die Mitglieder des Jugendrats eröffneten die zehnte Wohler Jugendsession mit einer Schweigeminute für die Opfer der Pariser Terroranschläge. Ein symbolischer Akt, welcher von der Reife und Empathie zeugt, mit welcher die über 70 Oberstufen- und Kantischüler anschliessend auch über diverse kommunale Themen und Anliegen diskutierten.

Die inhaltlichen Schwerpunkte wurden dabei bereits im Vorfeld festgelegt – und das absolut einstimmig. Was derzeit den Bundesrat in Bern beschäftigt, interessiert nämlich auch den Jugendrat in Wohlen. Integration und Immigration waren die grossen Themen, welche während dem World-Café am Freitag- und der Jugendsession am Samstagnachmittag diskutiert wurden. «JUGENDintegRATion» hiess das eingängige Motto.

Fokus liegt nicht mehr auf Party

Wenn einem Politiker gesagt wird, was er zu tun hat, nimmt er das normalerweise eher zähneknirschend auf. Nicht so Gemeinderat Paul Huwiler am Samstagnachmittag in der Bleichi Wohlen. Den Umschlag mit den Anliegen des Jugendrats nahm er mit einem Lachen entgegen, bedankte sich für das grosse Engagement der Jugendlichen: «Zum ersten Mal sind alle vorgeschlagenen Projekte realistisch und umsetzbar. Es hat keine Fantastereien dabei und deshalb bin ich sehr glücklich mit diesem Ausgang», erklärt der Vizeammann.

Während an den vergangenen neun Sessionen vor allem Freizeit- und Partyprojekte diskutiert wurden, standen dieses Jahr soziale und gemeinnützige Aspekte im Vordergrund. Die Ausländer- und Integrationsthematik ist in Wohlen derzeit so aktuell wie in fast keiner anderen Aargauer Gemeinde, deshalb will auch der Jugendrat seinen Teil zu reibungslosen Abläufen und einer erfolgreichen Integration beisteuern. Und das beginnt im Kleinen. Ausgearbeitet wurden fünf gut reflektierte und durchdachte Projekte, welche das Zusammenleben der Wohler Jugendlichen nachhaltig verändern könnten.

Erwachsene weit weniger konkret

Selten wird bei politischen Diskussionen mit derart klaren Worten und konkreten Beispielen argumentiert, wie es die Schülerinnen und Schüler an der diesjährigen Jugendsession getan haben. Ein krasser Gegensatz zu den fünf erfahrenen Politikern aus dem Wohler Einwohnerrat, welche am vergangenen Samstag ebenfalls in die Bleichi eingeladen wurden. Was als «heisser Stuhl angekündigt wurde, war dann eher ein «bequemer Sessel». Denn so richtig heikel wurde es nie für die Einwohnerräte Marco Palmieri (SVP), Jan Severa (FDP), Simone Burkard (CVP), Corinne Manimanakis (SP) und Patrik Stocker (Grüne).

So interessant und kritisch die gestellten Fragen der Jugendlichen waren, so fadenscheinig und unkonkret waren gewisse Antworten der Politiker. Schade, dass den Jugendlichen dabei kein Raum für kritisches Nachfragen geboten wurde. Schade, dass nicht auch hier auf kommunaler Ebene diskutiert wurde, wo sich die Lokalpolitiker einem Expertenpublikum gegenüber gesehen hätten, sondern die Fragen auf eine nationalpolitische und damit doch sehr abstrakte Ebene gehievt wurden.

«Natürlich sind sie unseren Fragen teilweise sehr stark ausgewichen. Uns war es aber wichtig, die Integration auch noch aus einer anderen Perspektive zu beleuchten und als Jugendrat dabei natürlich neutral zu bleiben», erklärt der 15-jährige Kantonsschüler Lionel Zingg. Er wurde am Ende der Versammlung als Nachfolger der bisherigen Präsidentin Noemi Ganarin gewählt und wird so im kommenden Jahr das Bindeglied zwischen dem Gemeinderat, dem Einwohnerrat, der Schulleitung und der Wohler Jugend darstellen.