Sage

Die Hexe von Aristau

Zwischen Aristau und Birri soll die Hexe begraben worden sein.

Im Heini-Mösli wollte AZ-Redaktor Christian Breitschmid dem Geist der Aristauer Hexe auf die Spur kommen. Lesen Sie hier die Sage dazu.

Noch vor etlichen sechzig Jahren lebten Leute zu Aristau (Freienamt), welche sich eines dortigen Hexenweibes erinnerten, der man Hagelwetter, Viehseuche und alles mögliche zur Last legte, was eben eine Gemeinde gerade betreffen kann.

Namentliche das Buttern wollte gar keiner Hausfrau mehr gelingen, wenn diese Hexe gerade im Dorfe sich aufhielt. Man lief darüber oft zu den Kapuzinern nach Bremgarten, bekam aber kein nachdrucksames Mittel dagegen, und auch dasjenige half nur einmal, welches die Mönche in Zug anzugeben wussten.

Man stellte nämlich einen leeren Kessel zugestürzt über das Küchenfeuer und schürte so lange drunter fort, bis es drinnen zu zischen und pfeifen begann. Nun war’s Zeit, schnell ans Butterfass zu gehen, der Anken gedieh sogleich und vortrefflich.

Hob man nachher die Stürze vom leeren Kessel ab, so fuhr es mit heftigem Zischen heraus durch den Kamin davon. Aber der stets wiederholte Verdruss wurde doch zu gross und derselbe Uebelstand machte sich auch in allen Feldarbeiten unerträglich

Die Dorfschaft beschloss daher, ihr altes Strafrecht geltend zu machen, und fällte in der Gemeindeversammlung mit grosser Mehrheit den Spruch, jene Hexe auf immer zu verbannen. Von Stund an vermisste man das Weib, doch kurze Zeit nachher fand man sie an einer Hecke erhenkt.

Freilich war ihr sonst keine andere Wahl mehr übrig, denn in keiner einzigen fremden Nachbargemeinde hätte sie nach solchen Vorgängen Aufnahme finden können. Nach Landesbrauch sollte nun die Leiche des Nachts in einer Wüstung des Waldes begraben werden.

Den Wagen, auf den man sie lud, brachte man nicht eher von der Stelle, als bis man statt des vorgespannten Wucherstieres, acht schwarze Rosse angeschirrt hatte. Da man nun gegen den Heiniweiher hinkam, erschien, trotz des hellen Mondscheines, alles Laub des Waldes schwarz, alle Zweige senkten sich zusammen gegen Wagen und Rosse und versperrten völlig den Weg.

So blieb man abermals mit der Fuhre stecken. Endlich setzte sich der Kutscher statt aufs Sattelross auf die Leiche und ritt sie so lange, bis der Wagen zum Weiher durchgeschleppt war. Dorten warf man die Hexe in das Sumpfloch.

Noch jetzt spukt es daselbst. Wer Nachts vorbeikommt, wird unausbleiblich verirren; die Jäger sehen oft Rudel von dreissig Hasen dorten ihre Sprünge machen, jedesmal aber in den Boden verschwinden, so wie man darauf anschlagen will.

Quelle: Ernst Ludwig Rochholz, «Schweizersagen aus dem Aargau», 1856

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