Die früheren Lehrer Adrian Winkler und Richi Bieri aus Muri sind zwei spezielle Weinhändler. Sie importieren keine Weine, sondern kaufen einzelne Flaschen aus privaten Weinkellern oder Überbestände aus Restaurants auf und verkaufen sie über ihre Internet-Auktion an interessierte Weinkenner.

Neuerdings gibt es die Weine auch in einem Weinshop in der Überbauung «Gleis 61» in Muri. «Hochwertige Weine zu fairen Preisen», sagt Firmengründer Adrian Winkler, «ist unser Leitmotiv.»

Wein zuerst als Hobby

Der 50-jährige Lehrer hat sich sein Weinwissen in vielen Jahren als Hobby zugelegt. Er begann in seiner Freizeit, Raritäten aus privaten Weinkellern einzukaufen und sie über die Internetplattform Ricardo wieder zu verkaufen.

Das Geschäft entwickelte sich, er reduzierte sein Lehrerpensum und machte sich vor zwei Jahren mit dem Weinhandel und einer eigenen Auktionsplattform selbstständig. Vor einem Jahr kam sein Lehrerkol-lege Richi Bieri dazu, der heute vor allem den Aussendienst betreut.

Spekulation ist kein Thema

«Die Gründe, weshalb jemand Wein verkaufen will, sind mannigfaltig», weiss Winkler. Da ist es ein Todesfall, dort eine Scheidung, manchmal räumt ein Restaurant sein Lager, weil gewisse Weine einfach nicht mehr laufen. «Wir prüfen jede einzelne Flasche, machen dann eine Offerte und nehmen den Wein mit.»

Zu Hause werden Füllstand und Etikette der Flasche fotografiert, ins Netz gestellt und ein Mindestpreis festgelegt. Dann läuft die Auktion. Wein gibt es ab 20 Franken die Flasche zu kaufen, aber auch Raritäten mit vierstelligen Verkaufspreisen.

«Es ist eine Situation, die nur Gewinner kennt: Der Verkäufer erhält einen reellen Preis für einen Wein, den er nicht mehr will, wir wissen, worauf wir uns einlassen, und der Käufer erhält wiederum eine schöne Flasche zum fairen Preis.»

Kein Thema ist für sie die Spekulation mit Wein. «Heute eine Flasche jungen Bordeaux kaufen und zehn Jahre warten, das ist uns eine zu riskante Anlage. Wir kaufen die Flasche lieber in zehn Jahren, wenn der heutige Anleger zügelt und den Weinkeller räumen muss», lacht Winkler.

Nur dank Internet

Möglich ist der Weinhandel in dieser Form nur dank dem Internet. Der neu eröffnete Laden im «Gleis 61» wäre dafür eigentlich gar nicht nötig. Alle hier vorliegenden Flaschen sind auch per Computer überall abrufbar und käuflich.

«Aber irgendwie ist es schön, all die Flaschen auch real zeigen zu können», erklärt Winkler seinen Beweggrund, das Verkaufslokal angemietet zu haben. Inzwischen strecken die Weinhändler die Fühler Richtung China aus.

Bieri war schon dreimal in Hongkong, um Kontakte mit möglichen Käufern zu knüpfen. Bisher ohne konkreten Erfolg. «Es braucht eben viel Geduld und Verhandlungsgeschick, mit den Chinesen ins Geschäft zu kommen», räumt er ein.

Aber der Wunsch nach europäischen Luxusprodukten in China sei gross, und deshalb sind beide Lehrer überzeugt, dass sich der Einsatz einmal lohnen wird.