Als Nico Höchli pensioniert wurde, nahm er sich vor, eine Zeit lang keine terminlichen Verpflichtungen einzugehen. Einfach das Leben geniessen. Lange hat er das nicht ausgehalten – und so ging es wohl vielen Mitgliedern der Organisation «I guete Händ». Die Seniorinnen und Senioren füttern Katzen und giessen Blumen von Leuten, die in den Sommerferien weilen, sie helfen in der Schule mit Pausenaufsicht oder Stundenbetreuung aus, übernehmen Fahrten zum Arzt oder zum Einkaufen und helfen bei Familienfesten und Kindergeburtstagen beim Vorbereiten, Aufräumen oder Abwaschen. Und das alles gratis – obwohl man sich über einen kleinen Batzen als Anerkennung sehr freut. «Ein ganzes Berufsleben lang hat man Aufgaben und Verantwortung, und dann kommt die Pension», beschreibt Höchli. Bei der Nachbarschaftshilfe könne er sich einbringen, habe schon viele Leute kennen gelernt und Freude an der Arbeit. «Die Wertschätzung tut gut.» Das ist genau der Sinn des Projekts, das vor zehn Jahren aus der Diplomarbeit von Hanni Käch hervorging. «Die Nachbarschaftshilfe soll die körperliche, soziale und psychische Gesundheit unterstützen», erklärt Käch.

Die Anfragen für Aufträge gehen über Nico Höchli oder Erna Staub, die Präsidentin der Nachbarschaftshilfe. Diese schreiben dann den 14 Mitgliedern ein Mail und erhalten meist innert kurzer Zeit Antwort. «Die Leute wundern sich manchmal, wenn bereits eine Stunde nach der Anfrage jemand bei ihnen anruft und die Arbeit übernimmt», sagt Staub. Jetzt über die Sommerferien hat die Organisation Hochsaison – in rund 20 Häusern von ferienabwesenden Kundinnen und Kunden schauen die Senioren vorbei. Warum ist die Nachfrage so gross? «Ich denke, die Nachbarn haben untereinander nicht mehr dieselbe Beziehung wie früher. Manche möchten auch nicht, dass ihr Nachbar in ihr Haus geht. Und es kommen viele Neuzuzüger zu uns, die noch niemanden kennen», erklärt Staub.

Wachsen ist nicht das Ziel

Auch wenn es schon Anfragen aus anderen Gemeinden gab, die Nachbarschaftshilfe «I guete Händ» beschränkt sich auf Eggenwil. «Wir sind keine Firma, wir sind nicht mal ein Verein – aber es ist gut so, wie es ist. Sonst würde es uns irgendwann über den Kopf wachsen», erklärt Höchli. Mit dem Geld, das die Nachbarschaftshilfe einnimmt, gehen die Seniorinnen und Senioren von Zeit zu Zeit essen. «Manchmal wundere ich mich, wie schnell die Kasse wieder voll ist, ich vermute, wir verdienen durch die freiwilligen Beiträge mehr, als wenn wir eine Preisliste hätten», sagt Staub. Nur ein Problem plagt die Organisation: der Nachwuchs. «An der ersten Info-Veranstaltung sind nur drei Leute gekommen», erinnert sich Höchli. Es folgten drei Planungssitzungen, an denen sieben Senioren teilnahmen. In den ersten paar Monaten bewältigten sie elf Aufträge und bald kamen auch neue Mitglieder hinzu. Alle jetzigen Mitglieder sind aber schon viele Jahre dabei. «Vielleicht werden uns ja einige unserer heutigen Kunden beitreten, wenn sie selber pensioniert sind», hofft Höchli.