Mit einer Aktion der besonderen Art sorgte Franz Gratwohl am 29. September 1990 für einen Verkehrszusammenbruch im Reusstal. Zum 25-Jahr-Jubiläum seines Garagenbetriebes offerierte er «Benzin wie einst». Statt zum damals üblichen Preis von Fr. 1.14 konnte man den Treibstoff für 61 Rappen zapfen.

Innerhalb von 6 Stunden verkaufte Gratwohl 12 000 Liter Benzin. Polizei und Feuerwehr mussten wegen des riesigen Andrangs von Automoblisten aus der halben Schweiz den Verkehr regeln. Die Reusstalachse von Bremgarten nach Mellingen war zeitweise unpassierbar.

Die wohl günstigste Tankstelle im Kanton steht in Nesselnbach

Die wohl günstigste Tankstelle im Kanton steht in Nesselnbach

Günstig geblieben

So günstig war der Treibstoff bei der Gratank AG seither nie mehr zu haben. Doch wer weiss: «Im nächsten Jahr feiern wir den 50. Geburtstag unserer Firma. Vielleicht machen wir dann ja wieder eine verrückte Aktion», sagt Junior-Chef und Verkaufsleiter Adrian Gratwohl mit einem Augenzwinkern. Preisbewusst ist das Unternehmen auch ausserhalb von Jubiläums-Jahren: «Es gibt in der Schweiz nicht viele Tankstellen, die Benzin konstant so günstig anbieten wie wir», erklärt Adrian Gratwohl.

Tatsächlich liegt Gratank zurzeit mit einem Preis von Fr. 1.399 im Vergleichsportal «benzin-preis.ch» landesweit in den Top Ten. Noch günstiger sind lediglich die Tankstellen im zollbefreiten Samnaun sowie je eine Tankstelle in Emmenbrücke, Gampelen und Schötz. Im Aargau ist der Most im Moment nirgends billiger als im Reusstal. (Stand: Freitag, 12. Dezember).

Dazu ist anzumerken, dass die Preisangaben in diesem Portal nicht alle gleich aktuell sind und auch nicht alle Tankstellen erfasst sind. Stammkunden erhalten den Treibstoff in Nesselnbach übrigens noch günstiger. Bei Vorauszahlung gibt es 3 Rappen Rabatt.

Das Rezept: Günstig einkaufen

Den Dauertiefpreis halten kann die Firma Gratwohl dank den mit der konsequenten Selbstbedienung verbundenen, niedrigen Personalkosten sowie einem optimierten Einkauf: «Wir kaufen den Treibstoff zu günstigen Tagespreisen in grossen Mengen ein. Das können oft mehrere 100 000 Liter sein, die wir dann beim Lieferanten nach und nach abrufen.»

Es brauche den richtigen Riecher und ständige Marktbeobachtung: «Wenn der Wasserstand im Rhein tief ist, die Opec mal wieder ihre Kontingente beschränkt oder andere Faktoren den Preis negativ beeinflussen, muss man nicht kaufen.»

Freimütig gibt Gratwohl zu, dass er sich beim Einkaufen auch schon verzockt hat: «Man kann mit dieser Taktik Geld verdienen, man kann aber auch verlieren.»

Einbusse von 60 Prozent

Seit Juni ist deutlich weniger los mit Geld verdienen: «Wegen der Strassensanierung in Nesselnbach und der damit verbundenen Umleitung ist das Treibstoffgeschäft in den letzten Monaten um rund 60 Prozent eingebrochen.

«Statt wie in normalen Zeiten 800 bis 1000 Kunden verzeichnen wir zurzeit nur noch rund 350 Transaktionen täglich», sagt Adrian Gratwohl. Die Baustelle wird noch Monate bleiben. Eine Entschädigung für den Verdienstausfall gibt es in solchen Fällen nicht.