Wohlen
Die grosse Züglete bei der Integra Freiamt hat begonnen

Die Integra Freiamt zieht diese Woche von der Jurastrasse ins «Neuland» um.

Andrea Weibel (Text und Fotos)
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Grosse Züglete bei der Integra Freiamt
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Die Klienten und Betreuerinnen helfen den Zügelmännern, wo sie können
Geschäftsleiter Pascal Gregor im modernen neuen Eingangsbereich
Marco und Alexandra freuen sich
Einzelne Gruppen arbeiten bereits wieder in ihren neuen Werkstätten

Grosse Züglete bei der Integra Freiamt

zvg

Die Zügelmänner in den roten T-Shirts räumen die letzten Kisten ein. Ein paar Tische, Stühle und Maschinen stehen noch in den ehemaligen Produktionsräumen im Untergeschoss der Integra an der Jurastrasse. Sonst sehen die Räume traurig und leer aus. «Die Bewohner sind schon am neuen Ort», erklärt einer der roten Männer freundlich.

Und tatsächlich: Genau 600 Meter oder 7 Gehminuten entfernt werden die eben eingeladenen Kartons wieder ausgepackt und auf die vier Stockwerke verteilt, wo sie von Klienten und Betreuerinnen sehnlichst erwartet werden. Im «Neuland», dem grossen neuen Gebäude der Stiftung für Behinderte im Freiamt an der Allmendstrasse, sehen die Räume ähnlich kahl aus wie an der Jurastrasse.

Doch hier wirken sie keineswegs traurig, sondern voller Vorfreude – genauso wie die Klientinnen und Klienten, die diese Woche zum ersten Mal in den neuen Produktions- und Betreuungsräumen arbeiten dürfen. «Heute essen wird zum letzten Mal in der alten Kantine. Hoffentlich gibt es Fleisch mit Sauce, das mag ich am liebsten», berichtet Alexandra, eine Klientin. Ihr gefallen die neuen Räume sehr. Auch Martin kann sich gar nicht sattsehen an den Zügelmännern, die immer wieder Kisten bringen. «Uuh, hübsche Männer», kommentiert Alexandra und lacht ausgelassen.

Kleine Sörgeli beim Einzug

Rosmarie steht hingegen noch etwas unschlüssig in der Tür. Ihr Stuhl fehlt, auf den sie sich immer setzt, um die Schuhe aus- und die Finken anzuziehen. Betreuerin Susi Lustenberger zeigt ihr, dass die neuen Garderobenmöbel auch zum Sitzen gemacht sind. Rosmarie traut dem aber noch nicht ganz. «Das sind die kleinen Sorgen, die wir beim Einzug eben noch haben», weiss Integra-Geschäftsführer Pascal Gregor. «Es wird einige Zeit dauern, bis sich alle eingerichtet und an den neuen Ort gewöhnt haben, aber den meisten gefallen die Räume jetzt schon sehr gut.»

Als er einen Produktionsraum betritt, kommt Verena auf ihn zu und fragt mit unglücklicher Miene, wo denn sein neues Büro sei. Er erklärt: «Ich habe sonst nicht sehr viel mit den einzelnen Klienten zu tun. Aber Verena kommt seit Jahren jeden Morgen genau um 7.21 Uhr in mein Büro, dann plaudern wir fünf Minuten, und dann geht jeder an seine Arbeit.» Verena ergänzt: «Ja, und jetzt habe ich das Büro gar nicht gefunden. Das musst du mir unbedingt noch zeigen.» Lächelnd verspricht er es ihr, sodass Verena glücklich wieder an die Arbeit gehen kann. In dem Moment kommt Martin zur Tür herein. Er kommt selbstständig mit Zug und Bus nach Wohlen. «Jetzt muss ich beim Bahnhof den 4er-Bus nehmen und nach der Kanti drücken, dann kann ich direkt vor der Tür aussteigen. Überhaupt kein Problem», erzählt er stolz. Sein Kollege Matthias hingegen verrät nicht, wo er umsteigen muss. «Das ist ein Geheimnis», sagt er breit grinsend.

Zum Verlaufen viele Gänge

«Insgesamt ist der Umzug bisher sehr gut gegangen», ist Pascal Gregor zufrieden. Das bestätigt auch Hauswart Stefan Kuhn: «Das einzige Problem, das einige meiner Mitarbeiter – ebenfalls Klienten – hatten, ist, dass sie sich in dem grossen Gebäude verlaufen haben», berichtet er schmunzelnd. Bauleiter Daniel Bosshard von der Kamm Architekten AG in Zug hat eine Liste mit rund 800 Punkten, die er noch abarbeiten muss. «Das grösste Problem, das wir hatten, war ein Rohrbruch in den Büros. Aber der wird bis Freitag behoben sein.» Ansonsten seien es Kleinigkeiten. «Beispielsweise war der Winkel der Getränkeregale anders, als es die Klienten gewohnt waren, sodass sie die Flaschen nicht herausbrachten. Ein Problem, das einfach behoben werden konnte», sagt er verständnisvoll lächelnd.

So werden all die kleineren und grösseren Probleme nach und nach behoben, die Kartons ausgepackt, und auch die Klienten werden sich bald in den vielen Gängen zurechtfinden. «Das dauert eben bei uns alles etwas länger, aber das ist okay so», sagt Pascal Gregor. Ab dem 20. August wird dann auch das grosszügige Restaurant für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

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