Villmergen

Die Gemeinderatskandidaten Ralph Hueber und Renato Sanvido im Gespräch

Ralph Hueber kandidiert für den Gemeinderat in Villmergen.

Ralph Hueber kandidiert für den Gemeinderat in Villmergen.

Die beiden neuen Gemeinderatskandidaten von Villmergen finden Parteizugehörigkeit nicht so wichtig. Sie wissen, welches das beste Bier ist. Und beide sehen die regionale Zusammenarbeit als wichtigen Punkt für die Zukunft der Gemeinde.

Drei Sätze zu Ihrer Person.

Ralph Hueber: Ich bin 1969 im Laufental geboren und dort aufgewachsen. Seit 1992 lebe ich im Kanton Aargau. Meine Frau Karin und ich haben im Mai 2008 geheiratet. Ich koche leidenschaftlich gerne, liebe Kartenspiele, bin bei entsprechendem Wetter am Wochenende und oft am frühen Morgen in der Badi anzutreffen. Ich habe Vermessungszeichner gelernt und mich zum Vermessungstechniker FA und eidg. dipl. Betriebswirtschafter NDS FH weitergebildet. Nebenberuflich bin ich als Prüfungsexperte für Geomatiklernende tätig.

Renato Sanvido: Ich bin in Muri geboren, in Wohlen aufgewachsen und habe dort die Schulen besucht. Durch meine Villmerger Kollegen fand ich schon vor über 30 Jahren regelmässig den Weg über den Bullenberg, um mich im Handballclub Villmergen zu engagieren. Seit 16 Jahren wohne ich im Bodenackerquartier mit meiner Frau Erika und meinen Söhnen Marco (16) und Dario (14).

Warum sind gerade Sie die ideale Ergänzung für den Gemeinderat?

Hueber: Ich bringe eine gewisse Neutralität und eine Sicht von aussen mit und habe noch keine Vorurteile, wie es im Gemeinderat laufen soll. Durch meinen Beruf habe ich sehr engen Kontakt mit Kantonen und Gemeinden und dementsprechend ein grosses Netzwerk. Im Weiteren habe ich sehr viel Führungserfahrung. Ich kenne den gesamten Gemeinderat sowie viele Mitarbeitende, die für die Gemeinde tätig sind, persönlich und weiss, wie die Zusammenarbeit in der Gemeinde funktioniert.

Sanvido: Durch meine langjährigen Aktivitäten in der Gemeinde Villmergen, auch die 12-jährige Mitarbeit in der Finanzkommission, weiss ich recht gut über die Gemeinde Bescheid. Ich bin motiviert, genügend Zeit für dieses anspruchsvolle Amt zur Verfügung zu stellen und die Kontinuität im Gemeinderat als Teamplayer weiterzuführen.

Was muss in Villmergen unbedingt so bleiben, wie es ist?

Hueber: Die offene Kommunikation und Transparenz des Gemeinderates finde ich sehr gut. Villmergen muss darauf achten, dass es ein ländliches Dorf bleibt, die Natur schützt sowie die Landwirtschaftsflächen beibehält.

Sanvido: Der Gemeinderat Villmergen hat in der Vergangenheit sehr gute Arbeit geleistet. Als Mitglied und Präsident der Finanzkommission hatte ich viele Einblicke in die Arbeiten der Gemeinderäte. Mir ist wichtig, dass auch in Zukunft sachlich diskutiert wird und die besten Argumente zählen.

Wo gibt es Nachholbedarf?

Hueber: Ich denke, dass die älteren Menschen im Dorf eine grössere Unterstützung bekommen sollten. Eine Lösung für die Jugendlichen ist auf gutem Weg. Ich würde mich dafür einsetzen, dass die mir zugeteilten Ressortmitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit viel Freude und Elan für die Gemeinde arbeiten und auch Wertschätzung spüren. Es ist ein Teil der Führungsaufgabe, konstruktiv-kritische Auseinandersetzungen zuzulassen. Die Badi, die jährlich über 40 000 Besucher zählt, wo interessante Gespräche stattfinden und sich Jung und Alt trifft, sollte als Oase beibehalten werden.

Sanvido: Ich sehe zurzeit weder Altlasten noch relevanten Nachholbedarf. Der Gemeinderat und sein Mitarbeiterstab arbeiten meines Erachtens auf Augenhöhe mit den aktuellen Herausforderungen. Da mir in vielen Dossiers die Detailinformationen fehlen, wären konkrete Empfehlungen an den Gemeinderat nicht seriös und rein plakativ.

Trauen Sie Ihrem Gegenkandidaten zu, dass er im Gemeinderat Villmergen einen guten Job machen würde?

Hueber: Ja, zu 100 %. Renato bringt wie ich beste Voraussetzungen mit. Wir gehören ja beide der gleichen Gewichtsklasse an (schmunzelt).

Sanvido: Ich habe Ralph Hueber bisher erst einmal zu einem kurzen Gespräch getroffen und kenne ihn dadurch noch zu wenig, um diese Frage zu beantworten.

Wie überzeugen Sie jemanden davon, nach Villmergen zu ziehen?

Hueber: Sehr gute öffentliche Verbindungen sowie gute Strassenverbindungen in alle grösseren Städte. Zahlreiche Vereine, für alle ist etwas Passendes dabei. Villmergen ist vom Lärm nicht sehr gross belastet, ausser dass der Flugverkehr sich in den letzten paar Jahren erhöht hat. Hier hat der Kanton Aargau bis jetzt nicht gut verhandelt. Und auch die Fasnacht in Villmergen wird noch gelebt.

Sanvido: Das bereits sehr starke Wachstum der Bevölkerung in den letzten Jahren zeigt, dass die Attraktivität unseres Dorfes intakt ist. Jeder Bewohner wie auch die Neuzuzüger haben eine Vielzahl von persönlichen Gründen, warum sie sich in Villmergen niedergelassen haben. Bei mir sind dies vor allem die vielen guten Freunde und Bekannten, welche ich hier regelmässig antreffe.

Ich behaupte: In Villmergen wurde in zu kurzer Zeit zu viel gebaut.

Hueber: Ja, das stimmt. Unverbaute Bauzonen und tiefe Zinsen haben einen Bauboom ausgelöst.

Sanvido: Ja, das kann man so sagen. Es ist jedoch wichtig, festzuhalten, dass jeder Landbesitzer in einem demokratischen und liberalen Staat mit seinem Land tun und lassen kann, was er möchte, solange er sich im Rahmen der Gesetze und Bauvorschriften bewegt. Der Einfluss des Gemeinderates auf die Bautätigkeit ist dadurch sehr stark eingeschränkt.

Villmergen hat durch seine starke Entwicklung viel von der ursprünglichen Gemütlichkeit verloren.

Hueber: Villmergen mag sich leicht verändert haben. Wer sich bemüht, kann sich hier aber nach wie vor gut integrieren. So ist meine Frau im Bezirksschulrat, im Wahlbüro, bei den Landfrauen, im Vorstand in der SVP und für die Gemeinde als Strom- und Wasserableserin tätig. Ich selber bin in der Steuerkommission, in der Verkehrs- und Raumplanungskommission, der SVP sowie in der Männerriege aktiv, um mein Gewicht stabil zu halten. Wir konnten uns sehr gut in die Dorfgemeinschaft eingliedern.

Sanvido: Ich kann verstehen, dass die rasante Zunahme der Bevölkerung bei einigen Einwohnern ein gewisses Unbehagen auslöst. Da diese Entwicklung jedoch nicht beeinflussbar war, müssen wir uns vor allem auf die Auswirkungen der Bevölkerungszunahme konzentrieren und kreative Lösungen in verschiedenen Bereichen erarbeiten. Jeder einzelne Neuzuzüger ist eingeladen, aktiv am Dorfleben teilzunehmen und sich einzubringen, falls er dies wünscht.

Villmergen hat mit Hilfikon fusioniert. Reicht das, oder müssen die Fühler weiter ausgestreckt werden?

Hueber: Ich denke die Fusion mit Hilfikon war ein sehr guter Entscheid und für beide Seiten nur positiv. Immerhin steht in Villmergen jetzt ein prächtiges Schloss. Für die Fusion mit weiteren Gemeinden sehe ich keinen Handlungsbedarf. Ich denke, dass die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden gepflegt werden muss, um Synergien zu bilden.

Sanvido: Ich bin ein Befürworter von regionaler und überregionaler Zusammenarbeit, wenn dies aus organisatorischer und ökonomischer Sicht Sinn macht. Wir haben in mehreren Bereichen sehr gute Erfahrungen sammeln können – Schulwesen, Regionalpolizei, Feuerwehr, Zivilstandswesen, Abwasserverbände usw. Zusammenschlüsse mit weiteren Nachbargemeinden sind für mich zurzeit kein Thema.

Ich möchte von Ihnen ein Foto schiessen an Ihrem liebsten Platz in Villmergen. Wo treffen wir uns?

Hueber: Da gibt es mehrere! Im oberen Sandbühl Hilfikon, in der Badi am runden Tisch, in unserer wunderschönen römisch-katholischen Kirche St. Peter und Paul oder im «Güggibueb» in der Gartenwirtschaft.

Sanvido: Dieser Entscheid fällt mir nicht leicht, da es in Villmergen viele schöne Plätze gibt. Ich entscheide mich für den Steimüriweiher, ein eher ruhiges Plätzchen.

Welches Bier ist besser, Müllerbräu oder Erusbacher?

Hueber: Ganz klar Erusbacher und am liebsten Erusbacher Bräu Urtyp.

Sanvido: Natürlich Erusbacher Bräu. Nicht hauptsächlich, weil es ein Villmerger Bier ist, sondern weil es mir sehr gut schmeckt und viele verschiedene Sorten im Angebot hat. Zudem kenne ich die Firmeninhaber persönlich und schätze ihren Unternehmergeist.

Wie wichtig ist die Parteizugehörigkeit eines Gemeinderates?

Hueber: Ich denke, es ist sehr wichtig, aber nicht unbedingt entscheidend. Auch die wählerstärkste Partei sollte in der Exekutive vertreten sein. So stellen wir sicher, dass eine gute Durchmischung aller Parteien vorhanden ist und zukünftige Entscheide vom Gemeinderat besser und breiter in der Villmergen Bevölkerung abgestützt werden.

Sanvido: Ich erachte die Parteizugehörigkeit auf Gemeindeebene als nicht entscheidend. Die Persönlichkeit und Offenheit, auch andere Meinungen zuzulassen und Mehrheitsentscheide zu akzeptieren, erachte ich als wichtiger als das Parteibuch.

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