Boswil
Die Gemeindekasse ist wichtiger als eine Demenzberatung

Gemeindeammänner des Bezirks Muri stehen Wünschen aus dem Gesundheitswesen kritisch gegenüber und überlassen die Entscheidung den Gemeinden selber.

Eddy Schambron
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Fast vollzählig: Die Gemeindeammänner des Bezirks Muri trafen sich zur Herbsttagung bei der Swisspor in Boswil.

Fast vollzählig: Die Gemeindeammänner des Bezirks Muri trafen sich zur Herbsttagung bei der Swisspor in Boswil.

Eddy Schambron

Die Zurückhaltung bei den Gemeindeammännern des Bezirks Muri war spürbar: Dem Wunsch nach Geld für eine zusätzliche Dienstleistung im Gesundheitswesen wird mit einiger Skepsis begegnet. Konkret geht es um die sogenannte «zugehende Demenzberatung», also eine Stärkung und Entlastung von Familien mit einer demenzkranken Person durch Hausbesuche, Familienberatung und kontinuierliche Begleitung.

Die Herbstversammlung der Gemeindeammännervereinigung gab keine Empfehlung ab, sondern überlässt es den einzelnen Gemeinden, ob sie auf die Weiterführung eines entsprechenden Projektes von Pro Senectute und der Alzheimervereinigung, Sektion Aargau, eintreten wollen.

Gegenwärtig leben 7900 Menschen mit Demenz im Kanton Aargau. Beat Waldmeier von der Pro Senectute Aargau machte deutlich, dass bis 2035 eine Verdoppelung dieser Zahl erwartet wird. «Es besteht Handlungsbedarf.» Mit der zugehenden Demenzberatung, die Pro Senectute und die Alzheimervereinigung nach einem vielversprechenden Pilotprojekt etablieren wollen, gelinge es, die Belastung der Familienangehörigen zu senken, die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen und schliesslich den Heimeintritt eines an Demenz erkrankten Menschen hinauszuzögern.

«Das kann finanziell für die Gemeinden interessant sein, weil die Kostenbeteiligung bei einem Heimaufenthalt sinkt», machte Waldmeier beliebt. Verwirklicht werden kann die zugehende Beratung aber nur, wenn sich die Gemeinden finanziell dafür engagieren.

In Franken ausgedrückt sind das bei rund 20 Stunden Beratungsstunden pro Jahr gegen 2000 Franken pro Patient und Gemeinde und zwischen 440 und 480 Franken für die Betroffenen selber. «Der Betrag für die Betroffenen, 20 Prozent, orientiert sich am heutigen Spitexmodell.»

Die Spitex selber kann diese Aufgabe nicht übernehmen, auch deshalb nicht, weil ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die entsprechende Ausbildung fehlt.

Der Obmann der Gemeindeammännervereinigung, Hans-Peter Budmiger, fasste die Situation so zusammen: «Wenn wir glauben, dass die zugehende Beratung nützlich ist, geben wir eine Empfehlung ab, dieses Projekt mitzufinanzieren.

Oder aber wir überlassen es den Gemeinden selber, zu entscheiden, ob sie da mitmachen wollen oder nicht.» Letzteres geschieht nun, und es ist nicht zu erwarten, dass viele mittragen werden, auch wenn Budmiger seinen Kolleginnen und Kollegen empfahl, die anlaufenden Kosten für die Gemeinde bei Heimaufenthalten einmal genauer anzusehen.

Integrierte Versorgung

Soll das Projekt Integrierte Versorgung Freiamt, also das Zusammenspannen von Spital, Hausärzten, Fitnesstrainer und Physiotherapeuten, wie beim Projekt «Gesundes Freiamt» vorgesehen, zustandekommen, muss die Regionalplanungsgruppe eine zentrale Rolle einnehmen.

Davon ist deren Präsident, Pius Wiss, Dietwil, überzeugt. Ob sie das jedoch will, soll im November diskutiert werden. Auch hier wurde die eine oder andere kritische Stimme laut: «Es braucht keine neue Organisation», sagte etwa Paul Leu, Auw.

Krippengesetz

Das neue Krippengesetz ist seit 1. August in Kraft und muss von den Gemeinden «bedarfsgerecht» umgesetzt werden. So hält es der Regierungsrat fest. Claudia Hoffmann, Frau Gemeindeammann von Kallern, bemängelt allerdings, dass dieses «bedarfsgerecht» nicht definiert ist. «Gerade in kleinen Gemeinden ist das eine wichtige Frage», machte sie deutlich.

Klar ist, dass die Kinderbetreuung ab einer bestimmten Anzahl Kinder durch qualifizierte Personen zu erfolgen hat. Diese Kinderkrippen müssen auch regelmässig einen Qualitätsnachweis erbringen. In einem Dekret durch den Regierungsrat werde die Auslegung des Krippengesetzes noch genauer definiert, meinte Grossrätin Milly Stöckli. Die Grossräte Herbert Strebel und Flurin Burkard verteidigten die Formulierung. Genau mit dieser habe man den Gemeinden Handlungsspielraum einräumen wollen. Diese Unsicherheit wird ein Thema an der nächsten Vorstandssitzung der Gemeindeammännervereinigung sein, versprach deren Obmann.