Velofahren mit einem Helm auf dem Kopf? Für die ältere Generation war das kein Thema. Wenn überhaupt eine Kopfbedeckung, dann kam bei den Männern höchstenfalls ein Hut oder eine Dächlikappe infrage. Frauen banden vielleicht ein Kopftuch um. Die Kinder zogen bei kühlem Wetter eine Mütze über die Ohren und trugen ansonsten beim Velofahren nur gerne – und selbstverständlich freiwillig – das Stoffchäppi mit der Cynar-Reklame zur Schau, das sie an der Tour de Suisse von einem Rennfahrer erhalten hatten. Deshalb waren Stürze für die Velofahrerinnen und -fahrer oft fatal und hatten erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge.

Helm tragen, aber richtig

Helme für Breitensportler kamen in den 1970er-Jahren auf, eine wachsende Verbreitung des Kopfschutzes bei Freizeitvelofahrern stellte sich Ende der 1980er-Jahre ein. Einen Helm zu tragen ist wichtig, aber ihn richtig zu tragen ist entscheidend bei einem Sturz. Dies bewog den Touring Club Schweiz schon vor einigen Jahren, zusammen mit dem Fonds für Verkehrssicherheit (FVS), die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu unterstützen. So werden rechtzeitig vor den jährlich stattfindenden Veloprüfungen an den Schulen Helmchecks angeboten.

«Bei der Regionalpolizei Bremgarten haben wir von der Aktion gehört und uns beim TCS, Sektion Aargau, erkundigt. Erfreulicherweise wurden wir berücksichtigt und konnten drei Klassen anmelden», war von Verkehrsinstruktor Walter Friedli zu erfahren. Er führte gestern Dienstag beim Helmtest für rund 60 Schulkinder im Foyer der Mehrzweckhalle der St.-Josef-Stiftung, Zusammen mit Chef-Stellvertreter Simon Mühlum, einen schriftlichen Geschicklichkeitstest durch.

Die eigentliche Helmkontrolle bei den Schülerinnen und Schülern nahmen Walter Wolf und Lorena Milazzo vom TCS vor. Zur Veranschaulichung der Schutzwirkung von Helmen bauten sie eine Testeinrichtung auf: Wolf schlug mit einem Gummihammer auf einen Holzkopf, der verdrahtet und mit einem Computer verbunden war. Auf dem PC-Monitor wurde die Kraft des Aufschlags in Kilogramm angezeigt. Die Schülerschar staunte, als die Zahl 980 Kilogramm aufleuchtete. «Und jetzt schaut, was passiert, wenn der Kopf durch einen Velohelm geschützt ist!» Der TCS-Mann holte noch einmal aus: 230 war diesmal auf dem Display zu lesen. «Eindrücklicher ist die Absorption des Aufpralls durch den Helm wohl kaum zu demonstrieren. Und seht, genau aus diesem Grund muss ein Velohelm auf dem Kopf auch richtig angepasst und gut befestigt sein. Sonst bietet er bei einem Sturz nicht den richtigen Schutz.» Den Schülerinnen gab Lorena Milazzo noch einen guten Rat mit auf den Weg, weil sie weiss, wie ungern viele Mädchen einen Helm tragen: «Denkt daran, die Frisur ist bei einem Unfall nicht wichtig, aber der Kopf.»

Helm zu gross, Helm zu alt

Anschliessend wurden klassenweise die Helme der Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen der Lehrkräfte Roland Villiger, Bigna Gasser und Martin Intlekofer genau unter die Lupe genommen. Da war ein Helm zu gross, dort zu klein. Manche Helme waren bereits zu alt und deren Innenauskleidung brüchig geworden. Oder ein Bändel war zu lang und ein Gummi fehlte. Kleinere Anpassungen und Reparaturen konnten Walter Wolf und Lorena Milazzo direkt vor Ort durchführen. Jedes Kind erhielt vom TCS-Team eine Helmcheck-Karte, auf welcher der Zustand des Helms beurteilt wurde. Unter den 60 geprüften Helmen befanden sich einige, die ersetzt werden müssen – für die Sicherheit beim Velofahren.