Als die Ferrowohlen AG noch Stahl produzierte, war das Unternehmen einer der grössten Stromverbraucher der Region. Künftig wird auf dem
Ferroareal aber Strom produziert: Die 320 Meter lange und 78 Meter breite Halle B, in der früher ein Walzwerk installiert war, soll nun zum Sonnenkraftwerk werden.

Die ADEV Solarstrom AG aus Liestal plant auf dem Hallendach eine Photovoltaikanlage mit riesigen Ausmassen: Auf einer Fläche von rund 25000 Quadratmetern sollen Solarmodule installiert werden. Die Kosten für das Projekt betragen 4 Millionen Franken, wie dem Baugesuch zu entnehmen ist, das derzeit in Wohlen und Villmergen aufliegt.

Solarmodule auf dem ganzen Dach

Konkret ist vorgesehen, auf dem ganzen Hallendach, das aus Trapezblech besteht, flächendeckend Solarmodule zu verlegen. Über den bestehenden Lichtbändern werden Glasplatten anstatt Solarpanels verwendet. Geplant sind gemäss den Bau-
gesuchsunterlagen zudem begehbare Ablaufrinnen in Richtung des Dachgefälles. Die neue Solarstromanlage wird praktisch direkt auf das Dach montiert, der maximale Abstand zum Blech beträgt 40 Zentimeter. Dabei bleiben die bereits bestehenden Dachaufbauten unverändert.

Andreas Appenzeller, Geschäftsleiter der ADEV Solarstrom AG, wollte gegenüber der az Aargauer Zeitung keine weiteren Angaben zum Solarstromprojekt machen. Er verwies
für genauere Informationen auf eine gemeinsame Medienkonferenz mit der Führung der Ferrowohlen AG, die am kommenden Donnerstag, 8. März, stattfinden soll. Peter Wertli, Verwaltungsrat bei der Ferrowohlen AG und zuständig für die Öffentlichkeits-
arbeit, war für nähere Auskünfte zum Projekt nicht erreichbar.

Strom für gut 800 Haushalte

So bleibt momentan offen, welche Leistung die neue Anlage auf dem Ferrodach aufweisen und wie viel Strom sie produzieren wird. Allerdings lässt sich dies mit einem lokalen Vergleich ungefähr abschätzen.

Seit November 2009 ist auf dem Dach der O. Kleiner AG im Industriegebiet Rigacker in Wohlen – in Sichtweite zur Ferrohalle – eine Photovoltaikanlage installiert. Diese weist
eine Fläche von 277 Quadratmetern auf und liefert pro Jahr 31400 Kilowattstunden Sonnenstrom.

Rechnet man diese Zahlen auf die Dimensionen der geplanten Anlage auf der Ferrohalle um, ergibt sich
eine Jahresproduktion von 2,825 Millionen Kilowattstunden. Geht man weiter von einem Jahresverbrauch von rund 3500 Kilowattstunden für einen Schweizer Durchschnittshaushalt aus, wie ihn Experten des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen in einem Fachbeitrag 2007 ermittelt haben, könnte gut 800 Haushalte mit Sonnenstrom von der Ferrohalle versorgt werden.

Damit wäre die neue Photovoltaikanlage im Freiamt die zweitgrösste der Schweiz – hinter jener auf den Genfer Messehallen, aber deutlich vor der Solaranlage auf dem Stade de Suisse Wankdorf in Bern.