Reusstal
Die Familie Storch bleibt unbehelligt

Die Strom-Freileitung wird von Hermetschwil/Rottenschwil bis Aristau ausgebaut. Das Storchennest in Rottenschwil bleibt trotz den neuen Stromleitungen und Masten erhalten.

Lukas Schumacher
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Storchennest bleibt trotz neuen Stromleitungen und Masten erhalten. sl

Storchennest bleibt trotz neuen Stromleitungen und Masten erhalten. sl

Am 11. April beginnen in der Nähe des Klosters Hermetschwil Ausbauarbeiten. Das Aargauische Versorgungsunternehmen AEW Energie AG erneuert dort das überregionale Stromversorgungsnetz bis zum Gemeindebann Aristau. Nebst einer Spannungserhöhung der Leitungen von 50/16 Kilovolt auf 110/16 Kilovolt werden auch Zuleitungen des Ortsnetzes angepasst und rund 20 neue Betonmasten gesetzt. Kostenpunkt des Bauvorhabens: 3,3 Mio. Franken.

Störche behalten Wohnrecht

Der Ausbau betrifft auch den Elektro-Mast Nummer 23 in Rottenschwil. Auf diesem Strommast unweit der Stillen Reuss und des Naturschutzgebietes brütet seit mehreren Jahren ein Storchenpaar. Das Paar verursacht zwar gelegentlich Stromunterbrüche, erfreut sich aber sehr grosser Beliebtheit bei Einheimischen und Auswärtigen. Vor vier Jahren montierten AEW-Leute für die beiden Weissstörche einen neuen Horst aus Stahl, nachdem Herbststürme das alte Storchennest schwer beschädigt hatten.

Fürsorge wird den Störchen auch jetzt zuteil. So lässt man die grossen Vögel während der Brutzeit in Ruhe und führt vorerst die Leitungs- und Mastenerneuerungen links und rechts des Storchennestes aus. Erst im Juli/August wird der Mast Nummer 23 demontiert und in der Nähe durch einen neuen Mast samt Horst ersetzt. «Dieses löbliche Vorgehen ist keineswegs selbstverständlich und freut uns sehr», sagt Peter Enggrist, Geschäftsführer der Gesellschaft «Storch Schweiz», die sich für den Schutz der Weissstörche einsetzt; das Domizil der Gesellschaft befindet sich in Kleindietwil (BE).

Umstrittenes Grossprojekt

Der demnächst anlaufende Ausbau dieser überregionalen Freileitung steht nicht im Zusammenhang mit der geplanten Modernisierung des nationalen Stromübertragungsnetzes im Gebiet Niederwil, Fischbach-Göslikon, Staffeln. Hier sieht Stromkonzern Axpo eine Spannungsnetz-Erweiterung von 220 auf 380 Kilovolt in Form einer neuen Freileitung mit 80 Meter hohen Masten vor.

Der Verein für eine verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) mit seinen gut 200 Mitgliedern kämpft seit zwei Jahren engagiert gegen das vorgesehene Freileitungsprojekt und für eine Bodenverkabelung. Vor knapp zwei Monaten gelangte der Verein schriftlich an die Freiämter Bundesrätin Doris Leuthard. Präsident Alois Waser und Vizepräsident Hans Kneubühler forderten Leuthard zu einem Gespräch mit einer Delegation unter der Leitung von Nationalrat Jean-Francois Steiert auf, dem Präsidenten des Dachvereins «Hochspannung unter den Boden». Die Bundesrätin schrieb zurück, sie nehme Kontakt zu Seifert für einen Gesprächstermin auf.

Treffen mit Peter Beyeler

Zum Gespräch in Bern kam es noch nicht. Ebenso wenig hat Stromkonzern Axpo das Baugesuch für den Ausbau in den Gemeinden Niederwil und Fischbach-Göslikon eingereicht. Dennoch kommt Bewegung ins umstrittene Grossprojekt. So trifft sich der Aargauer Regierungsrat Peter Beyeler demnächst mit Gemeinderäten und VSLR-Vertretern in Niederwil zu einer Informationsrunde.