Wohlen

«Die Extrempositionen der Parteien blockieren Wohlen»

Ariane Gregor findet den Ausgleich zur Politik in ihrer Kreativität – zum Beispiel an der Nähmaschine.

Ariane Gregor findet den Ausgleich zur Politik in ihrer Kreativität – zum Beispiel an der Nähmaschine.

Ariane Gregor (CVP) ist neue Präsidentin des Einwohnerrats. Was ihre Vorgänger nicht geschafft haben, will sie lösen: Alle Pendenzen des Gemeinderats sollen in zwei Jahren erledigt sein, und Wohlen soll ein positives Image haben.

Sie trägt einen farbigen Pullover, ein türkisblaues Top und eine passende Halskette. Das Spezielle daran: All das hat die neue höchste Wohlerin Ariane Gregor selbst genäht beziehungsweise aufgefädelt. Die 51-jährige gebürtige Appenzellerin ist Mutter von vier Kindern und arbeitet zu 50 Prozent als Lehrerin für textiles Werken im Schulhaus Junkholz.

Während des Interviews kommt ab und zu eines ihrer Kinder, die zwischen 12 und 18 Jahren alt sind, ins Wohnzimmer. Gregor diskutiert mit ihnen und kann auch einmal nachgeben. «Mit Kindern ist es wie in der Politik: Um zu einer Lösung zu kommen, müssen beide Seiten kompromissbereit sein und aufeinander zugehen können», erklärt sie.

Frau Gregor, Sie wollen bis in zwei Jahren alle neun Pendenzen des Gemeinderats erledigt sehen. Ihre Vorgänger haben das nicht geschafft. Was ist Ihre Strategie?

Ariane Gregor:Ich will, statt Druck per Mail auf den gesamten Gemeinderat auszuüben, das Gespräch mit der jeweils zuständigen Person suchen. Manche Geschäfte liegen fast fertig in der Schublade oder sind sogar schon zum Teil umgesetzt, wie der Einbahnverkehr. Sie müssen nur noch abgeschlossen werden. Ich glaube, das Ziel ist realistisch.

Ihre zwei weiteren Ziele sind, Wohlen weiterzubringen und dessen Image zu verbessern. Wie?

Mir ist klar, dass wir die Finanzen nicht von heute auf morgen regeln können. Aber mir ist wichtig, dass wir gemeinsam nach Lösungen und Kompromissen suchen. Die Extrempositionen der Parteien blockieren Wohlen.

Ihre Vorgängerin fand, man könne wenig erreichen, wenn man neutral sein muss. Wie sehen Sie das?

Als Präsidentin muss ich den Rat führen. Trotz Neutralität glaube ich, dass ich viel bewirken kann, indem ich zwischen den Parteien vermittle und ihnen den Weg bereite. Ich will persönliche Anfeindungen unterbinden. Es soll dadurch eine konstruktive Streitkultur entstehen. Die Rätinnen und Räte sollen sich wieder auf die Sitzungen freuen dürfen. Und wenn sach- und lösungsorientiert politisiert wird, kommt das auch dem Wohler Image zugute.

In die Zukunft geschaut: In Wohlen ist es Usus, dass man nach dem Präsidium aus dem Einwohnerrat austritt. Haben Sie das auch vor?

Das lasse ich bewusst offen. Wer weiss, was in zwei Jahren ist? Ich bin sehr gerne Politikerin und möchte mich weiterhin einsetzen. Aber wie und wo weiss ich noch nicht.

Wäre auch eine Gemeinderatskandidatur möglich?

Auch das lasse ich offen. Unmöglich ist es auf jeden Fall nicht.

Sie scheinen voller Elan zu sein. Was ist Ihr Rezept, wenn Sie von einer mühsamen Sitzung nach Hause kommen, vielleicht wütend sind?

Dann trinke ich manchmal mit meinem Mann ein kleines Gläschen Appenzeller (lacht). Ansonsten treibe ich viel Sport, spiele Tennis und jogge beispielsweise jeden Morgen 40 Minuten lang, das gibt mir genug Energie für lange Sitzungen. Zum Ausgleich nähe, bastle und lese ich auch viel. Und in der Schule habe ich dafür gesorgt, dass ich am Montagnachmittag keinen Unterricht erteilen muss. Ich denke, ich bin gut
vorbereitet.

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