Widen
Die erwachsene Art, Drachen steigen zu lassen

An der Schweizer Meisterschaft im Indoor-Modellfliegen in der Sporthalle Burkertsmatt ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Piloten sind fasziniert: «Der Drang zu fliegen, liegt in der Natur jedes Menschen. Wir verwirklichen diesen auf unsere Art.»

Tim Honegger
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Modellflieger in der Sporthalle Burkertsmatt in Widen

Modellflieger in der Sporthalle Burkertsmatt in Widen

AZ

Am Wochenende pilgerten Modellkunstflieger aus der ganzen Schweiz nach Widen. In der Turnhalle Burkertsmatt fand die Schweizer Meisterschaft im Indoor-Fliegen statt.
Dabei zeigte sich, was hinter der oft verkannten Randsportart steckt.

Wo sonst Geschrei und Schweiss herrschen, ist an diesem Sonntag nur leises Surren zu hören. In der Dreifachturnhalle manövrieren Modell-piloten ihre elektrischen Miniflugzeuge elegant durch die Lüfte.

Kein Sport für «Pläuschler»

Geradezu steril wirkt das Fliegen, dafür ist die Konzentration der Piloten umso höher. Haarsträubende Loopings und Rollen gehören beim Indoor-Modellfliegen praktisch zum Inventar einer jeden Übung. Zum Schreck, aber auch zum Entzücken des Publikums lassen die Piloten ihr Flugmodell zuweilen aus luftiger
Höhe in Richtung Boden fallen, um es nur wenige Zentimeter vor dem Aufprall wieder aufzufangen.

Einer nach dem anderen betritt die Halle, um unter den wachsamen Augen von zehn Punktrichtern ihre Kür zu absolvieren. Diese bewerten einerseits die Präzision der Flugbahn und die Einhaltung der richtigen Winkel des Flugzeuges, andererseits die Gleichmässigkeit des Fluges.

Hier zeigt sich: Modellkunstfliegen ist keineswegs ein Plausch-Hobby, sondern eine anspruchsvolle Randsportart. Damit die Modellflugzeuge scheinbar schwerelos durch die Halle schweben, braucht es Geschick und filigrane Feinmotorik.

Burkertsmatt als Glücksfall

Dabei fällt auf: Hinter den Steuerknüppeln steht keine einzige Frau – Modellfliegen scheint eine absolute Männerdomäne zu sein. «Leider sind weit über 90 Prozent Männer», bestätigt Christoph Krämer, Präsident der Indoor Flyers Mutschellen (IFM).

Dabei wären Frauen bestens für das Modellkunstfliegen geeignet, sagt er. «Schliesslich erfordert das Steuern viel Fingerspitzengefühl und gleichzeitig keine Muskelpakete.»

Abgesehen von der Geschlechterfrage ist sein Fliegerverein jedoch wohlauf: Der IFM zählt momentan 50 Mitglieder, wovon 20 alleine im letzten Jahr dazustiessen.

«Erst durch die Eröffnung der Burkertsmatt wurde die Gründung unseres Vereines möglich», sagt Krämer. Tatsächlich scheint die Halle das Glück der Modellpiloten zu sein: «Es gibt wohl in der ganzen Schweiz keine Halle, die besser für das Modellfliegen geeignet ist», schwärmt einer der Piloten. Die Höhe, die Tribünen und die Belüftung seien optimal für ihren Sport.

Viele Flieger, wenig Teilnehmer

Die zunehmende Popularität des Modellkunstfliegens schlägt sich bislang nicht in den Teilnehmerzahlen der Meisterschaft nieder: Lediglich 27 Piloten kämpfen in Widen um den Titel. Und dies, obschon es landesweit rund 8000 aktive Flieger gibt.

Damit schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich allerdings gut ab. «Es ist ein kapitalintensiver Sport – wohl deshalb hat es hier mehr Piloten als im Ausland», so Krämer.

Für ein Topmodell muss man tief in die Tasche greifen: Bis zu 700 Franken kostet ein solches Flugzeug. Der untere Rahmen liegt etwa bei 200 Franken. Krämer selbst besitzt knapp 40 Modelle. Dies zeugt von der Hingabe und Begeisterung der Piloten für ihre Sportart. «Der Drang zu fliegen, liegt doch in der Natur jedes Menschen – wir Modellflug-Piloten verwirklichen diesen eben auf unsere Art», schmunzelt Krämer.

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