Muri

Die Eltern wissen nicht, was richtig oder falsch ist

Cornelia Kuster Kaufmann, Präsidentin des Vereins Familienberatung Bezirk Muri (links), und Sekretärin Heidi Baumgartner. es

Cornelia Kuster Kaufmann, Präsidentin des Vereins Familienberatung Bezirk Muri (links), und Sekretärin Heidi Baumgartner. es

Die Jugend-, Ehe- und Familienberatung des Bezirks Muri stellt eine zunehmende Verunsicherung bei den Erziehenden fest. Das zeigt der Jahresbericht des Vereins Familienberatung. Stark zugenommen haben vor allem die kurzfristigen Fälle.

In den drei Fachstellen Jugend-, Ehe und Familienberatung des Bezirks Muri, der Mütter- und Väterberatung und der Tagesfamilienvermittlung in Muri ist ganz schön was los. Das zeigt der Jahresbericht des Vereins Familienberatung des Bezirks Muri.

«Die Zahlen zeigen deutlich, dass das Dienstleistungsangebot im Familienzentrum bekannt ist und intensiv genutzt wird», stellt Präsidentin Cornelia Kuster Kaufmann fest.

Zunahme kurzfristiger Fälle

Allein in der Jugend-, Ehe- und Familienberatung wurden im letzten Jahr 480 (Vorjahr: 469) Dossiers behandelt. In den Beratungsprozess wurden 1337 Personen einbezogen. Damit sind die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent angestiegen, wie Stellenleiter Peter Wiederkehr feststellt.

Stark zugenommen haben die kurzfristigen Fälle, die mittel- und langfristigen sind etwas zurückgegangen. Für die Arbeitsbelastung entscheidend seien aber nicht so sehr die Anzahl der Fälle als vielmehr deren Komplexität.

«So führen wir einige Kinderschutzfälle, bei denen wir fast wöchentlich Kontakt mit dem Familiensystem haben.» Aktuell werden mehr als 100 Kinderschutzfälle betreut.

Drei Hauptgründe

Für die Zunahme der kurzfristigen Beratungen sprechen laut Wiederkehr drei generelle gesellschaftliche Strömungen. Viele Eltern sind durch die Verbreitung von Ratgebern mit teilweise widersprüchlichen Erziehungstipps verunsichert.

Generell höher wird der Beratungsbedarf durch die Auflösung von Werte und Normen; Eltern wissen nicht mehr, was richtig und falsch ist. Schliesslich steht die Erwartung im Raum, dass alles möglichst schnell gehen muss.

Eine Zunahme der Problembereiche stellt Wiederkehr bei den familiären Konflikten, Beziehungs- und Erziehungsproblemen fest. Widersprüchlich ist die Tendenz in den Bereichen Vermittlung von Sachhilfe, Finanzen, Probleme in der Schule und Lehre, Sucht und häusliche Gewalt. Abgenommen haben die Pflegeplatzvermittlungen.

Die Statistik der Tagesfamilienvermittlung zeigt 22 (Vorjahr: 32) Anfragen und 35 (61) Beratungen von abgebenden Eltern, wie Heidi Baumgartner ausführt. Es gab 2 (4) Notfälle, 15 (15) konkrete Bereitschaftsmeldungen von Tagesfamilien und 29 (38) Beratungen für sie.

Hohe Zahl Erstbesuche

Im Bezirk Muri wurden 361 Geburten gezählt, die Mütter- und Väterberatung konnte 296 Erstbesuche wahrnehmen. Das heisst, dass die Mütterberaterinnen bei 82 Prozent der Familien mit Neugeborenen ein erstes Gespräch vereinbaren und die Dienstleistungen der Beratungsstelle anbieten konnten.

So sei es denn auch wenig erstaunlich, dass die Beratungen in den Gemeinden um 13,7 Prozent zugenommen haben, wie die Mütterberaterinnen Brigitte Hurst, Doris Streit und Manuela Meyer festhalten.

Zwar liege der Schwerpunkt nach wie vor im Säuglingsbereich, doch die Zunahme der Beratungen von Familien mit Kleinkindern mache sich deutlich bemerkbar.

Prozentual haben die Konsultationen von Vätern massiv zugenommen (plus 58,3 Prozent am Telefon, plus 40 Prozent in den Gemeinden), «doch absolut gesehen haben die Väter auch in der Zeit der geteilten Familienarbeit Exotenstatus in der Mütter- und Väterberatung.»

Die Generalversammlung des Vereins Familienberatung Bezirk Muri findet am Dienstag, 7. Mai, 19 Uhr im Hotel Arcade in Sins statt.

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