Bremgarten
Die Einsicht des 34-Jährigen kam erst im Gefängnis

Vor zweieinhalb Jahren brach er in die Migros Wohlen ein und wurde von der Polizei auf frischer Tat geschnappt. Jetzt will der mehrfach vorbestrafte 34-jährige Schlosser aus dem Bezirk Bremgarten sein Leben ändern – im Gefängnis.

Jörg Baumann
Drucken
Teilen
Baselland soll gegen Kriminelle effizienter vorgehen. Keystone

Baselland soll gegen Kriminelle effizienter vorgehen. Keystone

Keystone

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte den psychisch kranken, arbeitslosen IV-Rentner wegen versuchten Diebstahls, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie wegen mehrerer Verkehrsdelikte, die er ohne Führerausweis beging, zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

Seit vier Monaten im «Knast»

Alkohol, Drogen, seine schlechte psychische Verfassung und miese Kollegen hätten ihn auf die schiefe Bahn gebracht, erklärte der Schlosser vor Gericht. Jetzt sei es aber endgültig Zeit für eine Wende. Der Schlosser hat, nachdem er seine Strafe verbüsst haben wird, eine geschützte Arbeitsstelle als Landschaftsgärtner in Aussicht. «Diese Chance sollten Sie nutzen, um Ihr Leben zu ändern», meinte Gerichtspräsident Lukas Trost. Der Schlosser befindet sich bereits seit Ende November 2012 im vorzeitigen Strafantritt.

«Die Arbeit im Gefängnis ist langweilig», räumte der Schlosser ein. Aber im «Knast» habe er den Drogen und dem Alkohol abgeschworen. Die festen Strukturen im Gefängnis hätten ihm also gutgetan, bestätigte Trost. Die dritte und letzte Chance auf eine bedingte oder teilbedingte Strafe, wie sie der amtliche Verteidiger forderte, habe er bei seinem langen Vorstrafenregister ohnehin verwirkt.

Schluss mit der sanften Tour

Auf eine bessere Spur soll den Schlosser ausserdem eine vom Gericht angeordnete ambulante Therapie bringen. Neben der Freiheitsstrafe erhielt er eine Busse von 800 Franken. Zwei Geldstrafen von insgesamt 3500 Franken, die der Schlosser früher bedingt erhalten hatte, widerrief das Gericht. Freiwillig zeigte sich der Täter bereit, den Schaden wieder gutzumachen, den er an einem gestohlenen Traktor auf einer Strolchenfahrt anrichtete. «Ihre Delikte sind nicht hochkriminell, sondern gleichen eher denen eines Schulbuben», meinte Trost. «Aber jetzt ist Schluss mit ‹Bibäbele›, jetzt ‹räblets› halt.»

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Schlosser das lange Sündenregister vor, gestand ihm aber, weil psychisch angeschlagen, leicht verminderte Schuldfähigkeit zu. Für den Ankläger war eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten angemessen.

«Lauter dumme Delikte»

Der Verteidiger schilderte, wie sein Mandant aus einem anfänglich geordneten Leben herausfiel: Schulzeit mit etwas Mühe, aber genügenden Noten, Berufslehre mit dem Minimum abgeschlossen, dann vorzeitig aus der Rekrutenschule entlassen, «weil er sich nicht unterordnen wollte». Arbeitslos und zum IV-Rentner geworden, nachdem seine psychische Krankheit festgestellt worden war. Unsteter Lebenswandel mit der Neigung zum «Vagantentum».

Sein Mandant, so der Verteidiger, habe zwar mehrere Delikte verübt, «aber lauter dumme Sachen, die niemandem wehgetan haben». Es wäre verfehlt, den Schlosser deswegen bei «Bastelarbeiten» im Gefängnis schmoren zu lassen. Stattdessen sollte er über eine teilbedingte oder bedingte Strafe eine letzte Chance erhalten, die möglicherweise auch «einer höchstrichterlichen Beurteilung» am Bundesgericht standhalten würde.

In ein paar Monaten frei

Das Gericht liess sich nicht erweichen. Es bestand darauf, dass der Schlosser ins Gefängnis zurückkehren müsse. Dieses wird er, wenn er sich weiterhin so gut hält wie in den vergangenen Monaten, in ein paar Monaten verlassen können, um dann allenfalls an einem geschützten Arbeitsplatz beweisen zu können, dass er seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen kann. Dann wäre auch der Strafvollzug nicht sinnlos gewesen, tönte Gerichtspräsident Trost an.

Aktuelle Nachrichten