Die Tribüne ist dieselbe wie am traditionellen Guggibad-Schwinget, die Sägemehlringe haben den gleichen Durchmesser und wie dort riecht es nach Bratwurst und gibt es Jodelgesang zu hören. Doch die Akteure sind nicht Strebel Joel, Thürig Mario oder Schmid David und Alpiger Nick wie die vier Erstplatzierten im Guggibad im Frühling. Foulk Yolanda (Aktive), Riesen Angela (Meitli 1), Philipona Celia (Meitli 2) und Schelbert Elena (Zwergli) heissen die Siegerinnen am ersten Frauen-Schwinget im Freiamt auf dem Hof von Beat Michel in Uezwil.

Sie tragen die gleichen Schwingerhosen wie ihre männlichen Kollegen, aber oft rosarote statt blaue Edelweisshemden, und ihre Haare sind länger. Vielfach zu einem schönen Zopf geflochten. Ran gehen sie wie die Männer, sagen Zuschauer, die es wissen müssen: «Doch doch, die chönd öppis», sagt ein älterer Zuschauer, der auch im Guggibad regelmässiger Gast ist. «Man sieht, dass sie trainieren, die meisten haben eine gute Technik und fackeln nicht lange. Rein und ran an die Gegnerin. Es gefällt mir durchaus, was ich hier sehe», sagt der Kenner.

Paul Vollenweider, eidgenössischer Kranzschwinger in den 80er-Jahren sowie Freiämter Schwinger-, Ringer-, Judo- und Nationalturnerlegende, sieht es ähnlich: «Ich war schon mehrmals an einem Frauen-Schwinget. Was ich hier sehe, gefällt mir. Da wurden vor allem im technischen Bereich spürbar Fortschritte gemacht, auch bei den Kleinsten.» Für Vollenweider macht Frauenschwingen durchaus Sinn: «Wir leben im Zeitalter der Gleichberechtigung und wichtig ist doch, dass sich auch die Frauen sportlich engagieren.»

Viele Komplimente

Nach einem trockenen Morgen regnet es am Nachmittag. Der Zuschaueraufmarsch hält sich deshalb in Grenzen. Das grosse Festzelt ist zwar gut gefüllt, aber auf den nur teilweise gedeckten Tribünen hat es da und dort noch Platz. Kein Problem für die Veranstalter: «200 Zuschauer mehr wäre natürlich toll. Aber wir sind glücklich und zufrieden, es läuft alles rund, und wir bekommen viele Komplimente», sagen Patrick Michel und Rolf Müller vom Organisationskomitee. Und Beat Michel, dessen 40-Jahr-Jubiläum in der «Traube» in Küttigen äusserer Anlass für die Veranstaltung war, sagt: «Es ist nicht ausgeschlossen, dass es einen weiteren Frauen-Schwinget hier in Uezwil gibt.»