Bremgarten
Die dritte Generation übernimmt: Das «Bijou» wird 60 Jahre alt

Im Restaurant Bijou übernimmt die dritte Generation der Familie Nauer. Wirt Roger Nauer blickt auf die Geschichte des Wirtshauses zurück. Und er verrät, wie eine Abstimmung den Weg zur Eröffnung seines Restaurants ebnete.

Dominic Kobelt
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Zwei Generationen führen zurzeit das Restaurant Bijou: Roger und Dominik Nauer, Marianne Huber und Cecile Nauer (von links).

Zwei Generationen führen zurzeit das Restaurant Bijou: Roger und Dominik Nauer, Marianne Huber und Cecile Nauer (von links).

Dominic Kobelt

Das Schicksal von Roger Nauer entschied sich am 15. März 1998. An diesem Tag wurde über das Gastgewerbegesetz abgestimmt – unter anderem sollte die sogenannte «Bedürfnisklausel» wegfallen. Nauer, der damals gerade das Restaurant Bijou übernommen hatte, erklärt: «Die Anzahl Alkoholausschank-Lizenzen, die Gemeinden vergeben durften, richtete sich nach der Bevölkerungszahl. Weil es in Bremgarten schon 36 solcher Betriebe gab, reichte es fürs Bijou nicht mehr.» Hätten die Schweizer dem Wegfall der Bedürfnisklausel nicht zugestimmt, hätte der Wirt ein grosses Problem gehabt: «Ich hatte den Bierkeller schon installiert», sagt er lachend. «Wäre die Abstimmung anders ausgegangen, wäre ich heute wohl nicht Wirt.»

Seit 60 Jahren gehört das Bijou der Familie Nauer – am Pfingstwochenende wird das mit den Gästen gefeiert. 1956 hatte Marco Nauer, Vater von Roger Nauer, das ehemalige Schützenhaus gekauft. Nach einem Umbau eröffnete er 1957 einen Café-Tea-Room mit Konditorei. Zusammen mit seiner Frau Jrma führte er 40 Jahre lang das Café. Roger Nauer erinnert sich: «Ich half meinem Vater im Betrieb, als 1984 Cecile hier zu arbeiten begann, damals im Service. So lernte ich meine Frau kennen.»

Nun ist Roger Nauer bald so weit, das Bijou an die dritte Generation übergeben zu können. «Mein Sohn Dominik arbeitet seit diesem Frühling im Bijou als Küchenchef. Er wird in den nächsten Jahren mit seiner Lebenspartnerin Marianne Huber den Betrieb übernehmen.» Beide haben Ihre Ausbildung in der Gastronomie gemacht, sie im Service und in der Küche, er als Koch.

Fachwissen und Erfahrung

Dominik Nauer freut sich auf die neuen Aufgaben. «Es ist eine grosse Herausforderung, besonders, Familie und Geschäft unter einen Hut zu bringen», meint er. Sein Vater wirft ein: «Er hat das Fachwissen und ich die Erfahrung.» Gibt es nie Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn? «Doch, aber wir können gut miteinander diskutieren», meint Dominik. Und Roger ergänzt schmunzelnd: «Dominik bringt gute Ideen ein, obwohl ich am Schluss natürlich recht habe.»

Das Restaurant Bijou ist fester Bestandteil des Gastrogewerbes von Bremgarten.

Das Restaurant Bijou ist fester Bestandteil des Gastrogewerbes von Bremgarten.

Dominic Kobelt

Das Restaurant Bijou läuft soweit gut, wie Roger Nauer sagt: «Am meisten Sorgen macht mir das Personalproblem – es ist heute fast nicht mehr möglich, Schweizer Fachpersonal zu finden. Als ich den Betrieb übernommen habe, war das noch etwas besser, aber schon damals war es schwierig.» Die Jungen hätten Mühe mit den Arbeitszeiten. Wer nicht bereit sei, am Wochenende zu arbeiten, habe aber in der Gastronomie auch nichts verloren. «Wer an den Händen keine Karrenschmiere haben möchte, sollte schliesslich auch nicht Automech werden – das gehört halt einfach dazu.» Dafür habe er viel Kundenkontakt und sei sein eigener Chef, sagt Nauer.

Auch Katzenturm kostet

Hinzu kommt, dass zum Bijou und damit zum Besitz der Familie Nauer auch der Katzenturm gehört, der unterhalten werden will. «Der Unterhalt wird durch das Restaurant quersubventioniert», erklärt Roger Nauer. Dafür profitiert das Café von seiner ausgezeichneten Lage direkt an der Reuss, und mit 420 Sitzplätzen finden auch grössere Gesellschaften Platz – wegen der grossen Gartenterrasse ist das allerdings wetterabhängig.

Möchte Dominik Nauer etwas verändern? «Nein, vorderhand werde ich mich einarbeiten und dann weiter sehen», erklärt er. Was schon feststeht, ist die Renovation der Küche. «Wir haben zwar vor 20 Jahren rund eine Million in den Umbau investiert, aber sie ist mittlerweile zu klein», so Roger Nauer.