Was ist die passende Entscheidung? Wohnen im Altersheim, in der Pflegi oder in der Dementenabteilung des Aettenbühl? Oder geht es weiterhin mit der Spitex? Die «Drehscheibe Gesundes Freiamt» wäre für solche Fragen die richtige Anlaufstelle. Nur: Kaum jemand hat von dieser Möglichkeit Kenntnis. «Die Zahl der Anrufe ist noch bescheiden», räumte Thomas Wernli, Leiter des Projektes und Direktor der Pflegi Muri, ein.

Das soll in Zukunft anders werden. Man will den Leuten ins Bewusstsein bringen, dass hier Rat- und Hilfesuchende Antwort auf alle Fragen zur Begleitung im häuslichen Umfeld und zur im Alter beginnenden Pflegebedürftigkeit erhalten.

Ein Mensch soll im Alter zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Um das besser zu gewährleisten, haben sich acht Institutionen unter dem Dach der Fachkommission Alter und Gesundheit des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt zusammengefunden, um die Angebote zwischen den verschiedenen ambulanten und stationären Organisationen und mittelfristig die beratende Zuweisung von Klienten, Bewohnerinnen und Bewohnern und Patienten an die geeignete Institution abzustimmen. Die Leistungsangebote in der Region sollen immer bedarfs- und bedürfnisgerecht sein.

«Sichergestellt ist dabei auch die Durchlässigkeit», unterstreicht Wernli. Neben der Pflegi sind das Alterswohnheim St. Martin, das Maria-Bernarda-Heim, das Solino in Boswil, das Spital Muri, die Spitex Muri und Umgebung sowie Oberfreiamt, das Zentrum Aettenbühl und die Pro Senectute mit im Boot. Bei Letzterer ist die «Drehscheibe Gesundes Freiamt» an der Luzernerstrasse 16 in Muri angesiedelt, wobei die beiden Bereiche getrennt geführt werden, wie Sofia Mancanyadis festhält. Das Pilotprojekt geniesst übrigens fast schon schweizweite Anerkennung.

Nutzen für die ganze Region

Auch wenn die Nachfrage wohl mangels Bekanntheit noch spärlich ist, sehen Wernli, Hans-Peter Budmiger, Vorsitzender der Fachkommission Alter und Gesundheit, und Judith Keiser, Geschäftsleiterin des Maria-Bernarda-Heims, einen «nicht zu unterschätzenden Erfolg»: Die Arbeiten für dieses Pilotprojekt, das noch bis Ende 2020 dauert, hätten dazu geführt, dass die unterschiedlichen Partner näher zusammengerückt sind, die Herausforderungen in der ambulanten und stationären Langzeitpflege gemeinsam diskutiert und letztendlich auch gemeinsam pragmatische Lösungsansätze erarbeitet haben. Es gibt jetzt eine Übersicht über die aktuellen Angebote jedes Partners, und jedes Angebot ist hinterlegt mit Qualitätskriterien. «Damit wollen wir Fehlplatzierungen vermeiden und die Qualität steigern», unterstreicht Wernli.

Die Integrierte Versorgung, also die sektorenübergreifende Versorgungsform im Gesundheitswesen, fördert eine stärkere Vernetzung der verschiedenen Fachdisziplinen und Sektoren (Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser), um die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig die Gesundheitskosten zu senken. Sie führe allerdings zwangsläufig zum Spannungsfeld zwischen berechtigten betriebswirtschaftlichen Eigeninteressen und übergeordneten regionalen, politischen Interessen.

Dieses Spannungsfeld habe jedoch auch dazu geführt, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, zu Transparenz und Verbindlichkeit gewachsen sei. «Die Integrierte Versorgung im Bezirk Muri ist nicht nur nötig und sinnvoll, sie bringt der Region mittelfristig einen wesentlichen Mehrwert», ist Wernli überzeugt.

Die Kosten für das Pilotprojekt betragen pro Jahr 13'000 Franken, welche von den beteiligten Institutionen aufgebracht werden. Eine Unterstützung aus dem Departement Gesundheit und Soziales gibt es seit dem Wechsel der Departementsvorsteherin nicht mehr.