Rottenschwil
Die bunte Knolle erobert langsam auch die Schweiz

Ein Student baut für seine Bachelorarbeit Süsskartoffeln an und erntet eine beachtliche Summe.

Nora Güdemann
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Sebastian Hagenbuch hält eine Kiste mit roten Süsskartoffeln. ZVG

Sebastian Hagenbuch hält eine Kiste mit roten Süsskartoffeln. ZVG

unbekannt (ZVG)

Sebastian Hagenbuch hält eine grosse Kiste voller roter Knollen in der Hand: «Süsskartoffeln», erklärt der Student, in dessen Bachelorarbeit es sich genau um diese vielfarbigen und manchmal, unförmigen Nahrungsmittel dreht. Der Rottenschwiler studiert Agronomie an der Hochschule für Agrar- Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen. Die Idee, sich für die Arbeit mit Süsskartoffeln zu beschäftigen, hatte er schon länger: «Mein Professor hat mir ein Süsskartoffelprojekt der Agroscope vorgeschlagen, in welches ich dann eingestiegen bin.»

Bunt und gesund

Die Landwirte trauen sich noch nicht

Die Süsskartoffel (Ipomoea batatas L.) belegt Platz drei der weltweit am meisten angebauten Knollenpflanzen, ist aber in der Schweiz noch ein eher unbekannter Exot. Langsam erobert die Knolle jedoch die Schweizer Küchen. Beim Detailhändler findet man aber kaum einheimisch angebaute Süsskartoffeln. Margareta Scheidiger, Beraterin Gemüsebau Thurgau, erklärt: «Die Pflanze reagiert äusserst empfindlich auf Kälte, wobei sie mit grosser Hitze gut zurechtkommt.» Viele Landwirte würden vor diesen Herausforderungen zurückschrecken. «Der Anbau und der Handel mit Süsskartoffeln ist in der Schweiz noch eine Nischenwirtschaft, wird aber mit der Zeit sicher expandieren.»

Acht verschiedene Süsskartoffelsorten wurden während dem Versuch mit drei verschiedene Techniken angebaut. «Die Sorten variieren in ihrer Vegetationszeit, reagieren verschieden auf Hitze oder Kälte und haben je nachdem andere Bedürfnisse an den Boden.» Doch nicht nur in ihren Wachstumsbedürfnissen unterscheiden sich Süsskartoffeln, auch in den Farben und Formen kommen sie vielfältig daher. Laut Hagenbuch gibt es grosse und kleine mit weissem, gelbem, oder orangefarbigem Fleisch. Gesund sind sie aber alle, werden sogar als neues In- oder Superfood zelebriert. «Sie sind trendig, exotisch und peppen die Alltagsküche auf», fasst der Student zusammen. «Ausserdem sind die Süsskartoffeln gleichermassen nahr- und schmackhaft und eignen sich gut für Diabetiker.»

800 Kilo geerntet

Immer mehr Detailhändler bieten mittlerweile Süsskartoffeln an, meist Importware aus Afrika oder den USA. Viele Käufer hätten jedoch ein schlechtes Gewissen dabei, Waren aus Übersee zu kaufen. Hagenbuch weiss die Lösung: Der Kleinparzellenversuch in Rottenschwil warf einen ansehnlichen Ertrag ab: «Knapp 800 Kilo Süsskartoffeln konnten geerntet werden.» Ab nächster Woche bieten der Volg Oberlunkhofen und Jonen Hagenbuchs Süsskartoffeln an. Wer mit gutem Gewissen gesundes Gemüse geniessen will, ist hier genau richtig. Ob der Nachwuchslandwirt auch in Zukunft Süsskartoffeln anbauen wird, weiss er noch nicht: «Um das zu entscheiden, muss ich noch einige Abklärungen vornehmen.»