«Heute sind zu viele Leute hier, deshalb werden wird den Glögglifrosch kaum hören», sagte André Keusch, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Villmergen (NVV), als er die Besucher vor der Verleihung der Bünztalgabe durch die Kiesgrube Unterzelg führte. Dank einer Tonaufnahme, die Keusch abspielte, war das Tier dennoch präsent. Und das Publikum konnte feststellen: Der Glögglifrosch, der umgangssprachlich so genannt wird, aber eigentlich Geburtshelferkröte heisst, macht seinem Namen alle Ehre.

Kiesgrube nicht zugeschüttet

Dass die hellen, glockenähnlichen Laute des Tieres heute in der Villmerger Kiesgrube Unterzelg zu hören sind, ist zu einem grossen Teil das Verdienst des NVV. In den 1980er- Jahren, als die Kiesgrube aufgefüllt werden sollte, wehrte sich der Verein unter dem damaligen Präsidenten Otto Troxler gegen die Pläne. «Dank ihm und seinen Mitstreitern wurde die Grube nicht ganz zugeschüttet und ist heute ein wertvoller Lebensraum für Amphibien», sagte Roland Polentarutti, Präsident der Arbeitsgruppe Landschaft und Umwelt im Regionalplanungsverband Unteres Bünztal in seiner Ansprache.

Polentarutti lobte das langjährige Engagement des Vereins, der seit einer Schenkung 1987 auch Eigentümer der Kiesgrube ist. Als Anerkennung für die Arbeit des NVV, der mit zwei Arbeitstagen pro Jahr dafür sorgt, dass die Weiher in der Grube nicht überwuchern, überreichte er André Keusch einen Scheck über 1000 Franken. «Die Arbeitsgruppe Landschaft und Umwelt hat vor über 25 Jahren die Tradition der Bünztalgabe gestartet», blickte Polentarutti zurück. Einst vor allem für kulturelle Leistungen vergeben, wurde der Preis 2003 für die Bünzrenaturierung in Dottikon und 2008 für einen Hochstamm-Obstgarten in Waltenschwil verliehen. «Die Bünztalgabe wird an Projekte vergeben, die für die ganze Region vorbildlich und bedeutungsvoll sind», erklärte Polentarutti.

Verein ist auch politisch aktiv

Neben diversen Vereinsaktivitäten setzt sich der NVV auch politisch für mehr Natur in Villmergen ein. «Wir haben den Antrag zur ökologischen Aufwertung des Baugebiets aufgenommen und werden an der nächsten Gemeindeversammlung einen Kredit von 200000 Franken beantragen», sagte Gemeindeammann Ueli Lütolf. Im Rahmen eines Pilotprojekts, bei dem der Kanton 50 Prozent der Kosten übernimmt, sollen naturnahe Flächen bei öffentlichen Bauten geschaffen und die Natur im Siedlungsraum gefördert werden. Lütolf betonte ausserdem, der Villmerger Gemeinderat sei sehr stolz, dass der NVV mit der Bünztalgabe ausgezeichnet worden sei.