Tausende haben sie schon verwünscht, die traditionellen Uniformen der Musikvereine. Nicht jene, die sie bewundert, sondern jene, die sie getragen haben, beziehungsweise tragen mussten. Etwa an Marschmusikparaden im Hochsommer, wenn der schöne, aber dicke und schwere Stoff dafür sorgte, dass der Schweiss gleich literweise aus allen Poren floss.

Die Zeiten haben sich geändert. Die ehemalige Uniformenfabrik Schuler in Rothenthurm nennt sich jetzt Manufaktur. Und genau so sieht sie aus, die neue «Uniform», die sie für die Musikgesellschaft Boswil gefertigt hat: chic, leicht und modisch. Kein dicker Kittel mehr, der mit irgendwelchem Anhängsel noch schwerer wird, als er schon ist, sondern ein gediegener leichter Veston mit blauem Revers und Boswiler Emblem, darunter je nach Bedarf ein schwarzes oder ein weisses Hemd sowie eine blau/gelb gesprenkelte Krawatte und ein dezenter Hut mit blauem Band – keine herkömmliche Uniform mehr, sondern ein gediegener dunkler Anzug mit passender Kopfbedeckung. «Eine Uniform muss identifizieren, sie muss edel sein, der Zeit und dem Vereinsleben angepasst», sagte Vereinspräsident Hans Hildbrand bei der Präsentation.

Segnung durch Pastoralassistentin

Dank dem dezenten Schwarz und dem Verzicht auf unnötige Farben falle es leichter, künftige Aushilfen einigermassen gleich zu kleiden, und die neue Schale sei vor allem und für alle auch sehr bequem, erklärte Hildbrand, bevor Pastoralassistentin Ursula Kloth das Zepter für die feierliche Segnung übernahm.

Vor drei Jahren hat die Musikgesellschaft Boswil ihr 150-Jahr-Jubiläum feiern dürfen. In dieser Zeit ist sie lediglich vier Mal neu eingekleidet worden. Die am Samstag am Jahreskonzert in der bis auf den letzten Platz gefüllten Mehrzweckhalle präsentierte neue Garderobe ist somit erst die fünfte in der Vereinsgeschichte. Davon haben Posaunist Josef Meier und Es-Hornist Jakob Keusch nur die erste nicht getragen, jene, die von 1906 bis 1950 im Dienst gestanden hat. Die beiden Veteranen sind schon ein paar Jährchen dabei.

Zwei flotte Burschen in der neuen Uniform. Pardon: im neuen Anzug.

Zwei flotte Burschen in der neuen Uniform. Pardon: im neuen Anzug.

Aktive Nachwuchsförderung

Damit es die Musikgesellschaft auch noch lange gibt, geht man bei der Nachwuchsförderung neue Wege. Erstmals wurden im ersten Teil rund ein Dutzend Jugendliche aus der Boswiler Musikschule integriert. Nicht nur solche, die ein Blasinstrument erlernen. Dabei waren auch ein Akkordeon-Quartett und ein Keyboarder. Der Verein, der noch 31 aktive Mitglieder zählt und am Konzert mit einer Handvoll Aushilfen verstärkt wurde, ist so für die ersten drei Vorträge auf über 50 Musikerinnen und Musiker angewachsen. Entsprechend beeindruckend war der Sound.

Der Bünzer Dirigent Felix Müller, der in Boswil als versierter Bläser schon oft ausgeholfen hat und den Verein seit August 2017 leitet, macht keine halben Sachen. Das war an seinem ersten Jahreskonzert deutlich zu hören. Er hat das Korps mit einem recht anspruchsvollen Programm in den Proben ziemlich gefordert. Was zu hören war, hat (noch) nicht in allen Teilen perfekt getönt, aber über weite Strecken überzeugt. Neue Schale, neuer Dirigent, neue Motivation, neuer Sound – das hat die Zuhörer durchweg begeistert.