«Der Reusslauf ist für viele der Start in die neue Laufsaison», sagt Stephan Gut, Chef des Organisationskomitees. So haben sich an diesem Samstagmorgen denn auch viele Marathon- und Orientierungsläufer an der Reuss eingefunden, um die gefrorenen Beine auch wettkampftechnisch aus dem Winterschlaf zu holen.

Mit von der Partie sind auch die sogenannten Pacemaker von Asics, dem langjährigen Hauptsponsor des Reusslaufs. Sie tragen neben der Startnummer eine Richtendzeit, mit der sie einlaufen und eine «Pace» – eine Angabe, wie lange sie pro Kilometer brauchen werden. Damit sie auch jeder erkennt, haben alle von ihnen zwei blaue Ballons am Körper befestigt - ebenfalls mit der «Pace» versehen.

Erfahrung ist alles

«Die Pacemaker sind alle sehr erfahrene Läufer, die ein Gespür für ihren Körper und das Tempo haben», sagt Robert Marti von Asics. Die Idee, den Teilnehmern einen Tempomacher an die Seite zu stellen, sei ihnen vor rund zehn Jahren gekommen. Heute hätten sie einen Pool von rund 35 Athleten. «Pacemaker ist genauer betrachtet das falsche Wort», sagt Marti, «denn eigentlich rennen alle Pacemaker mit Reserven.» Sie würden während des Laufes nie an ihre Belastungsgrenze kommen. «Ein Pacemaker mit Bestzeit von 4 Minuten pro Kilometer, läuft in der Regel die 5 Minuten Pace», sagt Robert Marti.

«Die Erfahrung hilft ganz klar», sagt auch der 49-jährige Dominik Schäfer. Er ist schon seit rund acht Jahren Pacemaker und trainiert vier bis fünf Mal pro Woche. «Schon während dem Training läufst du nicht nur auf die Distanz, sondern vor allem auf die genaue Zeit.» Die Erfahrung beschränkt sich aber nicht nur aufs Training. «Ich laufe pro Jahr zwischen 12 und 15 Veranstaltungen», sagt er weiter. Aber klar: Nur mit Gefühl gehe es nicht. «Ohne Uhr wären auch wir aufgeschmissen», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Apropos Zeit: Wie bestimmt man die Zeit, die man für die Strecke braucht? «Wir haben eine Software entwickeln lassen, die uns aufgrund der gewünschten Zielzeit, des Streckenprofils und gesundheitlicher Aspekte die Abschnittszeit pro Kilometer, also die Pace, ermittelt», sagt Robert Marti weiter. Wer sich am Samstag vor dem Start mit der Startnummer und der gewünschten Endzeit beim Pacemakerstand registrierte, bekommt von Asics Rückmeldung, ob er das Ziel erreicht hat und kann anschliessend mit der dazugehörigen App zielgerichtet auf die Endzeit trainieren. Damit es nächstes Mal klappt.

Motivator und Coach

«Als Pacemaker haben wir nicht nur die Aufgabe zeitlich sehr genau zu laufen. Nein, wir sind auch Motivatoren für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es gibt nichts Schöneres als die erschöpften, aber glücklichen Gesichter im Ziel zu sehen», sagt André Roth, Pacemaker und Manager bei Microsoft. «Die Leute kommen auch an anderen Veranstaltungen auf einem zu und bedanken sich für das letzte Mal. Das ist ein sehr schönes Gefühl.»

Der passionierte Sportler leitet in Solothurn eine Laufgruppe. «Das sind Leute wie du und ich, die Freude an der Bewegung haben, aber dafür Anleitung benötigen», sagt Roth. Es gehe primär gar nicht darum, die elf Kilometer in einer gewissen Zeit zu absolvieren. «Der Spass an der Bewegung zählt», ergänzt Roth. Schliesslich gehe es hier um den Breitensport. Aber, ob Hobbyläufer oder ambitionierter Amateur, ohne Disziplin und Motivation beim Training gehe nichts.

«Natürlich entwickelt ein Sportler ab einem gewissen Level Ambitionen», sagt Roth weiter. Umso schöner, wenn man sie unterstützen könne. «Wir helfen ihnen einen Schritt weiter.» Schrittmacher im wahrsten Sinne des Wortes also.