Villmergen
Die beiden Schnitzelbank-Spassfrauen wollen international Karriere machen

Die Schnitzelbank Schnoranzia hatte allen Grund für eine nicht ganz ernst gemeinte Pressekonferenz: Sie feiert ihr 25-Jahr-Jubiläum. Die beiden Frauen dichten schon seit der Primarschule für die Fasnacht.

selina mosimann
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Julie Belle und Yvette au Belle brachten viel gute Laune ins Restaurant Freihof. Remo Dainese

Julie Belle und Yvette au Belle brachten viel gute Laune ins Restaurant Freihof. Remo Dainese

Pünktlich zum 25-Jahr-Jubiläum schmieden die beiden Frauen von der Schnitzelbank Schnoranzia grosse Pläne: Sie wollen international Karriere machen. Dieser folgenschwere Entscheid wurde spontan getroffen und zog einigen Trubel mit sich.

Damit alle Welt über ihr Vorhaben im Bilde ist, wurde kurzerhand eine nicht ganz ernst zu nehmende Pressekonferenz in die Wege geleitet. Im Restaurant Freihof in Villmergen stieg die grosse Party mit Vertretern der Presse.

Da waren unter anderem Sprecher des deutschen TV-Senders RTL. Sie hatten gleich eine Aufgabe für die zwei Schnitzelbänkler: Mit verbundenen Augen musste zwischen Würmern (Spaghetti) nach einem goldenen Stern gesucht werden.

Diese «Dschungelcamp-Prüfung» bestanden die Freundinnen mit Bravour. Der gemächliche Bernerdialekt des Redaktors der «Schweizer Familie» lullte das Publikum ein und der Pressevertreter des «Rolling Stone»-Magazins lebte in seiner Rolle als Vorzeige-Amerikaner auf.

Der nächste Lacher liess nicht lange auf sich warten, als Rosina Pfötli von der Tierwelt die beiden angehenden Weltstars mit Hauskatzen gleichstellte. Auf die Frage, wie sie denn mit dem enormen Druck umgehen, kam die Antwort: «Unser Manager sagt uns stets dasselbe: Grind abe und seckle!» Und was ist ihr Geheimrezept oder der ultimative Seelenbalsam in brenzligen Situationen? «Das ist einfach: Bier natürlich!»

Nach der einstündigen Pressekonferenz waren Julie Belle (Petra Bichsel) und Yvette au Belle (Esther Sorg) ausser Atem und gönnten sich – was denn sonst – zuerst einmal ein Bier. «Die ganze Veranstaltung war aus dem Stegreif organisiert worden und vieles war improvisiert. Wir hätten nicht mit so vielen Freunden und Bekannten gerechnet, die als Journalisten in voller Kostümmontur erschienen sind».

Dass die Villmerger das «verkleiden» im Blut haben, sieht jedermann. Mit sorgfältig aufgeklebten Wimpern und schrulligen Perücken sassen sie im Speisesaal des Freihofs und verwandelten den Raum in ein farbenfrohes Tohuwabohu. Bald beginnt die richtige Fasnacht in Villmergen, bis dahin feilt die Schnitzelbank Schnoranzia fleissig an ihren Sprüchen.

Freundinnen fürs Leben

Seit der Primarschule dichten die sympathischen Frauen für die Fasnacht. Vor 25 Jahren besuchten die beiden während der Fasnachtszeit einen Workshop und fanden den Reiz am Sprücheklopfen.

Ihre Verwandten waren dermassen begeistert, dass den beiden nichts anderes übrig blieb, als noch mehr Sprüche zu dichten. Die «Schnoranzia» gehört inzwischen zur Villmerger Fasnacht wie das Konfetti und die Guggen. Ein einziges Mal trat die «Schnoranzia» nicht auf. Das war, als Esther Sorg während ihrer Flitterwochen die Welt umreiste. Sie musste sogar ein bisschen weinen, als ihr bewusst wurde, dass es in diesem Jahr keine Schnoranzia geben würde.

Die zwei Freundinnen haben gemeinsam Bezirks- und Kantonsschule besucht. Heute sind sie Lehrerinnen, haben beide Kinder und hegen eine besonders ausgeprägte Leidenschaft für die Fasnacht. Selbst auf Nicht-Fasnächtler wirkt ihre grenzenlose Freude an der fünften Jahreszeit ansteckend und sorgt für frohe Stimmung.