Was sollen auf dem Kornhausplatz künftig für Bäume stehen? Nachdem Platanen als Schattenspender ausgewählt wurden, regte sich Widerstand: das sei kein einheimisches Gewächs, schon in frühen Zeiten standen Linden auf dem Bremgarter Kornhausplatz, hiess es.

Doch dafür hatten die Behörden kein Gehör, und so pflanzten einige Anwohner kurzerhand selber eine Linde, als Geschenk für die Stadt. Diese muss nun weg. Warum nur hat der Stadtrat für das Anliegen kein Gehör?

Die Baum-Pflanzaktion.

Die Baum-Pflanzaktion.

Ganz so einfach, wie die Sache im ersten Augenblick scheint, ist sie nicht: «Ursprünglich waren Kastanien geplant, das Projekt lag öffentlich auf», erklärt Stadtrat Daniel Sommerhalder. Gegen die Umgestaltung des Kornhausplatzes gab es Opposition, wie auch gegen weitere Punkte des Gesamtprojekts «Sanierung Unterstadt». So sammelte Anwohner Alois Stutz einerseits Unterschriften gegen den Verlust von Parkplätzen als auch gegen die Kastanien. 115 Leute haben unterschrieben, dass sie keine Bäume möchten, die höher als vier Meter werden. «In den Einspracheverhandlungen haben wir uns auf Platanen geeinigt, weil man sie einfach zurückschneiden und so verhindern kann, dass sie die geforderten vier Meter überschreiten», sagt Sommerhalder. Wichtig sei, dass es Schatten gäbe, auch für die Kinder, die die Tagesstrukturen besuchten.

Zeitpunkt verpasst

Obwohl die Projektänderungen im Februar öffentlich auflagen, wehrte sich niemand gegen die Platanen. «Als dann Unterschriften dagegen eingereicht wurden, lehnten wir die Linden ab, weil schon die Platanen ein Kompromiss waren.» Kam die Linden-Fraktion mit ihrem Anliegen einfach zu spät? «Der Stadtrat hat sich absichtlich dazu entschlossen, Teilbewilligungen auszustellen, damit man gegen die Bäume separat Einsprache beim Kanton hätte einreichen können», sagt Stadtammann Raymond Tellenbach. Denn eigentlich gehe es ja bei der Sanierung der Unterstadt primär um die Sanierung der Werkleitungen, die habe man durch den Baum-Streit nicht gefährden wollen. Die Arbeiten am Kornhausplatz sind auf den Herbst 2020 geplant.

Und wie reagiert der Stadtrat auf die Linde, die die Anwohner eigenmächtig pflanzten? «Uns ist klar, dass den Leuten viel an der Aufwertung des Kornhausplatzes liegt und sie sich mit Herzblut engagieren. Aber man muss halt sehen, dass es nicht nur die Linden-Befürworter gibt, sondern auch Gegner, und der Stadtrat steht zwischen den Fronten.» Eine Lösung, die allen passe, gäbe es nicht. «Die Pflanzung des Baumes auf öffentlichem Grund war klar illegal», hält Tellenbach fest. Müssen die Beteiligten mit einer Busse rechnen? «Streng genommen schon, aber das liegt im Ermessen des Stadtrats, und im Moment sehen wir davon ab.» Sommerhalder ergänzt: «Bei den Parkplätzen haben wir auch einen Kompromiss gefunden. Und obwohl ein paar davon wegfallen, malen die Leute nicht selber Parkfelder in die Unterstadt.»

Das Geschenk nimmt die Stadt aber trotzdem an, nur kann die Linde nicht da stehen bleiben, wo sie jetzt ist. «Sie wird in die Badi verpflanzt, wo sie einst vielen Leuten Schatten spenden wird», so Tellenbach.