Die Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDB) ist in doppelter Hinsicht speziell: Anders, als der Name suggeriert, fährt sie von Wohlen aus ins Limmattal. Und auf dem ersten Streckenteil können Normal- und Schmalspurzüge verkehren. Zumindest bis nächstes Jahr. Dann geht mit dem Beginn der Streckensanierung eine 140 Jahre alte Tradition zu Ende. Die dritte Schiene zwischen dem Bahnhof Wohlen und dem Bahnhof West in Bremgarten wird herausgerissen und nicht mehr ersetzt.

Ein Bremgarter Eisenbahnpionier

Begonnen hat die Geschichte der BDB am 1. September 1876. Damals nahm die Wohlen-Bremgarten-Bahn (WB) ihren Betrieb auf der Normalspur auf – das nach einer Planungs- und Bauzeit von lediglich drei Jahren. Realisiert worden war die Linie bis Bremgarten West als Zubringer zur Aargauischen Südbahn, die ab 1874 von Rupperswil nach Wohlen und ab 1875 bis Muri fuhr. Mit der Weiterführung nach Rotkreuz 1881 und Immensee 1882 war schliesslich der Anschluss an die Gotthardstrecke vollzogen.

Eine der treibenden Kräfte hinter dem WB-Projekt war der Bremgarter Nationalrat Plazid Weissenbach. Er war Generalsekretär und später Direktionspräsident der Schweizerischen Centralbahn (SCB), die mit der Nordostbahn (NOB) zusammen das Südbahnprojekt verwirklicht hatte. Ab 1901 bis 1911 war Weissenbach auch der erste Direktor der Schweizerischen Bundesbahn (SBB).

Die WB hatte 1,3 Mio. Franken gekostet. SCB und NOB zahlten je 0,5 Mio. Franken. Den Rest übernahm die Stadt Bremgarten, welche fortan bahntechnisch wenigstens halbwegs mit der grossen weiten Welt verbunden war.

Die Bestrebungen der Stadtväter, auch eine Bahnverbindung ins wirtschaftlich prosperierende Limmattal zu schaffen, waren 1902 von Erfolg gekrönt. Damals nahm die BDB ihren Betrieb auf, vorerst ab dem Bahnhof Obertor bis nach Dietikon.

Die bestehende Bahnlücke vom Quartier West ins Städtchen wurde anfänglich mit einer Postkutsche und bereits ab 1906 mit einem Postomnibus überbrückt. 1911 wurde mit dem Bau der Reussbrücke begonnen, ein Jahr später konnte sie eingeweiht werden.

Güter auf der Normalspur

Damit die Personenzüge der BDB fortan durchgehend vom Bünztal ins Limmattal verkehren konnten, wurde jetzt auch die Strecke von Wohlen bis Bremgarten West für den Schmalspurbetrieb eingerichtet. Der Güterverkehr auf diesem Streckenabschnitt wurde weiterhin auf der Normalspur abgewickelt. Grosse Kunden waren über Jahrzehnte – unter anderem – die Firma Nauer, die Wein in Zisternenwagen anliefern liess und vor Ort abfüllte, die Papierfabrik Bremgarten und das Zentralholzlager.

René Fasel, Leiter Bahnproduktion der BDB und hervorragender Kenner der Eisenbahngeschichte, berichtet auch von SBB-Extrazügen, die via Wohlen an grosse Bremgarter Festanlässe geführt wurden und von zahlreichen militärischen Truppenverschiebungen.

Stückgut wurde in SBB-Güterwagen nicht nur nach Bremgarten West geführt, sondern bis 1987 auf speziellen Rollböcken über die Schmalspur auch auf den Mutschellen. Für die Güterzüge setzte die BDB vorerst eine eigene Elektro-Normalspurlok ein.

Wie René Fasel berichtet, musste damit wegen der ungleichen Stromspannung bei der Einfahrt in Wohlen jeweils ein Trick angewendet werden: «Man fuhr bis vor den Bahnhof, nahm den Stromabnehmer vom Netz und liess den Güterzug in den Bahnhof rollen. In umgekehrter Richtung wurden die Güterzüge mit einer SBB-Lok bis zum BDB-Stromnetz gestossen.» Das Problem löste sich später mit der Anschaffung einer eigenen Diesellok.

Strecke wird total saniert

Die Schliessung von Papierfabrik und Zentralholzlager sowie die zunehmende Konkurrenz durch die Strasse führten zu einem starken Rückgang des Güterverkehrs. Vor rund zehn Jahren wurde er definitiv eingestellt und das Normalspurgleis allenfalls noch für Extrafahrten benützt. Zum Christchindlimärt 2014 beispielsweise fuhr noch ein Dampfzug der ehemaligen Uerikon-Bauma-Bahn.

Jetzt steht eine Gesamterneuerung der Bahnstrecke Wohlen - Bremgarten West an. Von 2015 bis 2019 wird die BDB in dieses Projekt rund 25 Mio. Franken investieren. Die alten Anlagen im Bahnhof Bremgarten West werden abgebrochen, ein neues Stellwerk, neue Gleise und neue Fahrleitungen werden ebenso erstellt wie ein neuer Bahnhof West und eine neue Haltestelle im Wohler Oberdorf.

Die Remise im Bahnhof West bleibt bestehen, wird aber umgebaut, ebenfalls geplant sind neue Abstellgleise. Der Streckenverlauf bleibt gleich, wird aber so angepasst, dass die Züge durchgehend mit 80 km/h fahren können.

Die BDB will den Abschied vom Normalspurnetz nach 140 Jahren tüchtig feiern. Geplant ist ein grosses «WeschtFäscht» vom 26. bis 28. Juni 2015.