Auf den ersten Blick sind es einfach unzählige bunte Blüten, die auf dem Areal von Rosen-Huber aus allen Winkeln hervorleuchten. Der Geheimtipp: nachfragen. Denn vor allem die Familie Huber kann wohl zu jeder Sorte eine Geschichte erzählen. Und diese Geschichten sind so bunt wie die Rosen selbst.

Ganz hinten auf dem Areal zwischen Dottikon und Othmarsingen stehen zum Beispiel etwa 30 schwarze Töpfe mit hübschen, orange-gelb blühenden Rosen. Das scheint nichts Spezielles, immerhin hat das Familienunternehmen rund 800 Rosensorten im Sortiment. Doch diese 30 Töpfe sind einzigartig. Das erkennt man im Moment vor allem daran, dass sie mit rot-weissem Absperrband eingefasst sind. Es sind Anne-Frank-Rosen. Das Speziellste an ihnen ist jedoch, dass sie seit etwa drei Jahren auf ihren Bestimmungsort warten: Diese Rosen – oder eher Sprösslinge davon – sollen passenderweise dereinst den Garten des umgebauten Jüdischen Museums in Frankfurt zieren. Und das ist nicht irgendein Museum. Es ist das älteste Museum Deutschlands, das sich der jüdisch-deutschen Vergangenheit widmet. 2018 feierte es sein 30-jähriges Bestehen.

Nur noch wenige Züchter

«Theoretisch sollten unsere Rosen ja längst dort stehen», sagt Dyana Huber, die zusammen mit ihren Kindern Dominik und Marilyn die Robert Huber AG führt. Sie lächelt, als sie erzählt: «Die Anne-Frank-Rose haben wir schon lange. Mein Vater hat sie vermutlich aus dem Rosarium Sangerhausen in der DDR mitgebracht, mit dem er gute Kontakte pflegte und wo häufig ganz spezielle Züchtungen herkamen.» Es waren ein, zwei Exemplare, die Hubers besassen. «Irgendwann dachten wir, es wäre schön, sie ins Sortiment aufzunehmen, also begannen wir, sie zu vermehren.» Im Frühling 2015 wurde dann das jüdische Museum in Frankfurt auf Hubers aufmerksam. «Scheinbar gibt es nur noch wenige, die diese Rose anbieten, also bestellten sie bei uns 250 Stück, die wir im Herbst 2017 liefern sollten.»

Doch dann geschah das, was bei deutschen Gebäuden öfter vorzukommen scheint: Der Umbau des Museums wurde verzögert. «Also fragten sie an, ob wir die Rosen eintopfen könnten, sie würden dann im Frühling 2018 abgeholt.» Doch auch daraus wurde nichts. Neuer Termin: voraussichtlich Herbst 2018.

Nun muss man wissen, dass Rosen nur innerhalb der Kulturzeit von Mitte Juni bis Anfang Juli vermehrt werden können. «Ich fragte an, ob sie die Rosen nun auf Herbst 2018 wollen, denn dann würden wir mit der Vermehrung beginnen», erinnert sich Dyana Huber. «Dann hörte ich nichts mehr. Im September wurden wir dann gefragt, ob die Rosen nun sofort lieferbar seien. Ich musste den Leuten vom Museum erklären, dass wir das leider im Juni hätten wissen müssen.»

Aber jetzt solls vorwärtsgehen. «Am 17. Juni beginnen wir mit der Veredelung, dann kann die erste Tranche diesen Herbst, die zweite im Herbst 2020 abgeholt werden. Zumindest hoffen wir, dass das jetzt klappt», ergänzt sie schmunzelnd. Auf der Website des Museums wird gross eine Eröffnung im April 2020 angepriesen, also sollten Hubers die Anne-Frank-Rosen nun liefern können. 210 Stück will das Museum jetzt. «Aber wir müssen immer die doppelte Anzahl anbauen, damit wir ganz sicher genug haben», so Dyana Huber.

Doris und ihr Parfüm

Das ist nur eine der vielen Geschichten, die es über die Rosen im grossen Garten der Richard Huber AG zu erzählen gibt. Da steht beispielsweise die selbst gezüchtete Duftrose «Doris Leuthard», die so viele Preise gewonnen hat, dass die Firma Valentino daraus das Parfüm «Rock’n’Rose» kreiert hat. Auch «Etienne» ist zu finden, die in Japan als beste Duftrose ausgezeichnet wurde. Jährlich kommen mehrere Eigenkreationen hinzu. Bewundern kann man sie alle dieses Wochenende am Rosenfest.

Rosenfest 15./16. Juni, Huber Rosen- und Pflanzcenter, Dottikon. Mehr Infos gibts unter www.rosen-huber.ch