Bremgarten/Widen

Die Alterszentren zahlen eine halbe Million Franken zurück

Das Alterszentrum Burkertsmatt in Widen. az-Archiv/Dominic Kobelt

Das Alterszentrum Burkertsmatt in Widen. az-Archiv/Dominic Kobelt

Die Alterszentren Bremgarten und Widen mussten Geld zurückzahlen, das sie nach Ansicht des Preisüberwachers zu viel bezogen haben.

Die Geschichte gärt schon seit Jahren, jetzt sind – im Newsletter von Preisüberwacher Stefan Meierhans – auch die konkreten Zahlen dazu bekannt geworden: Die beiden Altersheime Bärenmatt in Bremgarten und Burkertsmatt in Widen müssen ihre Aufenthaltstaxen (Kosten für Pension und Betreuung) für 2016 und 2017 um 5 Franken pro Tag senken. Für das laufende Jahr 2016 gilt die Preissenkung rückwirkend, bereits (zu viel) bezahlte Beträge werden den Pensionären vergütet.

Rückerstattungen für 2014

In dem Vergleich, den der Gemeindeverband Regionale Alterszentren mit dem Preisüberwacher geschlossen hat, ist weiter vereinbart worden, dass die Aufenthaltstaxen für 2014 rückwirkend um 10 Franken pro Aufenthaltstag sinken. Die entsprechenden Beträge sind den Heimbewohnerinnen und -bewohnern laut Verbandspräsident Roger Cébe bereits zurückerstattet worden. Diese Zahlungen belaufen sich laut Cébe auf rund eine halbe Million Franken.

Ausgelöst worden ist die Diskussion, weil sich ein Angehöriger beim Preisüberwacher über die Höhe der Tagestaxe beschwert hatte. Es kam zu langwierigen und intensiven Verhandlungen. Mit dem Vergleich kann Roger Cébe leben: «Das Ganze hätte deutlich mehr kosten können. Der Preisüberwacher wollte vorerst auch für das Jahr 2013 eine (rückwirkende) Taxreduktion. Auch an unseren Tarifen für das Jahr 2015 hat er nicht rütteln können, weil wir deren Korrektheit mit einer Arbeitszeit-Studie nachweisen konnten. So sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.»

Dennoch haben die Rückzahlungen jetzt spürbare Auswirkungen auf den Finanzhaushalt des Verbandes: «Durch die Rückzahlungen vermindert sich unser Eigenkapital. Entsprechend müssen wir im Rahmen der bevorstehenden Sanierungen im Alterszentrum Bärenmatt in Bremgarten mehr Geld fremdbeschaffen und verzinsen», hält Cébe fest.

Rahmenbedingungen nicht gut

«Die Rahmenbedingungen, die uns von politischer Seite auferlegt werden, tragen der ganzen Altersthematik immer noch ungenügend Rechnung – das ist kein Geheimnis», hielt Roger Cébe im Geschäftsbericht 2015 fest. Die stetig steigenden Anforderungen und Auflagen des Kantons führten verbunden mit dessen ungenügender Kostenbeteiligung dazu, dass die finanziellen Herausforderungen an den Betrieb der zwei Häuser in Bremgarten und in Widen noch anspruchsvolle geworden sei. Für das Berichtsjahr 2015 mussten denn auch rote Zahlen ausgewiesen werden: 327 460 Franken betrug das Defizit, 2014 hatte man einen Gewinn von 52 600 Franken ausgewiesen.

«Wir sind keine Abzocker»

Es werde, sagt Roger Cébe, nach der Intervention von Preisüberwacher Stefan Meierhans «extrem anspruchsvoll, unsere Dienstleistungen so zu erbringen, wie sie nötig sind und wie sie unsere Bewohnerinnen und Bewohner auch verdient haben.» Es gehe schliesslich nicht nur darum, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln den Betrieb der beiden Häuser zu finanzieren. «Wir müssen auch in die Zukunft schauen und das nötige Geld für teure Sanierungen auf die Seite legen können.» Der Verbandspräsident hält zudem klar fest: «Wir sind keine Abzocker. Wir haben unsere Tarife, basierend auf den gesetzlichen Grundlagen, stets so berechnet, wie das in den vergleichbaren Institutionen auch gemacht wird.»

Das Problem liege vielmehr am System, sagt Cébe und bekommt dabei Unterstützung vom Preisüberwacher. Der schreibt in einem Blog vom 13. September: «Die Pflegefinanzierung braucht dringend eine Kur» und hält zum Untertitel «Restfinanzierung» fest: «Mit den bestehenden Bestimmungen kann nicht gesichert werden, dass die Kantone/Gemeinden die effektiven Restkosten eines Heims übernehmen, so wie es das KVG eigentlich vorsieht. In der Praxis kommt es stattdessen oft vor, dass die Kantone zu tiefe Normkosten festlegen, die nicht den effektiven Kosten der einzelnen Heime entsprechen.» Es ist genau dieser Punkt, den auch Roger Cébe schon lange bemängelt.

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