Muri
Die Altersheimstiftung muss zahlen

Vor 16 Jahren brachte die Gemeinde Muri das Alterswohnheim St. Martin in eine Stiftung ein. Das hat nun ein Nachspiel: Die Stiftung muss die Restschuld gegenüber der Gemeinde von 5,2 Millionen Franken begleichen.

Jörg Baumann
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Mitten im Dorfzentrum baute die Gemeinde Muri vor 20 Jahren für 15,8 Mio. Franken das Alterswohnheim St.Martin. Das Land hatte die Gemeinde zuvor von der Erbengemeinschaft des Dorfarztes Hugo Keller erworben. Im Heim konnten 50 Altersheimzimmer und 15 Alterswohnungen eingerichtet werden.

Für die Trägerschaft des Heimes fand die Gemeinde eine eigene Lösung: Sie übertrug das Gebäude zusammen mit dem unentgeltlichen Baurecht der Stiftung St. Martin. Die Gemeinde schrieb auf dem so entstandenen Guthaben gegenüber der Stiftung mehrere Millionen ab. Derzeit steht das Heim noch mit 6,2 Mio. Franken in den Büchern der Gemeinde. Auf der anderen Seite zahlte die Stiftung der Gemeinde Zinsen.

In der Heimlandschaft hat sich viel geändert. Auch das Alterswohnheim St. Martin müsse mit einer Vollkostenrechnung geführt werden. Deshalb sei es an der Zeit, die Vermögensverhältnisse zu klären, sagte
Gemeinderat Hans-Peter Budmiger an einer Informationsveranstaltung.

Das Geschäft kommt an die Gemeindeversammlung am 25. November. Zunächst musste ausgemittelt werden, was das Heimgebäude heute noch wert ist. Der beigezogene Kreisschätzer kam auf einen Verkehrswert von 2,95 Mio. Franken, die Zürcher Immobilienberatungsfirma Wüest & Partner auf einen Marktwert von 5,7 Mio. Franken, der für den Fall gelte, wenn man das Heim verkaufen wollte, wie Budmiger sagte. Nur ist das graue Theorie. Denn wer möchte schon ein Heim kaufen?

Keine Gewinner oder Verlierer

Der Gemeinderat handelte mit der Stiftung einen Liegenschaftswert von 5,2 Mio. Franken aus. Dieser sei politisch vertretbar und schaffe «keine Gewinner oder Verlierer», sagte Budmiger. Der «Deal» sieht vor, dass die Stiftung der Gemeinde im Januar 2011 diese 5,2 Mio. Franken überweist. Die Stiftung werde eine langfristige Hypothek aufnehmen, bestätigt Stiftungsratspräsident Urs Strebel. Der Zeitpunkt sei günstig. Denn die Zinsen seien nach wie vor tief.

Die Gemeinde wird 1 Mio. Franken (die Differenz zwischen dem Buchwert und dem Liegenschaftswert) vom Finanzvermögen ins Verwaltungsvermögen verschieben und diesen Betrag dann ordnungsgemäss abschreiben. Sie erhält aber von der Stiftung in Zukunft keine Zinsen mehr. Das unentgeltliche Baurecht würde 2032 ablaufen und wird bis 2060 verlängert. Die Gemeinde zieht zwei der drei Vertreter im Stiftungsrat zurück und schliesst mit der Stiftung eine Leistungsvereinbarung über die Heimführung ab.

Kein direkter Einfluss auf Taxen

Die gewählte Lösung sei für die Zukunft die richtige, zeigte sich Budmiger überzeugt. «Das Heim funktioniert gut. Es geht hier vor allem um Menschen und nicht um Geld.» Die Transaktion zwischen Stiftung und Gemeinde hat laut Budmiger keinen direkten Einfluss auf die Heimtaxen.

Noch nicht abgeschätzt werden können hingegen die Folgen der vom Kanton aufgegleisten Regelung der Pflegefinanzierung. Offen ist für Budmiger auch, wie sich die Wohnformen für alte Menschen weiterentwickeln. Das Alterswohnheim St.Martin werde weiterhin mit der Pflegi Muri in der bewährten Art zusammenarbeiten. «Wir beschränken uns auf die Leichtpflege, die Pflegi ist für die Langzeitpflege zuständig.»