Aarau

Die Alte Kanti verliert ihren grössten Freiämter: Rektor Martin Burkard geht in Pension

Rektor Martin Burkard am Samstag bei der speziellsten aller Abschlussfeiern der Alten Kantonsschule Aarau.

Rektor Martin Burkard am Samstag bei der speziellsten aller Abschlussfeiern der Alten Kantonsschule Aarau.

Nach über 20 Jahren kam es zum Generationenwechsel in Aarau. Neben Rektor Martin Burkard traten zwei weitere langjährige Konrektoren zurück.

Er war sicher der Erste, der in seiner Zeit als Rektor der Alten Kantonsschule Aarau (1802 gegründet) einen 100-Prozent-Job hatte. Er ist auch derjenige mit der längsten Amtszeit (22 Jahre)  – und dem speziellsten Abgang: Am Samstag hatte Martin Burkard (65) seinen letzten öffentlichen Auftritt vor seiner Pensionierung als Kanti-Rektor. An der kombinierten Uselütete und Zeugnisübergabe, die coronabedingt klassenweise und im Freien vor dem Albert-Einstein-Haus stattfand.

Zeitgleich mit Martin Burkard verabschieden sich in diesen Tagen zwei weitere der fünf Schulleitungsmitglieder: Peter Hänsli tritt nach 25 Jahren als Prorektor etwas kürzer und übernimmt ein kleines Pensum Mathematik, Ulrich Salm war 20 Jahre Prorektor und wird am 1.August Rektor der Kantonsschule Sursee LU.

Statt einer grossen zwölf kleine Feiern

Normalerweise findet die Maturfeier der Alten Kanti mit über 1000 Personen im Saal der Freien Christengemeinde in der Telli statt. Dieses Jahr gab es statt einer grossen zwölf kleine Feiern – im Park unter einem Zeltdach. Wegen der 1,5 Meter standen die Schülerinnen und Schüler da wie Soldaten. Der Anteil der Frauen lag bei 60 Prozent. Martin Burkard sprach von einem «sehr guten Jahrgang».

Die Schüler haben die schwierigen Umstände hervorragend gemeistert. An den ausschliesslich schriftlichen Prüfungen war kein Einziger krank. An der Alten Kanti war keiner so stark Freiämter wie Martin Burkard, gebürtig aus Waltenschwil, wohnhaft in Wohlen. Dort ist er Präsident der Freunde des Strohmuseums. Und demnächst wird er sich bei der Alten Kirche Boswil engagieren. Er bleibt wettkampfmässiger Tennisspieler und passionierter Fussballfan (Wohlen und GC). «Ich hatte als Rektor eine ganz gute Zeit mit gefühlt hoher Akzeptanz», sagt Martin Burkard. Der promovierte Germanist und Lateiner kam 1984 von der Bezirksschule Wohlen an die Alte Kanti. Er war später neben der Lehrtätigkeit mit einem 50-Prozent-Pensum in der Projektleitung zur Umsetzung des Maturitäts-Anerkennungs-Reglementes MAR beim Kanton beschäftigt. «Da habe ich enorm viel gelernt über politische Prozesse und die Verwaltung», sagt Burkard. Das MAR war zeitweise massiver, stark ideologisch geprägter Kritik von Lehrern, vor allem der klassischen Kanti-Fächer (Latein und Griechisch), ausgesetzt.

Die Kantonsschule ist viel weiblicher geworden

1998 wurde Burkard auf Vorschlag des Kollegiums vom Gesamtregierungsrat zum Rektor gewählt. 2005 wurde das Amt zum Vollzeitjob – mit Inkrafttreten des Gesetzes über die Anstellung von Lehrpersonen (GAL). In Burkards Zeit fielen das Jubiläum 200 Jahre Alte Kantonsschule (2002) und das Albert-Einstein-Jahr (2005). Burkard sagt: «Die Tradition ist etwas wert. Aber der Aufbruch in eine neue Zeit, die Weiterentwicklung der Alten Kanti in eine moderne Schule, ist mir noch wichtiger.» Darum erzählt er, wie die Harmonisierung der Maturprüfungen (eine schriftliche Prüfung pro Schule) gelungen ist, wie der Schulverwalter zum Leiter Dienste aufgewertet werden konnte, wie das Sportgymnasium und die zweisprachige Matur eingeführt wurden. Oder wie sich der Anteil Frauen im Lehrerkollegium verändert hat. Von über zwei Drittel Männer (1998) auf heute halb-halb. Es gab Zeiten, da hatte die Alte Kanti 1400 Schülerinnen und Schüler (64 Klassen), jetzt sind es etwa 1200 (57 Klassen).

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