Boswil
Die Aargauer Veteranen musizieren seit 50 und 60 Jahren

Als Veteranen wurden auch Freiämter fürs langjährige Mitmachen in einem Musikverein geehrt. Musikalisch untermalt wurde das von der Jugendmusik Aargau – denn diese werden von den Veteranen unterstützt.

Jörg Baumann
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Von links: Die Freiämter Veteranen Guido und Paul Meier (Musikgesellschaft Waltenschwil) und Werner Rüttimann (Musikverein Jonen) wurden geehrt.

Von links: Die Freiämter Veteranen Guido und Paul Meier (Musikgesellschaft Waltenschwil) und Werner Rüttimann (Musikverein Jonen) wurden geehrt.

BA

Bodenständig und in vaterländischer Stimmung feierte die Vereinigung der Aargauischen Musikveteranen in Boswil mit der Nationalhymne und dem Veteranenlied ihre in Ehren ergrauten Mitglieder, die seit 50 und 60 Jahren in einem Musikverein mitwirken, unter ihnen auch vier Musikanten aus dem Freiamt:

Auf 60 Jahre dürfen heuer die Gebrüder Guido und Paul Meier von der Musikgesellschaft Waltenschwil zurückblicken. Auf 50 Jahre bringen es Werner Rüttimann vom Musikverein Jonen und Fridolin Zimmermann von der Musikgesellschaft Dietwil, der an der Versammlung nicht teilnehmen konnte.

Negativen Trend stoppen

An einigen Orten müsse man sich um den Weiterbestand der Musikvereine zwar Sorgen machen, stellte Benno Hüsler (Gansingen), Obmann der Veteranenvereinigung, fest. Aber die Vereine seien eben eingebettet in die heutige Gesellschaft, die mit anderen attraktiven Angeboten den Nachwuchs vom Musizieren weglocke.

«Einige Vereine mussten sich zusammenschliessen, damit sie überhaupt überleben können, andere mussten sich auflösen.» Aber der Aargauische Musikverband unternehme mit seinen Weiterbildungskursen viel, um den Trend zu stoppen, sagte Hüsler.

Die Aargauischen Musikveteranen unterstützten überdies die Jugendmusik Aargau mit einem finanziellen Beitrag. Das Korps gab an der Veteranentagung ein Galakonzert.

Hans Hildbrand, Präsident der mit vielen jungen Leuten besetzten Musikgesellschaft Boswil, die den Veteranenanlass musikalisch umrahmte, rief dazu auf, den Mut nicht sinken zu lassen.

Er forderte die Veteranen wöchentlich zu einer guten Tat auf und zu einer positiven Werbebotschaft für die Blasmusik. «Wir brauchen die Veteranen in den Vereinen», betonte Hildbrand. «Mit den jungen Vereinsmitgliedern sollten wir eigentlich einen Vertrag machen, dass sie so lange im Verein bleiben, bis sie CISM-Veteran sind, also 60 Jahre lang.»

Gemeindeammann Michael Weber brach ebenfalls eine Lanze für die Vereine: «Auch in den Vereinen wird Politik gemacht.» In ihren Reihen entstünden gute Ideen, die in die Behörden getragen werden könnten.

Keine Angst vor neuen Wegen

Als Präsident des Aargauischen Musikverbandes (AMV) gratulierte Kurt Obrist (Sulz) den Veteranen. Auch er habe kein Patentrezept, mit dem man dem Mitgliederschwund begegnen könne. Aber die Musikgesellschaft Boswil mache vor, wie man die Jungen erfolgreich in den Verein einbette.

«Wir vom Musikverband können nur immer alles wieder versuchen, was möglich ist.» Man dürfe keine Angst haben, neue Wege zu beschreiten. Für eine erfolgreiche Integration der jungen Generation in die Musikvereine brauche es aber die Unterstützung der Behörden und des Volkes.

Werner Rüttimann aus Jonen, einer der 50-Jahre-Veteranen, setzte die Messlatte hoch: «Im Musikverein Jonen konnten wir kürzlich zehn junge Musikanten aufnehmen. Das macht Freude.»

Veteranenobmann Benno Hüsler zitierte bei der Veteranenehrung Franz Schubert: «Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden.» Als Auszeichnung könne er den Veteranen keine Medaille überreichen lassen, aber immerhin eine Flasche Wein, meinte er.

Den Dank der Republik hätten die altgedienten Musikanten aber sehr wohl verdient, denn sie übten ihr anspruchsvolles Hobby mit «innerer Kraft und Ausdauer» aus. Das nächste Kantonalmusikfest 2018 findet laut dem AMV-Präsidenten Kurt Obrist in der Region Fricktal statt.

Am Eidgenössischen Musikfest 2016 in Montreux stellt der Aargau nach dem Kanton Bern die zweitgrösste Delegation beteiligter Musikanten. In der Veteranenvereinigung löste Rita Walde (Wittnau) den langjährigen Aktuar Hansueli Ernst (Oberentfelden) ab.