Jenni Alberts Primarschulzeit war nicht perfekt. Sie war sogar nicht primär prima, ihre Primarschulzeit. Doch sie hat dennoch mindestens einen prima Aspekt: Ihre Primarschulzeit hat die 16-jährige Bezirksschülerin dazu gebracht, einen Poetry-Slam über ebenjene Jahre ihres Lebens zu verfassen, der es an Sprachwitz und Wortspielen nicht fehlen lässt.

Gesprochene Poesie, das ist dabei herausgekommen. Und das sollen nicht nur ihre Primarschulgspänli von damals hören, die sie zu den Zeilen inspirierten, sondern alle, die Lust haben. Am 6. April stellt sie als eine von sieben Nachwuchs-Slam-Poeten ihre Texte vor. Dann nämlich treten die sieben Schülerinnen und Schüler, bunt gemischt aus allen vier Oberstufenjahrgängen und aus Real, Sek und Bez, erstmals live mit ihren Texten vor Publikum auf – in der Bäckerei Ruckli in Sarmenstorf. «Wir sind nervös, aber wir freuen uns auch darauf, vor so vielen Leuten einmal die Sau rauszulassen.»

«Meine nicht prima primär perfekte Primarschulzeit»

Jenni Albert (16) mit einem Teil ihres Poetry-Slams, daneben: Ramona Erismann (14).

Dem kann die Fahrwangerin Ramona Erismann nur zustimmen. Die 14-jährige Sekundarschülerin hat einen Text zu einem Thema vorbereitet, das sie schon lange nervt: «Ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute ein Problem haben, aber immer nur darum herum reden und es einfach nicht aussprechen», erklärt sie. «Ich hoffe, dass einige, die ich damit meine, meinen Text hören.»

Projektwoche mit Slamerin

Seinen wohl ersten offiziellen Poetry-Slam-Abend, an dem sogar die Schweizer Slam-Grösse Patti Basler als Moderatorin zu sehen und vor allem zu hören sein wird, verdankt Sarmenstorf der Kreissschule Oberes Seetal. Genauer deren Projektwochen. Lehrerin Esther Sorg erklärt: «Wir hatten letztes Jahr eine Weiterbildung mit Patti Basler. Das hat uns so gefallen, dass wir sie an unserem jährlichen Kulturanlass einen Poetry-Slam mit bekannten Schweizer Slamern für die Schüler organisieren liessen.»

Doch damit hatte die Freundschaft zwischen Basler und der Schule erst begonnen: «Der Anlass gefiel den Schülern so gut, dass wir Patti für einen Projektwochenkurs engagierten.» Die Schule ist sehr stolz auf ihre Projektwochen, denn neben den beliebten Skilagern konnten die Schüler dieses Jahr auch den Autosalon Genf besuchen, reiten und das Filmschneiden erlernen oder den Nothelferkurs absolvieren. Oder eben zu Slam-Poeten werden, einer Disziplin, die besonders für jüngeres Publikum derzeit weltweit die Kleinkunstbühnen füllt.

Performen ist ebenso wichtig

Von den jungen Slamern der Schule hat jeder zwei Texte vorbereitet, die sie dann im Café vortragen werden. «Das Performen ist fast ebenso wichtig wie der Text selbst», erklärt Jenni Albert, deren zweiter Slam mit Grammatik abrechnet. Das hätten sie von Patti Basler gelernt.

So sei die Projektwoche, obwohl mit zwei Texten produktiv, auch sehr locker gewesen: «Wir durften überall herumspazieren, um unsere Texte zu üben, durften im Schulzimmer essen, uns über unsere Werke austauschen oder sie uns gegenseitig vorsprechen. Es war eine sehr coole Woche», ist Ramona Erismann begeistert. Ihren zweiten Text hat sie darüber geschrieben, dass es völlig okay ist, kein Beziehungsmensch zu sein, sondern Mühe zu haben, im Kindergarten oder in der Schule andere anzusprechen. Scheu ist sie aber überhaupt nicht, sondern mutig, genauso wie ihre Slam-Kollegen.

Es braucht einiges, seine Texte vor so vielen Leuten vorzutragen. Zumindest hoffen sie, dass viele Leute kommen werden, denn es verspricht ein spannender Slam-Wettbewerb zu werden, wie sie heute in der Schweiz überall verbreitet sind. Der einzige Unterschied: Bei traditionellen Slams ist der Preis immer eine Flasche Whisky – an diesem Slam vermutlich eher nicht.