Handball
Die 15-jährige Schülerin Daphne Gautschi schnuppert NLA-Luft

Die 15-jährige Murianerin Daphne Gautschi ist auf dem Weg zur Elite. Im NLB-Team von Zug ist sie eine Stütze. Und mit den Cracks der NLA-Mannschaft trainiert sie schon einmal wöchentlich mit.

Willi Steffen
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Die 15-jährige Handballerin Daphne Gautschi trainiert bereits einmal wöchentlich mit dem Nati-A-Team.

Die 15-jährige Handballerin Daphne Gautschi trainiert bereits einmal wöchentlich mit dem Nati-A-Team.

Willi Steffen

Acht bis neun Trainingseinheiten absolviert Daphne Gautschi wöchentlich. Dazu kommen Spiele in den verschiedenen Mannschaften. Daneben muss sie für die Schule büffeln. Für etwas anderes bleibt da kaum Zeit. Eine grosse Belastung für eine 15-Jährige – sollte man meinen.

Anders sieht es die Handballerin selber: «Ich habe mich daran gewöhnt und brauche es inzwischen. Wenn ich länger keinen Sport mache, werde ich kribbelig.» Auch der Verzicht auf Freizeit ist für sie kein Problem: «Handball ist meine Leidenschaft. Wenn ich sehe, was ich bis jetzt erreicht habe und was meine Ziele sind, ist es die Mühe wert.» Der Aufwand scheint sich tatsächlich zu lohnen. Ihr bisheriger Werdegang als Handballerin bestätigt es. Gibt es für die Sportlerin überhaupt eine Leistungsgrenze?

Seit Daphne Gautschi als Neunjährige mit Handballspielen begann, waren alle Kategorien kurze Durchgangsstationen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sie bei ihrem Verein, dem LK Zug, in der höchsten Spielklasse aufläuft. Wie ist das im Alter von zarten 15 Jahren möglich? Dazu die Rückraumspielerin: «Ich habe einen grossen Willen und gehe frech an die Sache ran. Für mein handballerisches Talent kann ich nichts.» Es zahle sich aus, fuhr sie fort, dass sie seit zwei Jahren Leistungssport betreibe.

Der Traum vom Ausland

Den Fragen der az stellt sie sich etwas schüchtern, antwortet für einen Teenager jedoch erstaunlich abgeklärt. So hört sich auch ihre Selbsteinschätzung an. «Ich habe ein gutes Auge fürs Spiel und eine starke Sprungkraft.» Dagegen suche sie zu selten das «eins gegen eins» und bevorzuge ein Zuspiel an den Kreis. Auch an einer härteren Gangart in der Verteidigung müsse sie arbeiten. Ähnlich akribisch tönt es bei ihrer Zielsetzung: «Es wäre cool, im Ausland zu spielen. Ich hoffe sogar, dass ich vielleicht dort mein Studium abschliessen kann.» Denn für sie sei es wichtig, einen guten Schulabschluss zu machen. Im Sport könne es schnell gehen und man sei weg vom Fenster.

Schon im Kindesalter waren für die Absolventin der Sportkanti Aarau ihre meist männlichen Gegner ein ernst zu nehmendes Hindernis. Mit einer fast schon provokativen Leichtigkeit schoss sie Tor um Tor. Mit 11 Jahren spielte sie dank einer Spezialbewilligung mit der ersten Frauenmannschaft des TV Muri in der 3. Liga. In der nächsten Saison trug sie grossen Anteil am Aufstieg der Murianerinnen in die 2. Liga. Es folgte der Übertritt in die Sportschule Buchs, der einen Vereinswechsel zu Suhr mit sich zog. Von dort ging es vor eineinhalb Jahren weiter nach Zug.

Leistungsträgerin in der NLB

Dort ist sie im NLB-Team des LK Zug eine wichtige Stütze. In der teaminternen Skorerliste liegt sie an zweiter Stelle. In acht Spielen traf sie 37-mal ins Netz. Ihre Leistung hinterfragt sie dennoch stets kritisch: «Meine Quote ist momentan nicht so überragend, aber ich mache mir nicht zu viel Druck.» Sie probiere halt gerne einmal etwas aus und wolle mannschaftsdienlich spielen. Dass sie im vorletzten Spiel zur «Bestplayerin» gekürt wurde, erwähnt sie nur nebenbei und bereits trainiert sie einmal wöchentlich auch mit dem NLA-Team.

Im gleichen Tempo geht es bei den nationalen Auswahlen voran. Zurzeit trägt sie das Trikot der U18-Juniorinnen-Nationalmannschaft. Auch das scheint für sie nur eine Durchgangsstation zu sein. «Ich bekomme bereits Aufgebote für die U20-Nati. Auch A-Nationaltrainer Jesper Holmis ist auf mich aufmerksam geworden», weiss Gautschi zu berichten. Das sei eine echte Motivationsspritze.

Familiären Beistand bekommt sie von ihrem zwei Jahre älteren Bruder Noah, der seit dieser Saison dem Kader der ersten Mannschaft des TV Muri angehört. «Wir gehen in die gleiche Klasse und verbringen den Tag meist gemeinsam.» Sie hätten es gut zusammen, wenn es auch schwierige Momente gebe, meint Gautschi abschliessend.