Er strahlt grosse Vitalität aus und seine Schaffenskraft ist ungebrochen: «Seit meiner letzten Ausstellung im Oktober habe ich bereits wieder 15 Bilder gemalt», verriet der 85-jährige Beriker Künstler Otto Dürst im Gemeindehaus. Dort fand im Beisein der Bevölkerung eine kleine Feier statt, weil der Maler 15 seiner Bilder, die schon seit einigen Jahren als Leihgabe in der Verwaltung ausgestellt sind, der Gemeinde nun definitiv als Schenkung hinterlässt.

Werke von Dürst hat die Gemeinde jedoch auch käuflich erworben, so ein Gemälde im Büro des Gemeindeammanns sowie eine Marmorskulptur, erwähnte Vizeamtsfrau Rosmarie Groux an der Übergabefeier. Aus der Dankesrede von Gemeindeammann Stefan Bossard ging hervor, dass die der Gemeinde geschenkten Gemälde auch verkauft werden dürften. Einzige Bedingung, der Erlös muss für soziale Zwecke verwendet werden.

Keine Hintergedanken

Die Bilder schenkt der Künstler der Gemeinde ohne jegliche Hintergedanken, wie er betonte. Als Grund gab er die Verbundenheit mit Berikon an, wo er nun bereits seit 60 Jahren wohnt. In seinem Archiv befinden sich derzeit etwa 180 eigene Kunstwerke. Für seine Bilder verwendet er Acrylfarben. Er malt direkt auf Sperrholzplatten. «Leinwand verwende ich nicht, weil dort bereits Strukturen vorgegeben sind. Ich will keine Vorgaben von der Malunterlage übernehmen müssen. Wenn ich Strukturen will, mache ich diese selber mit Sand, Stoff und anderen Materialien», sagte Dürst, der täglich während etwa acht Stunden im Atelier verbringt. Der ehemalige Fachfotograf und Grafiker macht sich vor jeder Neuschöpfung Gedanken, die er in einem Entwurf festhält. Ist er zufrieden damit, beginnt er zu malen. Seinen Werken verleiht der Linkshänder übrigens nur selten Namen. «Jeder hat doch für ein Kunstwerk seine eigene Bezeichnung.»

Alle zwei bis drei Jahre stellt Otto Dürst seine Werke aus. Seine Galerie in Berikon weist als Nebengebäude eines etwa 300-jährigen Bauernhauses (erster Grundbucheintrag: 1783) eine bewegte Geschichte auf. Im 19. Jahrhundert wurde darin Likör gebraut. Nach diversen Handwechseln gehörte das Haus bis 1959 einem Kleinbauern, der Schweine züchtete. Als Dürst das Haus im selben Jahr erwarb, baute er eine Werkstatt und ein Fotolabor ein. 1992 erfolgte der Umbau in die heutige Atelier-Galerie. «Und weil sie klein, aber mein war, taufte ich sie ‹Mini Galerie›. Nach einer Erweiterung ist sie mit 140 Quadratmetern und 60 Laufmetern Ausstellwänden allerdings nicht mehr so ‹mini›. Das ganze Jahr ist die Galerie Malatelier und Kunst-Ausstellung zugleich», so Dürst, der sein Atelier 2006 noch durch eine Steinhauerwerkstatt erweiterte.