Boswil
Des Brunnenmeisters Übergwändli hängt jetzt am Nagel

Nach 37 Jahren gibt der Boswiler Brunnenmeister Leo Gomer die Betreuung der Wasserversorgung ab. «Am Anfang war es ziemlich strub», erkennt er zurückblickend.

Eddy Schambron
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Brunnenmeister Leo Gomer, Boswil, zeigt mit Freude das neue Reservoir Hansimatt. Er hört nach 37 Jahren als Brunnenmeister auf.

Brunnenmeister Leo Gomer, Boswil, zeigt mit Freude das neue Reservoir Hansimatt. Er hört nach 37 Jahren als Brunnenmeister auf.

Eddy Schambron

Keiner kennt die Boswiler Wasserversorgung so gut wie Leo Gomer, und keiner hat deren Ausbau so geprägt wie er. Er war 37 Jahre lang als Brunnenmeister für den täglichen Betrieb und den guten Zustand der Wasserleitungen sowie der technischen Anlagen wie Reservoire und Grundwasserpumpwerke verantwortlich, Tag und Nacht und bei jeder Witterung. Jetzt hört er auf. «Am Anfang war es ziemlich strub», erinnert er sich. Das Netz war in einem desolaten Zustand, es kam immer wieder zu Lecks. Wegen mangelnder Schieber mussten zum Leidwesen der Wasserbezüger manchmal ganze Dorfteile abgestellt werden. Planunterlagen fehlten, was die Suche nach Lecks zusätzlich erschwerte. Ansprechperson und Problemlöser war immer der Brunnenmeister – zu alle möglichen und unmöglichen Stunden.

Heute, wo Gomer das Amt an Erich Werder übergibt, stehen nicht nur moderne Anlagen und Hydranten, die er selber projektiert hat, sondern ebenso detaillierte Pläne über das gesamte Wasserversorgungsnetz zur Verfügung, auch diese von ihm selbst für die 1899 gegründete Wasserversorgungsgenossenschaft Boswil erfasst. Das war auch der Grund, weshalb sich später der damalige Vorsteher des kantonalen Labors bei ihm für eine frühe Aussage entschuldigte. «Angesichts des desolaten Zustandes des Wasserversorgungsnetzes sagte dieser nämlich, den Brunnenmeister müsse man einsperren», lacht er heute.

Freude an der Arbeit

Als Inhaber eines Sanitär- und Heizungsgeschäfts in Boswil, das er schon mit 22 Jahren gründete, war Gomer damit beauftragt, die Leitungen für das neue Pumpwerk Grundächer zu erstellen. Nach diesen Arbeiten fragte der damalige Präsident der Wasserversorgungsgenossenschaft und Gemeinderat Benedikt Stalder, ob er nicht die Nachfolge des erkrankten Brunnenmeisters «Beck-Hans» übernehmen könnte. Das war vor 37 Jahren. «Mir machte die Arbeit Freude, auch wenn zeitweise Tag und Nacht das Telefon wegen der vielen Lecks klingelte», blickt Gomer zurück.

Und seine Frau in den Anfängen meinte, er habe «wohl den grössten Fehler» begangen, als er der Aufgabe zusagte. Doch das war es nicht, und noch mehr Freude bereitete es ihm, die Wasserversorgung der Gemeinde Schritt für Schritt auf Vordermann zu bringen und zum heutigen, modernen Stand zu führen. Sämtliche 12 Brunnenstuben wurden ersetzt, das 2013 zusammen mit Bünzen realisierte neue Wasserreservoir Hansimatt ist ein Vorzeigeobjekt, und nach früheren, massiven Schulden hat sich die finanzielle Lage der Genossenschaft positiv entwickelt. Heute können Gomer und die Gemeinde stolz sein, eine zuverlässige, zukunftssichere und hervorragend gewartete Wasserversorgung zu haben. «Natürlich gibt es immer wieder etwas zu tun», macht Gomer klar, dass auch seinem Nachfolger die Arbeit nicht ausgehen wird.

Richtig frei

Jetzt wird Leo Gomer noch zwei, drei kleine Sachen fertig machen und selbstverständlich seinem Nachfolger Erich Werder, der auch weiterhin verschiedenste Arbeiten im Werkhof ausführen wird, bei Fragen zur Verfügung stehen. Vor allem aber wird er seine neu gewonnene Freiheit zusammen mit seiner Frau geniessen; demnächst fahren sie mit dem Camper nach Spanien. «Als Brunnenmeister war ich in den letzten 37 Jahren doch etwas angebunden», stellt er fest. Da konnte es vorkommen, dass es anstatt mit der Frau in den Ausgang überraschend an die Behebung eines Lecks auszurücken galt. «Anstatt Ausgang gab es dann halt nach getaner Arbeit ein Bier im Übergwändli.» Letzteres hängt jetzt am berühmten Nagel.

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