Nachruf

Der Wohler Willy Bächer (88) war ein Fussball-Goalie der besonderen Sorte

Die «Bächer-Brothers» am Grümpelturnier 1947. Willy Bächer ist der zweite von links.

Die «Bächer-Brothers» am Grümpelturnier 1947. Willy Bächer ist der zweite von links.

In seinem 88. Lebensjahr ist der Wohler Willy Bächer, Fussball-Legende und ehemaliger Einwohnerrat, gestorben.

Die Bächer-Brothers, eine Fussball spielende Grossfamilie aus Wohlen, waren legendär. Vor einigen Tagen ist ihr Patron im 88. Lebensjahr im Seniorenzentrum Reusspark in Niederwil gestorben: Willy Bächer, langjähriger Goalie des Fussballklubs Wohlen. Seine Mutter Margrit Bächer gehörte zu den grössten Fans der tschuttenden Söhne. Sonntag für Sonntag war sie Stammgast auf den Fussballplätzen, um die Buben und später auch die Enkel zu unterstützen. Sie setzte für alle von ihnen Torprämien aus, was ihr Haushaltsbudget manchmal ordentlich strapazierte, wie sie später erzählte.

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts stand Willy Bächer, der zuerst als Briefträger und später als Schulhausabwart arbeitete, im Tor. Er fing beim FC Wohlen als Sechzehnjähriger an und fing sich bei seinem ersten Einsatz in der ersten Mannschaft gegen Emmenbrücke gleich neun Tore ein. Trotzdem sei der Goalie noch der beste Spieler der Mannschaft gewesen, spekulierte der Berichterstatter der «Neuen Luzerner Zeitung».

Willy Bächer wurde mit der Zeit so gut, dass sich auch andere Klubs für ihn interessierten. So packte er eines Tages die Koffer und heuerte beim FC Cantonal Neuenburg an. Dort blieb er aber nur ein halbes Jahr. Vor lauter Heimweh nach Wohlen kehrte er wieder heim.

Aber er blieb nicht lange in Wohlen. Beim FC Baden schnupperte er für zwei Jahre Erstliga-Luft, dann kam er erneut zurück – und war 1961 massgeblich am erstmaligen Aufstieg des FC Wohlen in die 1. Liga beteiligt. Tausend Schlachtenbummler aus Wohlen pilgerten nach Dietikon, wo der Aufstieg gegen den FC Zug besiegelt wurde. Nach dem Match gab es in Wohlen ein wahres Volksfest, bei dem der Festwirt des FC Wohlen, Werner «Ador» Meier, auf der Bärentreppe die Wohler Fahne schwenkte und mehrere Raketen abfeuerte. Eine davon verfing sich im Fahnentuch, das Ador in der Hand hatte.

Unvergesslich bleibt auch, dass Willy Bächer am 23.Dezember 1961 beim Schweizer-Cup-Match Wohlen gegen Young Boys das Tor der Wohler hütete und das Spiel bei klirrender Kälte dank Bächer mit einer knappen Niederlage (0:1) endete. Die Young Boys waren krass überlegen. Sie kamen zu 21 Corners, die Wohler nur zu einem. Ein vermeintliches Tor vom 17-jährigen Wohler Junioren Breitschmid wurde leider wegen Offside aberkannt.

1970 war Schluss – oder doch nicht ganz

1970 war für Willy Bächer, der nunmehr 37 Jahre alt war, Schluss mit dem Aktivfussball. Er wechselte zu den Senioren des FC Wohlen – und ein Jahr später für alle überraschend zum FC Villmergen, dem ewigen Rivalen. Das nahmen ihm viele Anhänger krumm. 1966 wurde Willy Bächer, der sich vorher nie politisch betätigt hatte, glanzvoll in den Einwohnerrat gewählt. Der FC Wohlen hatte ihm die Beliebtheit eingebracht, die es für den Sprung ins Dorfparlament brauchte. Willy Bächer war ein besonnener Debattierer. Er ergriff nur das Wort, wenn er etwas zu sagen hatte. Dazu gab es aber mehr als eine Gelegenheit.

Willy Bächer blieb ein bescheidener Mensch. Er war beliebt bei allen. Sein Name wird immer mit dem FC Wohlen verbunden bleiben.

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