Sins
Der Wirt der «alten Trotte» geht in Pension: Cordons bleus aber macht er auch im Ruhestand

Neun Jahre lang war Ernst Schenker Wirt in der «alten Trotte» in Sins. Weil der Pachtzins wieder anstieg, geht er nun in Pension.

Melanie Burgener
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AZ

Eigentlich ist Ernst Schenker gelernter Chemielaborant. Wenn der gebürtige Freiämter heute in der Küche seines Restaurants steht, scheint davon aber nicht mehr viel übrig zu sein. Denn Schenkers Cordons bleus sind weit über die Region hinaus bekannt – und das schon seit vielen Jahren.

Doch ab dem kommenden März müssen seine Stammgäste auf Schenkers Kochkunst verzichten. Denn der 65-Jährige geht in den Ruhestand. Und das, obwohl er eigentlich noch gerne ein paar Jahre weiter gewirtet hätte.

«Ich wollte schon immer einen ländlichen Betrieb»

Seit dem 1. Januar 2012 führt Ernst Schenker das Restaurant zur alten Trotte in Sins. «Davor habe ich im ehemaligen Restaurant Bahnhof West in Bremgarten gewirtet», erzählt er. Doch dann wurde dieses verkauft und musste schlussendlich einem Wohnblock weichen. «Ich hatte damals zwar das Vorkaufsrecht», erzählt Schenker. «Doch zehn Jahre vor der Pension wollte ich nichts Eigenes mehr kaufen.»

Bereits drei Tage später habe er sich «d’ Trotte» in Sins angesehen und beschlossen, dass er seine Spezialität, die Cordons bleus, auch dort anbieten könne. «Ich wollte schon immer einen ländlichen Betrieb. Ich mag traditionelle Gerichte, und die kommen in der Stadt wahrscheinlich nicht so gut an wie hier», erklärt er.

Dass seine Kochkünste ankamen, bestätigten seine rege Stammkundschaft und die vielen guten Bewertungen im Internet. Und, was ihn besonders stolz mache, auch, dass er regelmässig Politiker und andere wichtigen Leute zu seinen Gästen zählen durfte. «Für mich sind es immer sehr schöne Momente, wenn mir jemand schreibt, dass sie bei mir gegessen haben und es ihnen schmeckte.»

Chemielaborant, Seemann, Bauarbeiter, Logistiker und Wirt

Ernst Schenker erzählt mit viel Leidenschaft von seinem Beruf. Kaum zu glauben, dass Kochen für ihn bis zu seinem 45. Lebensjahr nur ein Hobby war. «Ja, ich bin ein Quereinsteiger», sagt er und lacht. «Nach der Lehre bin ich für zwei Jahre in der ganzen Welt zur See gefahren. Danach war ich auf dem Bau tätig, und zum Schluss habe ich 20 Jahre lang die Logistik und Spedition einer Firma geleitet. Ich bin eben vielseitig.» Dem Kochen sei er aber in all den Jahren treu geblieben. «Das hat mir immer Spass gemacht. Ich habe sehr viel übers Kochen gelesen, Kurse besucht, selbst ausprobiert und war in Kochvereinen.»

Ein eigenes Restaurant, das sei immer sein Traum gewesen. «Aber meine Ex-Frau hatte immer Existenzängste. Nach der Scheidung habe ich mich dann selbstständig gemacht», erzählt er und fügt lachend an: «Aber die Trennung kam nicht deswegen.»

Er muss in den Ruhestand, weil der Pachtzins zu hoch ist

Den Schritt in die Selbstständigkeit habe er nie bereut, und das Wirten habe ihm immer Spass bereitet. «Bis heute mache ich noch jedes einzelne Cordon bleu mit Freude», bestätigt er. Doch damit wird ab März Schluss sein. Ernst Schenker wird pensioniert. «Am 6. Dezember bin ich 65 geworden», sagt er.

Eigentlich hätte er immer geplant, nach seinem 65. Geburtstag noch zwei, drei Jahre weiter zu machen. «Doch im vergangenen September wollte meine Vermieterin wieder den vollen Pachtzins. Und den kann ich in der jetzigen Situation einfach nicht bezahlen», erzählt er bedrückt. Und weil sie sich nicht einigen konnten, hätte er per März 2021 gekündigt. «Das finde ich zwar sehr schade, aber ich habe jetzt 44 Jahre lang gearbeitet. Jetzt kann ich etwas zur Ruhe kommen.» Sein Inventar würde er gerne dem neuen Pächter verkaufen. «Aber es wird nicht einfach sein, in dieser Zeit jemanden zu finden, der ein Restaurant übernehmen will», schätzt er die Situation ein.

Er selbst freue sich jetzt auf seine Freizeit, die er mit seinen beiden Enkelkindern wieder häufiger mit Bocciaspielen verbringen will. Natürlich werde er auch weiterhin Cordons bleus zubereiten: «Ich bin nicht weg vom Fenster. Für meine Stammgäste werde ich auf Wunsch auch privat oder an Events kochen.» Er wäre sogar dazu bereit, anderen Köchen ein paar Tipps für das perfekte Cordon bleu zu geben. Seine Geheimzutat bleibe aber, wie es der Name schon sagt, geheim.