Bezirksgericht Bremgarten

«Der Volg-Räuber hat die ganze Region in Angst und Schrecken versetzt»

Volg-Laden in Zufikon überfallen

Volg-Laden in Zufikon überfallen

Ein junger Mann stand wegen drei Raubüberfällen vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Er wurde so bestraft, dass er die Lehrstelle behalten konnte.

Am 16. Juli, am 20. August und am 15. Oktober letzten Jahres wurden im Freiamt Volg-Läden überfallen. Die ersten beiden Male traf es die Filiale in Zufikon, im Oktober Fischbach-Göslikon. Der Täter war derselbe, ein heute 25-jähriger Mann, der heute vor dem Bezirksgericht Bremgarten stand. Sein Vorgehen war immer ähnlich: Er betrat maskiert und mit einem grossen Messer bewaffnet den Volg, bedrohte Angestellte und forderte sie auf, die Kasse zu öffnen. Nebst dem Bargeld packte er Zigaretten in den mitgebrachten Plastiksack und floh schliesslich mit einem Fahrrad. Erbeutet hat er insgesamt gut 7000 Franken.

Die Taten hatte der junge Mann gestanden, im abgekürzten Verfahren musste das Gericht lediglich prüfen, ob das Verfahren rechtmässig und angebracht ist. In einem solchen Fall wird das Geständnis zu einem Anklageentwurf verarbeitet, die Anklageschrift wird dem Gericht als Urteilsvorschlag unterbreitet.

Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf, was denn sein Motiv gewesen sei, antwortete der Angeklagte: «Meine finanzielle Lage, der Drogenkonsum, und ich hatte auch psychische Probleme. Ich hatte Selbstzweifel.» Der Angeklagte gab zu, in jener Zeit pro Monat drei Gramm Kokain und 15 Gramm Marihuana konsumiert zu haben. Jetzt sei er aber auf dem Weg der Besserung, sei clean und habe eine Lehrstelle. Er bereue, was er getan habe. «Es war dumm.» Damals habe er die Auswirkung seiner Taten nicht abschätzen können. Ein Angestellter leidet heute noch unter den Erlebnissen.

«Das Messer hätte ich aber niemals eingesetzt», beteuerte der Angeklagte. Das glaubte ihm die Staatsanwaltschaft: Eine Volg-Mitarbeiterin hatte sich zur Wehr gesetzt, worauf der Mann floh. «Trotzdem weiss man nie, was in solch einer Situation passieren kann», gab Staatsanwalt Markus Moser zu bedenken. Zudem war ein grosser Aufwand nötig, um den Täter zu fassen. «Da die Überfälle immer an einem Donnerstag stattfanden, wurde an diesem Tag jeder Volg im Freiamt von fünf Polizisten überwacht. Er hat die ganze Region über Monate in Angst und Schrecken versetzt.»

Volg-Raubüberfall Fischbach-Göslikon: Hat der Täter nicht zum ersten Mal zugeschlagen?

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16. Oktober 2015

Mit der Tat angegeben

Dass der Räuber gefasst wurde, ist aber seiner Dummheit zu verdanken, wie er selbst eingestand. Er hatte nämlich vor Freunden damit geprahlt, dass er die Volg-Läden überfallen hatte. Zwei davon meldeten sich bei der Polizei und gaben so den entscheidenden Hinweis. «Die Beweislast war erdrückend, trotzdem hat es sehr lange gedauert, bis er gestanden hat. Das hat uns schon sehr geärgert», gab Staatsanwalt Moser zu verstehen.

Das Gericht befürwortete den Urteilsvorschlag und verurteilte den 25-Jährigen zu 30 Monaten Gefängnis, davon 12 Monate unbedingt bei einer Probezeit von drei Jahren. Solange er seine Lehrstelle behält, darf er die Strafe in Halbgefangenschaft verbüssen, muss also jeweils die Nacht und die Wochenenden im Gefängnis verbringen und darf tagsüber seiner Arbeit nachgehen. Zudem muss er Schadensersatzforderungen über 6800 Franken begleichen, eine Genugtuung über 500 Franken und die Verfahrenskosten über 2200 Franken.

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