Wohlen
Der Umbau war am Ende doch die richtige Lösung

Die stilvoll renovierte Abdankungshalle in Wohlen wurde am Samstag feierlich eingeweiht. Der Sanierung vorausgegangen waren lange politische Diskussionen. Unter anderem sollte das Gebäude abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Jörg Baumann
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Architekt Kurt Kolb (links) und Baukommissionspräsident Urs Kuhn vor der Abdankungshalle. Jörg Baumann

Architekt Kurt Kolb (links) und Baukommissionspräsident Urs Kuhn vor der Abdankungshalle. Jörg Baumann

Für den Umbau der Abdankungshalle in Wohlen fanden sich Sponsoren: Die lokale Stiftung Adolf und Frieda Bacher-Meyer-Fonds übernahm die Mehrkosten von 81 000 Franken für die farbige Fensterverglasung, das Farbkonzept, die Kerzenständer und die neuen Stühle. Das teilte Gemeindeammann Walter Dubler an der Einweihungsfeier der stilvoll umgebauten Halle mit. Dubler gehört, zusammen mit Kurt Notter, Präsident der katholischen Kirchenpflege Wohlen und dem reformierten Pfarrer Martin Schaufelberger, dem Stiftungsrat an.

Im ersten Anlauf entschieden sich die Stimmbürger knapp mit einem Zufallsmehr von 64 Stimmen dagegen, die alte Abdankungshalle abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen. Damit war der Weg frei für das vom Wohler Architekturbüro Hegi Koch Kolb + Partner Architekten ausgearbeitete Umbauprojekt. Der Einwohnerrat stimmte dem Baukredit von 1,254 Millionen Franken klar zu.

Mit dem Umbau habe der Gemeinderat die unwürdige Situation in den Aufbahrungsräumen beseitigen und die ungenügenden Betriebsabläufe verbessern wollen, erklärte Dubler. Den Architekten stellte sich die Aufgabe, dass die Abdankungshalle ihren Zweck mindestens 15 Jahre erfüllen kann. Das sei mehr als gelungen, erklärte Dubler: «Wer diesen Bau sieht, muss kein Hellseher sein, um zum Schluss zu kommen, dass dieses Gebäude länger als 15 Jahre seinen Dienst leisten wird.»

Für Dubler war indessen klar, dass das Angebot mit nur zwei Aufbahrungsräumen knapp bemessen ist. Im Neubau waren noch vier solcher Räume vorgesehen. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit mit dem Wohler Bestattungsinstitut Koch AG, erklärte der Gemeindeammann. An einem von Dubler gewählten Stichtag, am 15. Mai, wurden gleich 13 Todesanzeigen publiziert. Deshalb musste die Gemeinde Wohlen bei den Aufbahrungen in diesen Tagen auf die Unterstützung der Nachbargemeinden Waltenschwil und Hägglingen zurückgreifen. In der umgebauten Abdankungshalle sei es den Trauernden möglich, in einem würdigen Rahmen von ihren Verstorbenen Abschied zu nehmen, sagte Dubler. «Mit dieser Renovation hat der Gemeinderat seine Mission erfüllt.»

Gleich zu dritt segneten der reformierte Pfarrer Johannes Siebenmann, der katholische Pfarrhelfer Georg Töppel und der Italiener-Seelsorger Don Silvano Francola die Halle ein. Für Siebenmann ist sie «ein Wurf». Töppel betonte, dass jedermann in seinem Leben, so auch an der Schwelle von Zeit und Ewigkeit, den Segen Gottes brauche. Und Francola bezeichnete die Halle als «unsere italienische Kirche». Der Organist Karl Kümin und seine Frau Theres mit der Panflöte umrahmten die Einweihungsfeier.

Baukommissionspräsident und Gemeinderat Urs Kuhn wies darauf hin, dass es gelungen sei, für die Trauernden einen Ort für den würdevollen Abschied von den Toten zu schaffen. «Die Aufgabe war nicht leicht.» Architekt Kurt Kolb, der den Umbau zusammen mit dem Bauleiter Bernhard Camenzind durchzog, meinte, dass er es sich nicht vorstellen könne, dass die alte Friedhofhalle abgebrochen worden wäre.

Das alte Gebäude habe es verdient, mit Respekt behandelt zu werden. Die Anhänger eines Neubaus hätten zuerst vom Sinn eines Umbaus überzeugt werden müssen. Aber letztlich habe sich der Einsatz gelohnt. Mit dem Umbau seien wesentliche Verbesserungen erzielt worden. So konnte auch ein einziger zentraler Eingang erstellt werden, der behindertengerecht gestaltet ist. Er hoffe, meinte Kolb, dass heute nur noch wenige Leute auf die Idee kämen, dass man die Halle hätte abreissen müssen.

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