Am 1. Juli spielt der Wohler Trompeter Stefan Grüninger in der reformierten Kirche Wohlen. Es ist kein gewöhnliches Konzert, sondern sein Masterabschluss an der Musikhochschule Luzern (Hochschule Luzern Musik, HSLU). Die schriftlichen Prüfungen hat der 28-Jährige bereits abgeschlossen, jetzt folgt die Krönung: «Es geht darum, ein Konzert von A bis Z zu planen und durchzuführen.»

Das Konzert wird von einer Jury bewertet und zählt für die Abschlussprüfung. Stefan Grüninger ist zuversichtlich: «Die Vorbereitungen sind gut gelaufen, das wird schon klappen.» Am Konzert wirken die Organistin und Pianistin Patricia Ulrich sowie die Sängerin Olivia Allemann mit. Angesagt ist Musik aus dem Barock und der Romantik, vertreten sind die Komponisten Händel, Telemann, Purcell, Scarlatti, Enescu, Ravel, Thomé, Debussy und Savard.

Einst ein Fan von Walter Scholz

Mit diesen hat Grüninger in jungen Jahren noch nichts anfangen können. «Ich war ein grosser Fan von Walter Scholz und Stefan Mross. Deren Musik habe ich gehört und nachgespielt.» Seine ersten musikalischen Versuche unternahm er schon im Alter von drei Jahren auf einem alten Flügelhorn. «Darauf durfte ich mich austoben und Vater brachte mir die ersten Griffe bei.» Bald bekam der kleine Stefan eine richtige Trompete und nahm ab der 1. Klasse auch Musikunterricht.

Die ersten Erfolge als Solist hatte er schon vorher eingeheimst: «Mit meinem Vater, der Klarinette blies, spielte ich zu Hause Weihnachtslieder und an Geburtstagen in der Verwandtschaft gab ich die ersten Ständchen.» Die Leute waren vom jungen Talent begeistert, was Stefan Grüninger heute mit trockenem Humor kommentiert: «Damals profitierte ich vom Jö-Effekt, heute muss ich gut spielen, wenn ich Applaus einheimsen will.»

Vom Musiklehrer gefördert

Neben seinem Vater, dem früheren Wohler Polizeichef René Grüninger, hat das Jungtalent von einem zweiten Förderer profitieren können. Musiklehrer Hansruedi Probst, in dessen Jugend-Bands er mitspielte, erkannte sein Potenzial und unterstützte ihn nach Kräften. Stefan Grüninger fiel als Jugendlicher mit seiner Virtuosität und erstaunlichen Musikalität nicht nur als Solist bei Brass-Hoppers-Konzerten positiv auf. Er belegte auch an regionalen und nationalen Musikwettbewerben vordere Plätze. «Hansruedi Probst verdanke ich sehr viel. Er hat mich bis zu meiner Aufnahme ins Militärspiel begleitet», blickt Grüninger zurück.

Trotzdem wurde vorerst nichts aus einer Musikerlaufbahn. Grüninger lernte Schreiner in der Firma Ruepp in Sarmenstorf. «Ein Musikstudium war durchaus Thema. Aber mein schulisches Selbstbewusstsein war nicht so stark ausgeprägt, dass ich mich daran gewagt hätte», beschreibt er seine damalige Situation. Die Lehre hat ihm Spass gemacht und die Begeisterung für das Arbeiten mit Holz lebte er auch neben seinem Studium ab und zu aus.

Es kamen die Rekrutenschule als Trompeter, die Weiterbildung bis zum Wachtmeister und der Militärmusiklehrer, der sagte: «Willst du es nicht doch probieren?» Und Stefan Grüninger, der mittlerweile auch die Ausbildung zum Blasmusikdirigenten absolviert und mit der Musikgesellschaft Bettwil seinen ersten Verein übernommen hatte, probierte. Er bestand die Aufnahmeprüfung für das Vorstudium, lernte Klavier spielen und schaffte 2010 die Aufnahme zum Hauptstudium an der HSLU.

Für den Bachelor liess er sich etwas mehr Zeit: «Als mein Vater krank geworden und schliesslich gestorben ist, war ich für das Studium nicht mehr besonders motiviert und habe ein Jahr Pause gemacht.» Mittlerweile hat er den Bachelor in der Tasche und wird, nach dem hoffentlich erfolgreichen Abschlusskonzert bald auch den Master mit Fachrichtung Musikpädagogik und den Minor in Kammermusik erhalten. Sein Studium hat sich der Wohler mit Musikunterricht, Dirigententätigkeit und Schreinerarbeiten selber finanziert: «Ich habe das so gewollt und mit meinem dicken Kopf auch durchgezogen. Gelegentlich kam ich an Grenzen, wenn ich neben meinem 100-Prozent-Studium noch 100 Prozent gearbeitet habe.» Zum Glück, sagt Stefan Grüninger, der nach wie vor in seinem Elternhaus am Rummelring wohnt, habe er eine geduldige und verständnisvolle Freundin.

Viel ruhiger wird es um den 28-Jährigen wohl auch in Zukunft nicht. Stefan Grüninger ist Dirigent der Feldmusik Luzern, leitet den Musikverein Concordia Hägglingen, gibt Unterricht in Hergiswil und an der Musikschule Oberes Seetal, spielt nach wie vor beim Musikverein Wohlen mit und neu auch bei den Dorfspatzen Oberägeri. «Ich möchte mir als Musiklehrer etwas aufbauen und nebenbei auch musizieren. In klassischen Orchestern, aber auch bei Projekten mit anderen Musikstilen.» Er möge alle Arten von Musik, sagt er. Ausser jene, bei der mit Songtexten politisiert und Hass verbreitet werde.

Musik ist Lebensinhalt

Musik ist sein Lebensinhalt: «Mir gefällt das Gefühl, das einen befällt, wenn man nach einem Konzert auf der Bühne steht und vom Publikum mit Applaus für eine Leistung belohnt wird, für die man lange gearbeitet hat. Mir macht es aber auch ebenso viel Spass, mit ein paar Kollegen zusammen in einem Raum zu sitzen und zu musizieren. Musik ist für mich Gefühl, Erlebnis und Erfüllung zugleich. Mit der Trompete kann ich Dinge sagen, die ich mit Worten kaum ausdrücken könnte.»

Stefan Grüninger hat auch noch andere Hobbys als Musik. Er ist begeisterter Bergwanderer und Bergsteiger und geht im Winter gerne auch auf Skitouren. Vielleicht hören Sie diesem Sommer auf einem Berg oder einem Hügel in der Region versierte Alphornspieler. Da könnte Stefan Grüninger dabei sein. Er hat er in Wohlen eine Alphorngruppe gegründet. Sie hat neun Mitglieder und heisst «Ländlerfrönde Freiamt».

Master-Abschlusskonzert: Freitag, 1. Juli, 19 Uhr, reformierte Kirche Wohlen, Eintritt frei, Kollekte.