Der Wohler Strohindustrielle Jean Isler-Cabezas (1827–1897) brachte es zu Wohlstand und Ansehen, blieb aber freigebig und den schönen Künsten zugeneigt. So stellte Isler dem Badener Maler Carl Diethelm Meyer (1840–1884) 1867/68 im Dachgeschoss seiner Villa an der Ecke Zentralstrasse/Bünzstrasse ein Atelier mit Schlafzimmer zur Verfügung.

Diese Geschichte machte die heute im Nationalmuseum Zürich beschäftigte Kunsthistorikerin Mylène Koller in der Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte publik.

Ein Brand in New York half Wohler Strohfabrikanten

Jean Isler-Cabezas gehörte zur bekannten Isler-Grossfamilie, die ihr Geld mit den damals weltweit verkauften Stroh- und Hutgeflechten verdiente. Als Sohn von Jacob Isler II. (1809–
1862) war er in der dritten Isler-Generation im aufstrebenden Familienunternehmen tätig. Ab 1852 weilte Isler in Amerika, berichtet Adrian Hänggli aus Beinwil in seiner Diplomarbeit über das Thema «Die 2. Generation der Firma Jacob Isler & Co. und ihre Kombinationsfähigkeit».

Jean Isler-Cabezas baute, erst 25 Jahre alt, die neu gegründete Isler-Filiale in New York auf und brachte diese zur Blüte. Geholfen hatte der Firma, dass in New York die Lagerhäuser mit Strohwaren abgebrannt waren. So nahmen mehrere amerikanische Häuer sofort mit Isler Kontakt auf, damit sie ihre Lager wieder auffüllen konnten. 1872 wurde die Filiale wieder geschlossen.

Jean Isler schenkte dem Landesmuseum und der Aargauischen Historischen Gesellschaft zahlreiche Gegenstände und Kunstwerke. Darunter ein Kreuzigungsbild hinter Glas, drei Miederketten zu einer Freiämter Tracht und ein Schweisstuch der heiligen Veronica.

1878 nahm auch die Firma Jacob Isler & Co. an der Weltausstellung in Paris teil, aber ausser Konkurrenz. Jean Isler-Cabezas war Mitglied der internationalen Jury und verfasste den Jurybericht über die Gruppe IV, Klasse 38, fertige Kleider für Frauen, Männer und Kinder, künstliche Blumen und Putzfedern, Filz-, Stroh- und Seidenhüte, fertige, aufgeputzte Frauen- und Kinderhüte, künstliche Haararbeiten, Schuhwerk und Nationaltrachten

Es sei bemühend, konstatieren zu müssen, wie viele Häuser sich vom Wettkampf bei den Ausstellungen fernhielten, kritisierte Isler. Bei den Strohwarenfabrikanten gewannen Alois Isler & Cie. in Wildegg die goldene Medaille, eine Silbermedaille Konrad Walser in Wohlen und eine Bronzemedaille J. Meyer-Weidenmann in Bremgarten.

Briefwechsel mit einem Künstler

Wie und wann genau sich Isler und der Maler Carl Diethelm Meyer begegneten, ist nicht bekannt. Der Funke scheint sogleich übergesprungen zu sein. In Isler hatte der junge Maler einen wohlwollenden Mäzen gefunden. Der 13 Jahre ältere Isler war bereits welterfahren. Er war nicht nur in Amerika gewesen, sondern gehörte auch zum erlesenen Kreis, der den Bau der Südbahnlinie energisch vorantrieb. Wohlen bekam seinen Bahnhof 1874.

Dem Maler scheint es im von Isler gestellten Atelier in Wohler wohl gewesen zu sein. Die Sympathie war offenbar gegenseitig. Denn Isler gab beim Maler Bilder von seiner Familie in Auftrag: von seiner Ehefrau Isabella Isler-Cabezas (1838–1894, Bild im Privatbesitz), und von seinen Töchtern Josie Werder-Isler (1856-1935, im historischen Museum Baden) und Bella Bruggisser-Isler (1858–1913, im Kunstmuseum Aarau), Dazu porträtierte Carl Diethelm Meyer Islers Sohn Leo Isler (1863-1906) und seinen Bruder Friedrich August Isler (1823-1877, Bild im Privatbesitz in Wohlen).

Zwischen Isler und Meyer entwickelte sich ein intensiver Briefwechsel. Sieben der Briefe an Isler, die nie zur Veröffentlichung gedacht waren, blieben erhalten. Meyer gab sie hauptsächlich in München, seiner zeitweiligen Wahlheimat, zwischen 1874 und 1880 auf. 1879 und 1880 berichtete Meyer beinahe in monatlichen Abständen von sich und seiner Arbeit, sodass ein reger Gedankenaustausch zwischen beiden vermutet werden darf.

Der früheste Brief Meyers ging 1874 an Josie Werder-Isler, an die ältere Tochter Islers. Sie war einst Schülerin von Meyer gewesen. Darin richtete Meyer seine Zeilen an das «gute Täubchen», die «Geehrteste». Meyer schickte ihr Musiknoten von Kärtner Liedern, die sie auf ihrer Zither einstudieren solle. «Denn zwei Zithern, das klingt ja herzig nett; ich erinnere mich recht gern an die vergangenen Abende.»

Im zweiten Brief, nun an Jean Isler-Cabezas, berichtete Meyer am 8. März 1879 aus München, dass es «nichts Neues oder Interessantes» zu melden gebe. Dennoch erzählt Meyer, dass er mit zwei Damen aus Irland, seinen Nachbarinnen, an zwei Künstlerbällen teilgenommen habe. Sein Bild, «Die Simmenthalerin», habe er mit Gewinn an eine Berner Galerie verkauft.

«Das Arbeiten geht ganz gut»

Die weiteren Briefe Meyers aus München an Isler sind mit Nachrichten über seine intensive Arbeit an seinen Bildern gespickt. «Seit dem Eintreten der kühleren Witterung geht das Arbeiten ganz gut und bis jetzt habe ich noch keine Reisepläne gemacht», schrieb er am 6. August 1880. Und am Schluss: «Nun wäre es mir lieb, auch zu hören, wie es bei Ihnen in Wohlen geht. Sie werden jetzt wieder mehr Visiten haben & machen als früher.» Im letzten der erhaltenen Briefe kommt Meyer darauf zu sprechen, dass «letzte Woche» von verschiedenen Personen Bankette gefeiert worden seien.

Jean Isler-Cabezas starb am 18. Februar 1897 unerwartet an einem Herzschlag. Die Beerdigung fand am Samstag, 20. Februar 1897, nachmittags um halb drei Uhr in Wohlen statt.