Muri

Der Stiefeliryter soll in Zukunft allen Autos standhalten

© Urs und Lisbeth Hänggli (links) freuen sich, dass Rafael Häfli

Seit Dienstag steht an der Marktstrasse 17 in Muri der steinerne Reiter von Bildhauer Romano Galizia wieder auf seinem Sockel.

In dunklen Nächten, heisst es in der Sage, reitet er noch heute mit verdrehtem Kopf auf seinem kräftigen Schimmel über die Grundstücke, die er in Muri und Umgebung einst geraubt hatte. Um ihn zu sehen, muss man jedoch nicht auf Nacht und Nebel warten. Denn der berühmte Stiefeliryter kann jetzt wieder an der Marktstrasse 17 in Muri betrachtet werden.

Seit 30 Jahren steht er dort als Steinfigur, vis-à-vis dem Kloster, und erinnert nicht nur an die berühmte Freiämter Sage, sondern auch an seinen Schaffer, den verstorbenen Murianer Bildhauer Romano Galizia. Und nachdem der Reiter im vergangenen Jahr von einem Autofahrer übersehen und umgefahren worden ist, steht er seit gestern endlich wieder vollständig auf seinem Sockel. Vom kleinen Unfall ist fast nichts mehr zu sehen.

Heute gibt es in Muri nur vereinzelte Werke Galizias

Es war im Jahr 1990, als der Notar Urs Hänggli aus Brugg Romano Galizia beauftragte, die Skulptur auf dem Grundstück vor seinem Zweitbüro in Muri zu schaffen. «Ich habe Galizia gekannt, uns verband eine Freundschaft», erzählt Hänggli. Er habe auch zur selben Zeit beruflich für die Klosterkirche Königsfelden gearbeitet, als Romano Galizia diese restauriert habe. «In Muri hatte er nicht viele grosse Aufträge in der Öffentlichkeit», bedauert Hänggli.

So seien heute nur vereinzelte Statuen, wie beispielsweise die «Mutter und Kind» beim Spital Muri, von ihm zu betrachten. Und von 1953 bis 1957 hat er gemeinsam mit seinem Vater das Masswerk im Kreuzgang des Klosters Muri restauriert.

Wenn Urs Hänggli von Galizia spricht, ist ihm anzumerken, wie begeistert er von seinem Freund und dessen Kunst ist. Stolz zeigte er gestern Nachmittag bei der Wiedereinweihung des reparierten Stiefeliryters den Bildband, den er 1992 zusammen mit der Stiftung Muri Kultur zum 70. Geburtstag des Bildhauers gemacht hat.

Nun soll künftig auch eine Tafel bei der Steinfigur des Stiefeliryters hängen und an den Murianer Künstler, aber auch an die berühmte Sage des hinterlistigen Klostervogts erinnern. Von dieser weicht die Statue jedoch etwas ab, wie Heidi Holdener, Geschäftsleiterin von Murikultur feststellte. «In der Sage sitzt er richtig auf dem Pferd und hat nur den Kopf verdreht. Hier sitzt er rückwärts. Aber das ist wohl die Interpretation des Künstlers», sagt sie und lacht.

Gewindestange soll künftig vor Unfällen schützen

Den ersten Autounfall, den der steinerne Stiefeliryter vor einigen Jahren erlitt, hat Galizia selbst repariert. «Da er unterdessen verstorben ist, habe ich mich an die Denkmalpflege gewandt», erzählt Urs Hänggli. Diese habe ihm den Bildhauer Rafael Häfliger aus Wohlen empfohlen.

Häfliger und sein Team haben die Figur wieder zusammengesetzt und dabei gleich widerstandskräftiger gemacht. «Zuvor hat die Statue nur auf der Pflästerung gestanden und war nur mit etwas Leim auf dem Sockel befestigt», erklärt Häfliger. Nun habe man ein Loch gegraben und die Statue etwas unter dem Boden befestigt. Und der Reiter sei mit einer rostfreien Gewindestange auf seinem Sockel festgemacht worden. «Wenn das nächste Mal jemand reinfährt, geht das Auto kaputt, nicht die Figur», sagt Bildhauer Häfliger lachend.

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