«Wir wurden nicht zum Mitmachen gezwungen», hält Melanie Melliger lachend fest. Sophie Preisig und Maurus Keusch pflichten ihr bei. Das würde man den jungen Schauspielern auch nicht abkaufen. Zu viel Vorfreude und Enthusiasmus liegt in ihren Stimmen, wenn sie erzählen, wie sie mit dem Sternensaal-Team proben, ihre Rollen erarbeiten, sich in sie hineinleben.

Das Fassadentheater «Morsch», das sich der Verein «Kultur im Sternensaal» zum 30. Geburtstag selbst zum Geschenk macht, ist ein spannendes Projekt. «Morsch» wird detailreich und fantasievoll auf einem Baugerüst inszeniert.

Die eingangs gestellte Frage nach der Freiwilligkeit hat ihren Grund: Viele der «jungen Sterne», zu denen auch Anna Galizia (Werbung und Produktionsteam), Lorenz Hegi (Grafik/Website und Technik) und Jonas Bürgi (Grafik/Website) gehören, haben Eltern, die seit Jahrzehnten aktiv mit dem Sternensaal verbunden sind.

Regisseur mit Geduld

«Es reizte mich, Adrian Meyer als Regisseur zu erleben», erklärt Preisig ihre Motivation. Und prompt kommen die drei Schauspieler allesamt ins Schwärmen: Strukturiert und motivierend sei seine Arbeit, er habe eine Engelsgeduld, nehme jedes Detail wahr und vergesse niemanden. «Man fühlt sich wohl. Er führt, lässt einen aber auch selber Sachen entdecken», fasst Melliger zusammen. Für sie war vom ersten Moment an klar, dass sie bei «Morsch» mitspielen will. «Ich war schon einmal bei einer Eigenproduktion von Adi dabei», erzählt sie. «Klar haben wir zu Hause darüber diskutiert, aber Überzeugungsarbeit brauchte es nicht.»

Arbeiten die Jungen anders als die Älteren? «Ja», sind sich die drei einig, zögern aber, ihre Antwort weiter auszuführen, und blicken sich vielsagend an. «Wir haben eine andere Herangehensweise», startet Melliger einen Erklärungsversuch. Preisig pflichtet ihr bei: «Vielleicht sind wir etwas unverfrorener, wir machen einfach mal, probieren aus.» Keusch ergänzt: «Die Älteren gehen strukturierter vor und sind erfahrener. Man spürt, dass sie mit Leib und Seele dabei sind.» Also viel Erfahrung, von der man profitieren kann? «Ja bestimmt», sagt Melliger. «Umgekehrt ist es aber sicher auch von Vorteil, dass wir uns einbringen können, wir ergänzen uns gut.»

Unterschiedliches Vorgehen

Das gilt nicht nur für die Bühne. Auch in Werbung und Technik sind «junge Ideen» eingeflossen und hat der Nachwuchs viel Arbeit übernommen. «Wir wären die Sache wohl etwas später angegangen, als es von den Älteren geplant wurde», nennt Anna Galizia einen Unterschied im Vorgehen.

Für die Schauspieler ist es ein Vorteil, dass sich alle so gut kennen. Meyer habe ihnen auch Rollen zugeteilt, die jeder gut ausfüllen könne, ohne ein Profischauspieler zu sein. «Es ist ein klassisches Stück. Wir müssen jetzt nicht einen Stein spielen oder so», erklärt Maurus Keusch und lächelt verschmitzt. «Es war klar, dass ich den Polizisten spiele», sagt er und streicht sich über den Schnauz, den er sich für die Rolle hat wachsen lassen. «Nicht, weil ich privat der Polizisten-Typ bin, sondern weil es eine der jüngeren Rollen ist. Ein Besetzer oder ein Gemeindeammann würde nicht zu mir passen.»

Das Stück sei klassisch, aber die Technik experimentell, verraten die Schauspieler. Das gefällt ihnen. «Und, dass es um den Sternensaal geht und man auch dort spielt, dass man sitzen und geniessen kann, das Stück aber auch zum Nachdenken anregt», ergänzt Melliger. «Es entstehen sehr schöne Bilder – wie man diese erzeugt, darin ist das Team erfahren», sagt Preisig.

Das weiss auch das potenzielle Publikum und freut sich auf «Morsch». Rund die Hälfte der Billetts für die 15 Vorstellungen ist bereits verkauft.

Das Stück wird vom 11. August bis 16. September, im Sternensaal Wohlen aufgeführt. Mehr Infos und Vorverkauf unter www.morsch.ch

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