Joseph Gauch, von allen Seeby genannt, sitzt am Tisch in seiner Wohnung, vor sich rote und grüne Hefter mit Sichtmappen. Es sind Fotobücher, in denen sich hunderte Erinnerungen verstecken. Die Fotosammlung wurde vor kurzem digitalisiert und ist nun auf DVD verfügbar (siehe Box).

Seeby Gauch sind aber wohl die Fotobücher aus Papier wichtiger. Er hat die Fotografien vergrössern lassen und sie thematisch zusammengestellt. Alte Wohnhäuser (Käserei bis Ende Dorf), Fasnacht und Schränzer, Musikverein Hochzeiten, Musikverein Reisen: über 20 Bände sind in seiner Sammlung.

Beim Durchblättern verweilt er nur selten bei einem Foto. «Hier, das ist ein Ausflug mit dem Josefsverein, da haben wir Bundesrätin Ruth Metzler getroffen. Und hier sind Bauernfamilien auf einem Ausflug.» Unter dem Foto steht: «Als es noch so viele Bauernfamilien gab. Altbekannte Leute.»

Auf vielen der Fotos sind Personen angeschrieben, manchmal direkt im Foto, manchmal mit Nummern oder farbigen Punkten. Die Schrift ist häufig mit Leuchtfarbe hervorgehoben. Eine neongrüne Fläche im Schwarzweiss-Foto.

Der siebte Gemeinderat

Seeby Gauch ist ein Dorforiginal. Das sagt er auch selber von sich, nicht ohne Stolz. «Manchmal nannten sie mich den siebten Gemeinderat. Das ist derjenige, der sagt, wer gewählt wird», sagt Gauch und lächelt. Er ist in Niederwil aufgewachsen, war Möbelhändler und hatte eine Schreinerei, und er war bei der Militärmusik. Dass die Musik immer ein wichtiger Teil seines Lebens war, erkennt man auch an den Fotobüchern, von denen sechs dem Musikverein gewidmet sind.

Die Fotografien hat Seeby Gauch von seinen Freunden erhalten. «Ich konnte nie genug Fotos haben, und die Leute haben mir immer wieder etwas für meine Sammlung gebracht», erzählt Gauch. Seine Bekanntheit im Dorf erreichte er mit seiner aktiven Teilnahme an der Politik und am Vereinswesen. «Ich bin Einzelkind. Für war der Musikverein immer wichtig, dadurch fühlte ich mich mit dem Dorf verbunden.»

Gauch hat fast sein ganzes Leben in Niederwil verbracht. 1952 hat es ihn in die Innerschweiz gezogen, ein Jahr verbrachte er in Brunnen, dann eines in Bar. Zu Hause ist er aber in Niederwil, das spürt man.

Neben vielen Personenfotos sind auch Fotografien von Niederwil vorhanden, den Abbruch der Käserei, die Sägerei, Niederwil ca. 1960. Dann gibt es auch noch die «Totenheftli», wie Seeby Gauch sie nennt. Verstorbene Behördenmitglieder, Vereinskameraden, Lehrer.

«Dankbar für die Erinnerung»

Manchmal verschenkt Gauch auch eines seiner Fotohefte zum Geburtstag, als Erinnerungsstück. «Die Leute freuen sich riesig darüber», erzählt er. Er hofft, dass sich auch in Zukunft jemand findet, der Fotos von Niederwil sammelt, damit jemand sein Werk fortführt. «Ich bin dankbar für die Erinnerungen an das Dorf.»