Bremgarten

Der Seerosenteich ist leer, der Biber zieht weiter

Der Biber aus dem Biotop beim Schulhaus Isenlauf in Bremgarten wurde seit dem vergangenen Sonntag nicht mehr gesichtet. Der kantonale Biberexperte vermutet, dass sich das Tier weiter reussabwärts ein neues Revier suchen wird.

Ein hungriger Biber vergass seine Menschenscheu, weil ihn frische Seerosen ins Biotop beim Isenlauf-Schulhaus lockten. Der junge Biber kam regelmässig am Abend aus seinem Bau an der Reuss und schlüpfte unter dem Zaun hindurch, um sich an den Wasserpflanzen gütlich zu tun. Seit dem vergangenen Sonntag wurde der Biber allerdings nicht mehr gesichtet.

Biber in Schule ein Thema

Am Pfingstmontag pilgerten hunderte Menschen zum Pfingstmarkt nach Bremgarten. Dieser Trubel war dem Biber womöglich doch etwas zuviel, denn Monika Wiederkehr, Stufenleiterin beim Schulhaus Isenlauf, stellt ernüchtert fest: «Als ich am Dienstagabend beim Biotop wartete, erschien der Biber auf jeden Fall nicht.» Wiederkehr hat gehört, dass das Tier auf der anderen Reussseite bei der alten Badi gesichtet worden sei. Für die Schüler war der Biber dennoch ein Thema: «Wir haben vom Naturama Aarau Anschauungsmaterial bekommen und die Videos der az geschaut», so Wiederkehr.

Revierwechsel nicht ungewöhnlich

«Biber wechseln ihre Reviere, wenn sie keine Nahrung mehr finden», weiss Christof Sutter, Biberverantwortlicher des Kantons Aargau. Das Habitat in unmittelbarer Menschennähe lässt den Experten vermuten, dass er bald ganz aus Bremgarten fortzieht. «Das Nahrungsangebot im Siedlungsraum ist knapp, also wird er früher oder später weitermüssen.» Dass der Nager sich weiter von der Reuss entfernt und in andere Gartenteiche einbricht, hält Sutter für eher unwahrscheinlich.

Hier verlässt der Biber den Teich und kehrt zurück in die Reuss

Hier verlässt der Biber den Teich und kehrt zurück in die Reuss

Biber können auf ihren Wanderungen grosse Distanzen zurücklegen. Wenn sich die Tiere aber ein-mal mit einem Weibchen in einem bestimmten Revier niedergelassen haben, bleiben sie diesem in der Regel treu und verteidigen es nach Kräften. «In der Reuss gibt es zwischen Sins und Mellingen bereits neun Biberreviere», weiss Sutter anhand der letzten Biberzählung aus dem Jahr 2008. In Mellingen gäbe es mit dem Schwarzgraben ein für Biber attraktives Nebengewässer, welches das Bremgarter Exemplar vielleicht anzieht. Reussaufwärts ist die Abwanderung schwieriger, stellt doch das Kraftwerk Bremgarten ein beträchtliches Hindernis dar.

Biber trotz Watschelgang gesund

Eine besorgte Bürgerin hat sich bei Sutter gemeldet und wollte wissen, ob der Bremgarter Biber denn wirklich gesund sei - sein unbeholfener Watschelgang hat die Frau daran zweifeln lassen. Sutter kann aber Entwarnung geben: «Der Biber bewegt sich an Land nicht so elegant wie im Wasser, sondern so, wie wenn wir Menschen mit Schwimmflossen laufen müssen.» Aber Achtung: «Im Notfall kann der Biber selbst an Land schnell unterwegs sein», weiss Sutter.

Der Biber tut sich an den Seerosen gütlich

Der Biber tut sich an den Seerosen gütlich

Da kommt der Biber aus der Reuss und watschelt zielstrebig auf sein Seerosenbuffet zu

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